Gemeinnützige Arbeitsstunden

Streit um Kopfhörer: Schüler schuldig gesprochen

Treysa. Wegen Raubes und Körperverletzung wurde ein 18-jähriger Gymnasiast aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu 60 gemeinnützigen Arbeitsstunden verurteilt.

Außerdem muss der junge Mann die Kosten des Verfahrens tragen.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Schüler vor, im Juli während des Unterrichts seiner Exfreundin ein paar Kopfhörer, die er ihr geschenkt hatte, abgenommen und sie dabei erheblich am Handgelenk verletzt zu haben. Der Angeklagte räumte die Körperverletzung zwar ein, berief sich aber auf Notwehr. Er sei von seiner Freundin geschlagen worden und habe lediglich einen zweiten Schlag verhindern wollen. Die Kopfhörer seien sein Eigentum gewesen, er habe sie nur verliehen gehabt.

Das Opfer berichtete, der Angeklagte habe ihr gedroht: „Gib mir die Kopfhörer oder ich breche dir die Hand“. Er habe ihr Handgelenk mit zwei Händen umfasst und zugedrückt, bis sie einen Knacks gehört habe. Sie sei weinend aufgesprungen und Türen schlagend aus dem Klassenraum gelaufen. Beide erklärten, der Lehrer sei zu diesem Zeitpunkt nicht in der Klasse gewesen.

Die Zeugen, drei Mitschüler und eine Lehrerin, konnten nicht viel zur Aufklärung des Geschehens beitragen. Eine Zeugin erinnerte sich lediglich an ein lautes Getuschel der beiden, eine zweite hatte nicht einmal bemerkt, dass das Opfer zur Tür hinaus gerannt war. Der dritte Zeuge hatte zwar den Streit bemerkt, wusste aber nicht, wer wen geschlagen hatte. Übereinstimmend erklärten die drei Zeugen, dass der Lehrer vorn an der Tafel gestanden habe.

„Da steht es immerhin 3 zu 2 für den Lehrer“, kommentierte der Richter. Auf seine Nachfrage jedoch, was denn an dieser Schule los sei, konnten die Schüler keine befriedigende Antwort geben. Musik hören sei im Unterricht zwar verboten, aber daran hielten sich nicht alle, war die hilflose Erklärung.

Eine Lehrerin, die sich um die verletzte Schülerin gekümmert hatte, berichtete, das Opfer habe ihr sofort von dem Streit erzählt. Der Richter fragte, wie der Handy-Gebrauch an der Schule geregelt sei, und die Lehrerin erklärte, zum Zeitpunkt der Tat sei es in den Pausen noch erlaubt gewesen, das Handy zu nutzen. Mittlerweile gelte jedoch ein generelles Verbot. Eine Strafe von Seiten der Schule habe es für den Vorfall nicht gegeben, berichtete der Angeklagte. Das Angebot der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen eine 40-stündige Arbeitsleistung einzustellen, lehnte die Verteidigung ab.

Die Jugendgerichtshilfe sprach sich wegen einer Reifeverzögerung des Angeklagten für die Anwendung des Jugendstrafrechts aus. Die Staatsanwaltschaft ließ den Vorwurf des Raubes fallen und forderte in ihrem Plädoyer 70 Stunden gemeinnützige Arbeit wegen der erwiesenen Körperverletzung. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, da das Opfer sich alles nur aus Eifersucht ausgedacht habe.

Der Richter begründete sein Urteil unter anderem mit der Glaubwürdigkeit des Opfers und der Tatsache, dass die Kopfhörer tatsächlich ein Geschenk gewesen seien.

Von Christiane Decker

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.