Flutkatastrophe

THW Schwalmstadt zieht erste Bilanz: Dankbarkeit der Menschen ist groß

Räumeinsatz: Auch mit schweren Gerät wurden Trümmer beseitigt. Unser Bild zeigt einen Radlader im Einsatz.
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Räumeinsatz: Auch mit schweren Gerät wurden Trümmer beseitigt. Unser Bild zeigt einen Radlader im Einsatz.

Vier Wochen lang war das THW Schwalmstadt im Katastrophengebiet im Raum Ahrweiler und später Dernau im Einsatz. Die Helfer leisteten in dieser Zeit 4000 Stunden ehrenamtliche Hilfe unter schwierigsten Bedingungen.

Schwalm-Eder– Vergangene Woche endete der Hilfs-, Räum- und Bergungseinsatz. Als letzte Schwälmer THW-Einheit verlegte der Zugtrupp zurück nach Schwalmstadt. Wie der Ortsbeauftragte des THW Schwalmstadt, Thomas Dickel, gegenüber der HNA sagte, seien in den vergangenen Wochen 20 Helfer mit Ausrüstung und Fahrzeugen aus dem Schwalm vor Ort in Rheinland-Pfalz gewesen.

Thomas Dickel

Die durch den Starkregen und das Hochwasser verursachten Schäden überraschten auch die erfahrenen Helfer. Man habe fast den Eindruck gehabt, in einem Kriegsgebiet zu sein, so Dickel.

Dank auch an Familien und Arbeitsgeber

Die Einsatzkräfte waren jeweils eine Woche im Katastrophengebiet. Manche Helfer hätte auch zwei Touren gemacht, sagt Dickel und bedankt sich vor diesem Hintergrund noch einmal ausdrücklich bei den Arbeitgebern, aber auch bei den Familien für ihr entgegenkommen und Verständnis. „Ohne diese Mithilfe könnte das THW seinen Auftrag nicht erfüllen.“ Hintergrund: Wie bei den Freiwilligen Feuerwehren handelt es sich bei den Angehörigen des THW um Ehrenamtliche, die einem normalen Beruf nachgehen.

Zugführer Steffen Sauer, der in der ersten Woche im Einsatz war, erklärte die Lage und das Vorgehen vor Ort. „Nachdem wir mehrere Tage im Gruppenzelt an der Einsatzstelle geschlafen haben, konnten wir Mitte der ersten Woche im Krankenhaus Quartier beziehen. Hier ist auch das THW-Rotenburg im Einsatz und bereitet Trinkwasser für die Stadt auf“. Es war einer der längsten Einsätze in der Geschichte des Ortsverbandes Schwalmstadt.

Ein Ende der Einsätze des THW ist insgesamt noch nicht absehbar. Während in den ersten Tagen Nothilfe und Lebensrettung Hauptaufgaben waren, hat sich der Schwerpunkt der Einsätze auf die Notinstandsetzung und Versorgung der Bevölkerung verlagert.

650 Ortsverbände im Einsatz

In den Hochwassergebieten waren bislang 13 560 THW-Einsatzkräfte aus 650 Verbänden vor Ort. Das THW leistete nach eigenen Angaben 1,53 Millionen Einsatzstunden. Zu Spitzenzeiten waren 2400 Helfer aus 270 Ortsverbänden gleichzeitig im Einsatz, informiert der Ortsbeauftragte des THW Schwalmstadt, Thomas Dickel. Neben regulären Hilfskräften waren und sind auch viele zivile Helfer, Landwirte und Unternehmern im Einsatz.

Einer der umfangreichsten Einsätze für THW Schwalmstadt

In der Nacht vom 14. auf dem 15. Juli wurden durch Starkregen in Westdeutschland ganze Landstrich zerstört. Um den betroffenen Menschen zu helfen, rückte auch das THW Schwalmstadt aus.

Der Einsatz im Katastrophengebiet in Raum Ahrweiler ist in der Geschichte des THW Schwalmstadt wohl einer umfangreichsten gewesen. Vier Wochen waren die Schwalmstädter in Ahrweiler und Dernau vor Ort. Immer jeweils sieben Tage, dann wurden die Kräfte gewechselt. Seit einigen Tagen ist nun auch der Zugtrupp wieder zurück, die Helfer unterstützten die Arbeit von zwei Bergungsgruppen und einer Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung in Dernau.

Feldlager: Das THW Basiscamp direkt am Sportplatz in Ahrweiler.

Thomas Dickel, Ortsbeauftragter des THW Schwalmstadt, koordinierte die Einsätze von Schwalmstadt aus, war aber auch selber im Katastrophengebiet im Einsatz. Was er dort sah, sei mit keinen seiner bisherigen Einsätze vergleichbar gewesen. Bilder im Fernsehen und Internet würden das Ausmaß der Verwüstung nur ansatzweise vermitteln, so Dickel, im Gespräch mit der HNA: „Diese Form der Zerstörungen war surreal – fast wie im Krieg.“

Dankbarkeit der Menschen ist groß

Die Dankbarkeit der Menschen in der Region, sei nach wie vor groß und Motivation für alle Rettungskräfte, so Dickel weiter. Um die Helfer auch mit psychischen Belastungen im und nach dem Einsatz nicht allein zu lassen, gibt es im THW Einsatznachsorgeteams. Angesichts der Zerstörungen, des Leids und der Not eine sinnvolle Einrichtung.

Dankbarkeit: Mit selbstgemachten Bannern bedankten sich die Menschen bei den Helfern.

Die Gefahr, dass nach dem Einsatz etwas zurückbleibt, ist vorhanden, weiß auch das THW und erklärt auf seiner Homepage: Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sei eine der möglichen Folgen von akutem Hochstress nach belastenden Einsätzen. Auch die Helfer aus Schwalmstadt hätten das Angebot gerne angenommen, sagt der Ortsbeauftragte.

Hilfseinsatz zog sich über Wochen hin

4 Wochen war das THW Schwalmstadt in der Region Ahrweiler mit 20 Helfern im Einsatz.

6 Motorsägenketten wurden verschlissen, drei Motorsägen müssen überholt werden. Vier Reifen mussten gewechselt werden.

4000 Stunden leistete das THW nach eigenen Angaben, unter anderem wurden Keller leergepumpt und Trümmerberge beseitigt.

4500 Kilometer legten die Schwalmstädter mit ihren Fahrzeugen zurück.

Technische Hilfswerk für Katastrophen da

Das was in der Region passiert sei, sei eine Katastrophe und genau dafür sei das Technische Hilfswerk da, betont Dickel. Die Helfer sind bis zu einem gewissen Punkt autark. Dass diese Fähigkeit notwendig ist, zeigte sich in der ersten Woche. Die Einsatzkräfte biwakierten direkt im Schadensgebiet. Geschlafen wurde in einem großen Zelt, Strom kam aus dem eigenen Aggregat.

Hilfseinsatz: An der Psychiatrie in Ahrweiler mussten die Helfer Trümmer entfernen.

In den ersten Tagen sei die überörtliche Koordination mangelhaft gewesen, erinnert sich Thomas Dickel. Hilfskräfte sprechen in dem Zusammenhang auch von Chaosphase – eine Situation, die es in jedem Einsatz gibt. Aufgabe von Führungskräften ist es, diese Phase so kurz wie möglich zu halten.

Im weiteren Verlauf waren die Schwalmstädter in einem Krankenhaus untergebracht. Gemeinsam mit Landwirten und Bauunternehmen räumte das THW Trümmer in den Ortschaften. Angeschwemmter Unrat wurde auseinandergezogen, zerkleinert, verladen und abtransportiert – angesichts der Trümmerberge eine Sisyphusaufgabe. (Matthias Haass)

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