Betrieb läuft im Gegensatz zum ersten Lockdown weiter

Tafel Schwalmstadt bleibt geöffnet

Sind weiter für die Kunden der Tafel da: Drei der Ehrenamtlichen von links Anita Birkenstock, 68, Erika Unger, 58, und Ingela Rheinwald, 76 Jahre.
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Sind weiter für die Kunden der Tafel da: Drei der Ehrenamtlichen von links Anita Birkenstock, 68, Erika Unger, 58, und Ingela Rheinwald, 76 Jahre.

„Die Tafel Schwalmstadt bleibt auf!’’. Das sind die beruhigenden Worte von Ingela Rheinwald, die seit über fünfzehn Jahren ehrenamtlich dafür tätig ist. Und zwar aus voller Überzeugung und mit einer großen Portion Freude, die sie auch ausstrahlt.

Schwalmstadt. Von März bis April sah das nämlich noch ganz anders aus; zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns war die Tafel Schwalmstadt komplett geschlossen. „Seit Mai dürfen einzelne Kunden wieder die Ausgaberäumlichkeiten betreten“, fasst ihre Kollegin, Erika Unger zusammen. Selbstverständlich müssen sich auch beim Besuch der Tafel alle Kunden an die allgemein geltenden Hygienevorschriften halten. Das Abstandhalten wird durch Wartemarkierungen vor der Tür der Tafel erleichtert und das Tragen der Maske ist eine Pflicht. „Bisher haben sich all unsere lieben Kunden wunderbar mit diesen für alle neuen Vorgehensweisen arrangiert“, betont Ingela Rheinwald.

Gearbeitet wird in der Ausgabe abwechselnd in einem Team von vier Ehrenamtlichen. Im Gegensatz zu früher dürfen die Kunden jetzt nicht mehr alles selbst auswählen, sondern ihnen wird das meiste hingelegt. Brot darf weiterhin ausgewählt werden.

45 Mitarbeiter helfen mit

Insgesamt 192 Kundenkarten, was 424 berechtigten Kunden inklusive einem Anteil von 40 Prozent Kinder bedeutet, sind derzeit belegt. Hartzvier, dauerhafte Erwerbsminderung, Grundsicherung, eine zu niedrige Rente – all diese Begebenheiten gelten als Voraussetzung, die Lebensmittel über die Tafel Schwalmstadt beziehen zu dürfen. Über die Berechtigung hierzu entscheiden Erika Unger und Ingela Rheinwald. Bei der Anmeldung, also zum ersten Besuch, werden die neuen Kunden über die genauen Abläufe informiert und ihnen wird eine Kundenkarte ausgestellt, die sie dann, je nach Farbe der Kundenkarte, für die geraden oder ungeraden Wochen zum Besuch des Tafelladens berechtigt. Während der Öffnungszeiten, die dienstags und donnerstags von 14 bis 16.30 Uhr sind, können die Lebensmittel dann gegen einen Unkostenbeitrag von 2 Euro/pro Erwachsenem (Kinder bis 17 Jahren sind frei) abgeholt werden.

Apropos Lieferung: Insgesamt sind 45 Mitarbeiter nötig, um die Tafel Schwalmstadt am Laufen zu halten. Vom Fahrer über den Sortierdienst bis hin zum Ausgabedienst. Täglich von 7.30 bis 17 Uhr. „In Wetzlar gibt es ein Zentrallager der Tafel für Großspenden. Wir haben das große Glück, dass die Firma Heidelmann viele der Spenden dort abholt und sie in Ziegenhain bis zur Abholung durch uns lagert“, freuen sich die beiden Ehrenamtlichen. Denn genug zutun ist immer. Die Bundestafel und die Hessische Landestafel versorgen die Damen zusätzlich immer mit vielen administrativen Tätigkeiten.

Kommunikation in Corona-Zeiten ist schwierig

Die Freude darüber, dass die Tafel Schwalmstadt nach der Komplettschließung wieder für die Kunden geöffnet hat, scheint jedoch ein wenig getrübt.

So fehlt die Seelsorge. Die Gespräche sind auf ein Minimum begrenzt, es kann kaum noch ein Austausch stattfinden. „Für viele unserer Kunden sind wir der einzige soziale Kontakt in der Woche. Da hat man sich schon mal Zeit genommen und auch über den Alltag und die privaten Probleme gesprochen. Das ist jetzt leider nur noch in absoluter Kurzversion machbar.“

Für das Leitungsteam Unger und Rheinwald eine traurige Begleiterscheinung der Pandemie.

Und trotzdem blicken beide zuversichtlich ins neue Jahr – in der Hoffnung, dass dann auch wieder mehr Zwischenmenschliches passieren darf.

Von Vanessa Schnücker

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