Schon seit 22 Jahren

Schwälmer Theater als Ort für die Seele: „3 hasen oben“ über die Sorgen und Einschränkungen in der Corona-Zeit

Ziehen die Zuschauer normalerweise schon mit dem Kulturanstifter-Mobil in den Bann, wie hier Maxi Buck als Einhorn vor der vierjährigen Marlene, bei der „3 hasen oben“-Version des Grimmschen Märchens vom Froschkönig im Sommer 2019.
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Ziehen die Zuschauer normalerweise schon mit dem Kulturanstifter-Mobil in den Bann, wie hier Maxi Buck als Einhorn vor der vierjährigen Marlene, bei der „3 hasen oben“-Version des Grimmschen Märchens vom Froschkönig im Sommer 2019.

Das Schwälmer Theater „3 hasen oben“ wurde von dem Coronavirus und den damit einhergehenden Einschränkungen mit voller Wucht getroffen.

Schwalm – Schon seit 22 Jahren machen Silvia Pahl und Klaus Wilmanns in der Schwalm gemeinsam Theater. Die „3 hasen oben“, wie sie sich nennen, haben dabei aber ein Jahr wie 2020 noch nie erlebt: Das Coronavirus und die damit einhergehenden Einschränkungen trafen sie, wie auch die gesamte Künstlerszene, mit voller Wucht.

Gemeinsam mit Maxi Buck, der seit etwa fünf Jahren Teil der Gruppe ist, arbeiteten die freischaffenden Künstler seit mehr als sechs Monaten an ihrer neuen Produktion „Bumblebee“ (Deutsch: Hummel), die Premiere wäre am vergangenen Wochenende gewesen. Nun musste durch die neuen Corona-Vorschriften der Bundes- und Landesregierung alles abgesagt werden - erneut.

3 hasen oben: Coronavirus

„Wir fühlen uns gelähmt und gleichzeitig panisch. An Schlaf ist nachts nicht mehr zu denken. Wir proben jetzt einfach weiter, sonst würden wir depressiv werden“, erzählt Silvia Pahl von der aktuellen Situation der drei Künstler. Auch schon während des ersten Lockdowns mussten die geplanten Vorstellungen der „3 hasen oben“ abgesagt werden. Und im Sommer kam dann auch noch beim geplanten Freiluft-Theater das schlechte Wetter dazwischen.

Silvia Pahl, Klaus Wilmanns und Maxi Buck fühlen sich im Stich gelassen: „Unsere Aufgabe ist es doch eigentlich, zu zeigen, dass jeder wertvoll ist und ein Gewinn für die Gesellschaft. Wir sind Menschen, die begeistern können. Aber wir wissen bald nicht mehr, wo wir das hernehmen sollen.“ Es geht ihnen dabei besonders um die Anerkennung in der Gesellschaft. „Seit zehn Jahren sind die Menschen übellaunig. Sie ziehen sich zurück und schimpfen. Das Theater wäre eine tolle Möglichkeit, um in den Austausch zu gehen oder auch Kritik zu üben. Wir wollen sie ihre eigene Lebendigkeit erleben lassen. Aber die Menschen nehmen das nicht an“, erzählt Silvia Pahl.

Proben weiter: (von links) Maxi Buck, Silvia Pahl und Klaus Wilmanns in den Kostümen des Stückes „Bumblebee“ (Deutsch: Hummel).

Es gebe in dieser Zeit der Absagen viele gut gemeinte Ratschläge von Leuten, die das akute Problem aber nicht erkennen würden, so Pahl: „So einfach ist das alles nicht. Wir haben kein eigenes Theater, keine Techniker. Wir müssen das alles selbst aufbauen, das dauert insgesamt nahezu zwei Wochen. Da können wir nicht mal eben in einer Schulaula auftreten.“ Die richtige Präsenz zu erreichen, sodass alles sitzt und auch leicht aussieht auf der Bühne, müsse man ausgiebig trainieren. Deswegen sei ihr neues Stück „Bumblebee“, in dem Silvia Pahl selbst Regie führt, auch nicht einfach um vier Wochen verschiebbar. „Wir werden die Premiere nachholen. Aber erst wenn wir wieder sicher planen können“, so Pahl. Wann das sein wird, ist jedoch unklar.

3 hasen oben: Finanzielle Unterstützung

Eine finanzielle Unterstützung in Form einer direkten Ausgleichszahlung gab es bisher noch nicht für die Künstler der „3 hasen oben“. „Wir können zwar Förderungen beantragen, die sind aber immer an bestimmte Projekte gebunden. Es gibt auch jetzt Extraprogramme für die Pandemie. Wir haben zum Beispiel ein Hörspiel aufgenommen, um irgendwie Geld zu verdienen“, erklärt die Künstlerin. Bald soll es wohl auch eine Lohnersatz-Zahlung geben.

Die Künstler von „3 hasen oben“ sehen nun einer Zeit mit vielen Fragezeichen entgegen. Für das nächste Jahr hätten sie bisher wegen der Coronavirus-Pandemie noch keine einzige Buchung. Schauspielerin Silvia Pahl sagt dazu: „Wir müssen flexibel bleiben und hoffen, dass unser Theater nach der Pandemie noch eine Zukunft hat. Wenn man Kultur weiterhin haben möchte, dann sollte man sich auch um sie kümmern.“

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