Storchenbirke am Ringweg in Ziegenhain wurde gefällt

Heinz Stübing

Ziegenhain. Es hat einige mächtig erbost: Den Storchenhorst am Ringweg in Ziegenhain gibt es nicht mehr. Er befand sich auf einer abgestorbenen Birke am Rande des Spielplatzes dort.

Vor einigen Tagen wurde der Stamm gefällt, und zwar ganz legal von der Stadt Schwalmstadt, der das Grundstück gehört. Wir sprachen darüber mit dem Ziegenhainer Vogelkundler Heinz Stübing (79) und fragten bei der Stadt nach.

?Warum wurde die Birke gefällt?

!Laut der Stadt Schwalmstadt ging es einzig um die Verkehrssicherheit. Der Baum sei von einem externen Sachverständigen untersucht worden, „dabei wurde festgestellt, dass die Birke abgestorben war und massiver Pilzbefall bestand. Somit war die Standsicherheit nicht mehr gegeben.“

?Gab es eine Genehmigung dafür?

!Definitiv, so die Stadt Schwalmstadt, die Fällung sei in Abstimmung und mit Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde beim Schwalm-Eder-Kreis geschehen. Auch der Naturschutzbeirat und die lokalen Naturschützer seien beteiligt gewesen.

?Wie sehen es die Naturschützer?

!Laut Heinz Stübing, Mitglied im Naturschutzbeirat, ist es durchaus plausibel, dass der abgestorbene Baum eine mögliche Gefährdung darstellte, der irgendwann hätte umstürzen können. Er war schon vor Jahren zurückgestutzt worden, Birken würden in der Regel nicht älter als 60 Jahre.

?Hängt die Fällung damit zusammen, dass die Stadt das Grundstück als Bauland verkaufen will?

!Die Stadt bestätigt, dass der Grund seit längerer Zeit zum Kauf angeboten wird. Offenbar gibt es auch Kaufwillige, bei einem Ortstermin von HNA und Heinz Stübing tauchte spontan ein Interessent auf.

Auf die Errichtung eines künstlichen Storchenhorstes als Ersatz („Ersatzunterlage“) am selben Ort wurde aber laut Stübing nicht deshalb verzichtet, sondern weil es vier unbesetzte Horste rund um Ziegenhain gibt, die von den Tieren bloß als Ruheplätze genutzt werden, zum Beispiel der am Teich Naturschutzgebiet zwischen Steina und Ziegenhain.

?Was ist zum Thema Horstersatz zu sagen?

!In Südhessen wird darauf inzwischen weitgehend verzichtet, weil die Storchpopulationen so groß sind, dass die Flächen mehr Tiere gar nicht ernähren. Dabei haben sich Störche auf neue Nahrung umgestellt, fressen heutzutage zum Beispiel Heuschrecken und Regenwürmer.

Bis zum Einbruch der Storchenvorkommen in Deutschland in den 1970er-Jahren waren die Tiere auf Kröten und Frösche angewiesen, die es bis zur Intensivierung der Landwirtschaft noch massenhaft gab. Auch die Storchenliebhaber hier sind der Ansicht, dass deutlich mehr Störche sich in der Schwalm nicht auskömmlich ernähren könnten.

?Wurde denn auf der Birke Ringweg von Störchen gebrütet.

!Ja, seit 2014 jedes Jahr. Damals war ein Storchenpaar vom Schornstein Schafhof ausgewichen, der von Nilgänsen besetzt war, und hatte sich auf der toten Birke niedergelassen. Damit war es eine Baumbrut und etwas ganz Einmaliges in der Gegend. Die letzten hatte es in der Nachkriegszeit in und direkt am Ortsrand von Steina gegeben. Inzwischen haben es Störche zudem regelrecht verlernt, auf Häusern zu nisten, die Nähe zum Menschen aber stört sie nicht.

Insgesamt neun Jungstörche hatten ihre Kinderstube in den drei Jahren auf dem Horst im Ringweg.

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