Gestrandet auf der Insel

Nach Thomas Cook-Pleite: Schwälmerin hängt auf Mallorca fest

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Eine Schwälmer Reisegruppe hängt nach Cook-Pleite auf der Ferieninsel Mallorca fest. Das Hotelmanagement sperrte die Schlüsselkarten der Zimmer für die Gäste.

Eine Schwälmer Reisegruppe hängt nach Cook-Pleite auf der Ferieninsel Mallorca fest. Das Hotelmanagement sperrte die Schlüsselkarten der Zimmer für die Gäste.

Das war ein scheußliches Gefühl: Nach einem noch einigermaßen unbeschwerten Urlaubstag mit Kultur und Shopping in Mallorcas Inselhauptstadt Palma kommt Andrea Knauff-Schenk am Montag in ihr Vier-Sterne-Hotel in Can Pastilla zurück, doch die Tür zu ihrem Zimmer lässt sich nicht mehr öffnen. „Da fühlt man sich zuerst wie ein Schwerverbrecher, die persönlichen Dinge sind drin und man weiß nicht, wie es jetzt weitergeht.“

Zusammen mit Mitreisenden erfährt sie wenig später in der Hotellobby, dass sie ausgesperrt bleibt, wenn sie nicht sofort zahlt. Kein Hauch mehr von Kulanz und Freundlichkeit. „Die Art und Weise, wie da mit einem umgegangen wurde – das war schon sehr unschön“, berichtet die Obergrenzebächerin am Dienstag telefonisch.

Reiseleitung nicht erreichbar

Die Reiseleitung vor Ort sei ersteinmal nicht erreichbar gewesen. Immerhin war man schließlich bereit, den geforderten Preis von 448 Euro pro Person für den gesamten Aufenthalt auf 300 Euro zu senken. Die Schwälmer hatten Doppelzimmer zur Alleinbenutzung gebucht und die gesamte Reise natürlich im Voraus voll bezahlt. 

Andrea Knauff-Schenk: Das Foto schickte uns die Obergrenzebächerin gestern und berichtete, wie chaotisch die Situation vor Ort mitunter ist.  

„Das war vielleicht ein gewisses Entgegenkommen, aber schließlich kommen jetzt auch keine Flieger mehr rein nach Mallorca, die Zimmer bleiben sonst ja einfach leer.“ Für die Situation der Hoteliers und ihre hohen Einbußen durch die mega Pleite müsse man wohl auch Verständnis aufbringen.

Tumultartige Szenen in der Hotellobby

Keineswegs alle Gäste jedoch wollten – oder konnten – aufs Neue zahlen. „Wir haben tumultartige Szenen erlebt, Männer, die rumschrien, zwei Teenagerinnen, die laut weinten.“ Dann war da noch das ältere Ehepaar, dem Taschendiebe am Beginn der Reise sämtliches Bargeld und die Kreditkarten gestohlen hatten. 

Zu diesem ersten Schock kam nun der: schlicht die geforderten 1400 Euro nicht bezahlen zu können, um ein Dach über dem Kopf zu behalten. Alleinerziehende mit kleinen Kindern waren völlig ratlos, weil sie das Geld einfach nicht erneut aufbringen können. Ein Paar besetzte sein Zimmer förmlich, verließ es nur abwechselnd, um nicht ausgesperrt zu werden, bis ein Rückflug ergattert ist.

Infoabend für Geschädigte im Hotel - Reiseleiterin brach in Tränen aus

Die Schwälmer Frauengruppe versucht, sich den Urlaub nicht komplett verderben zu lassen, trotzdem ist der Ferienspaß getrübt. Ständig schlagen neue beunruhigende Nachrichten auf. Am gestrigen Dienstag gab es eine Informationsveranstaltung für die Touristen im Hotel, doch dabei habe sich nur die Hilflosigkeit des Personals vor Ort entlarvt. 

Die Reiseleiterin zeigte sich aufgelöst in Sorge vor Arbeitslosigkeit und bricht in Tränen aus. Die Stimmung der deutschen Touristen reiche wegen der Thomas-Cook-Pleite von Niedergeschlagenheit bis Wut, während alle Engländer die Zusage erhalten hätten, man werde sie pünktlich und geordnet nach Hause bringen.

Die Schwälmerinnen hoffen, dass sie am Freitag mit ihrem gebuchten Condor-Flug heimreisen können, doch auch hier haben sie keine Gewissheit bislang.

Schwälmer Reisebüro Schmidt sind die Hände gebunden

Gebucht hat die Schwälmer Gruppe im Reisebüro Schmidt in Treysa, mit dem über Email Kontakt besteht. Elena Wöllenstein vom Reisebüro sagte, dass man gern viel mehr tun würde für die Kunden, mehrere Fälle seien zu bearbeiten, „doch die Warteschleifen sind überall gekappt“, man tappe völlig im Dunkeln. 

Ob die Insolvenzversicherung von Thomas Cook Andrea Knauff-Schenk und ihren Mitreisenden die Kosten ersetzen wird, kann sie ebenfalls noch nicht beantworten. Auch von der Fluggesellschaft Condor höre man nichts, es gebe einfach nichts Offizielles. „Wir arbeiten wirklich mit Hochdruck und Elan und tun alles, was in unserer Macht steht, damit unsere Kunden zum Beispiel eine Unterkunft bekommen“, beteuerte Elena Wöllenstein gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die vielgereiste Hebamme Knauff-Schenk jedenfalls hat dergleichen noch nie erlebt. Und wenn die 56-Jährige sagt, dass sie aus den nun verbleibenden Tagen in der Sonne noch das Beste machen will, schwingt hörbar ein erhebliches Unbehagen mit – so eine Erfahrung bitte niemals wieder.

Auch eine Kasseler Familie hat Probleme mit der Thomas Cook-Pleite. ihr Urlaubstraum ist zerplatzt.

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