Symbole für die Freundschaft

Niedergrenzebach: Kirchengemeinden pflegen Partnerschaft seit 40 Jahren

Kirche Niedergrenzebach: Links steht die Eiche, die die Verbundenheit mit der Partnergemeinde symbolisieren soll.
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Kirche Niedergrenzebach: Links steht die Eiche, die die Verbundenheit mit der Partnergemeinde symbolisieren soll.

28. Dezember 1980 vier Uhr in Niedergrenzebach: Es begann eine Abenteuerreise. Vor 40 Jahren sind erstmals Mitglieder aus der Kirchengemeinde aufgebrochen zur damaligen Patengemeinde Emersleben und Groß Quenstedt in Sachsen Anhalt (bei Halberstadt).

Niedergrenzebach. Die erste Begegnung soll bei den Protagonisten auf beiden Seiten zu bewegenden Eindrücken geführt haben. Ein Brief von Pfarrer Ulrich Schäffner kündet davon und von der Sehnsucht, selbst einmal zu einem Gegenbesuch zu kommen. Davon berichtet Pfarrer Hans-Geritt Auel.

Zehn Jahre später war es endlich soweit. Seitdem wechseln wir uns jährlich mit den Besuchen ab. Bis 2007 sind wir meist in Busgröße gekommen, doch allmählich sind viele derjenigen, die noch lebendige Erinnerungen an die frühen Zeiten der Partnerschaft haben, leider gestorben.

Ich selbst schätze diese Partnerschaft sehr, habe ich doch als Jugendlicher meiner damaligen Kirchengemeinde in den 80-er Jahren selbst an den jährlichen Besuchen in Ausleben und Ottleben teilgenommen. Doch diese Partnerschaft ist wie so viele einige Jahre nach der Revolution und Wiedervereinigung bedauerlicherweise eingeschlafen. Von denen, die sich in zwei Autos gen Osten auf den Weg machten, kann heute kaum noch jemand als Augenzeuge berichten. Ein Reisebericht liegt allerdings vor. Welche Beschwerlichkeiten die acht Reisenden damals auf sich nahmen, kann man heute kaum noch nachvollziehen. Es war eine wahrhafte Tagesreise, denn sie war erst am nächsten Tag um 2 Uhr vorbei. An diesem Tag gab es nicht nur das Kennenlernen der beiden Gemeinden, sondern es wurden auch erste familiäre Kontakte geknüpft, deren daraus entstandene Freundschaften mittlerweile auch über Generationen weiter bestehen. So lebt unsere Partnerschaft auch ohne ihre Gründer weiter.

Zwei Eichen als symbolisches Zeichen

Nach 20 Jahren, im zehnten Jahr der deutschen Einheit, im Jahr 2000, konnte groß in der Patengemeinde gefeiert werden. Als Geschenk für die Partnerschaft hatte Pfarrer Maltzahn zwei Eichen besorgt, die in Niedergrenzebach und Emersleben gepflanzt werden sollten. Beim Kauf seien „seine Augen leider größer als unsere Autos“ gewesen, so konnte nur die Eiche in Niedergrenzebach gepflanzt werden, heißt es in dem Bericht. Für die andere Eiche wurde ein neuer Termin, der Reformationstag, vereinbart. Selbst der Gemeindebus kam beim Transport des Baumes an seine Grenze, aber letztlich sind Maltzahn und der Baum in Emersleben gut angekommen. Er wächst und gedeiht bis heute.

Nach 20 Jahren gibt es eine Gedenktafel.

In Emersleben gibt, bzw., gab es mehrere Gedächtniseichen. Die Wenigsten wissen noch, dass es solche sind und warum sie gepflanzt wurden. Daraus entstand die Idee, der Paten-Eiche eine Erklärtafel hinzuzufügen. Von der Idee bis zur Umsetzung hat es wiederum 20 Jahre gedauert.

Im Jahr von Corona, als das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft gefeiert werden sollte, ist jeglicher gegenseitiger Besuch nicht möglich gewesen. So wurde in Niedergrenzebach für den Reformationstag die Einweihung der Gedenktafel und vorher die Aufstellung eines entsprechenden Steins geplant. Damit die andere Eiche aber genauso einen Ausweis ihrer Bestimmung bekommt, haben die Niedergrenzebacher eine zweite Tafel anfertigen lassen, die genau 40 Jahre nach der ersten Reise von Niedergrenzebach nach Emersleben ihren Platz finden soll.

Kirchenprovinz in Sachsen

Damals hatten die damalige Kirchenprovinz Sachsen auf der einen und die hessischen Landeskirchen Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck auf der anderen Seite eine Partnerschaft ins Leben gerufen, in der westdeutsche Kirchengemeinden Patenschaften für Kirchengemeinden auf dem Gebiet der DDR übernommen haben. Vereinzelt gab es diese schon vorher. Bestehende Patenschaften wurden beibehalten. Darüber hinaus wurden Kirchenkreise und dort wiederum Kirchengemeinden einander zugeordnet. Im Herbst 1980 wurden erste Briefe ausgetauscht und für den Dritten Advent 1980 war die erste Fahrt von West nach Ost geplant, die früher mit Umwegen und Wartezeiten an der innerdeutschen Grenze verbunden war.

Von Sylke Grede

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