Überholvorgang misslingt

Treysa: 77-Jähriger wegen Gefährdung im Straßenverkehr vor Gericht

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Wegen einer Gefährdung des Straßenverkehrs musste sich ein 77-Jähriger vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt verantworten (Symbolbild)

Wegen einer Gefährdung des Straßenverkehrs musste sich ein 77-Jähriger vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt verantworten

Dabei wurde vor Gericht der genaue Sachverhalt geklärt: Der 77-Jährige soll im Oktober 2018 die Bundesstraße von Trutzhain kommend in Richtung Neukirchen befahren haben. 

Nach der Einmündung zur Melanchthon-Schule und mit Ende der dortigen 70er-Zone setzte der Mann mit seinem SUV zum Überholvorgang an. Vor ihm befand sich in Kolonne fahrend ein weiterer Pkw und ein Kleinlastwagen.

Fahrer provozierte Vollbremsung

Als der Rentner realisierte, dass ihm ein Pkw aus Richtung Riebelsdorf in nur etwa 400 Metern Entfernung entgegenkam und abzusehen war, dass der Überholvorgang beider vor ihm fahrenden Fahrzeuge abgebrochen werden muss, um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden, scherte der Angeklagte vor dem ersten Pkw wieder ein. 

Durch dieses Manöver provozierte der Audifahrer eine Vollbremsung des Wagens im Gegenverkehr und zwang dieses zum Komplettstillstand auf der Fahrbahn.

Mann fuhr einfach weiter

Der Angeklagte überholte dann noch den an erster Stelle der Kolonne fahrenden Kleinlastwagen, beendete damit seinen ursprünglichen Überholvorgang und setzte seine Heimfahrt fort – offenbar nicht ahnend, was zuvor passiert war. 

Der finale Tathergang konnte erst Schritt für Schritt im Verlauf der Verhandlung und letztendlich anhand einer vom Geschädigten angefertigten Skizze rekonstruiert und auch vom Angeklagten bestätigt werden. Nach einer vom Verteidiger anberaumten strategischen Verhandlungsunterbrechung räumte der ältere Herr dann den Hergang vollumfänglich ein: „Ja, jetzt erinnere ich mich wieder an alles. Das wird dann wohl so gewesen sein.“

Richterin vermutet Augenblickversagen 

Dass der Mann grob verkehrswidrig und rücksichtslos gehandelt hat, konnte dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden. „Vielmehr muss in diesem Fall von einem sogenannten Augenblicksversagen ausgegangen werden“, sagte die Richterin

Denn der Angeklagte befand sich auf einer gut ausgebauten, sehr gut einsehbaren Straße, die immer wieder zu Überholvorgängen genutzt wird. Weder eigensüchtige Motive noch Termindruck lagen außerdem seinerseits vor. Im Gegenteil: Der Rentner sprach immer wieder von einer „entspannten Fahrt“, währen der er zum Zeitpunkt des Ausscherens,,das entgegenkommende Auto einfach nicht gesehen habe.“

Kein Bußgeld mehr möglich

Fraglich schien am Ende, ob der Mann gegen eine Grundregel verstoßen hat. Darin heißt es, dass wer am Verkehr teilnimmt, sich so zu verhalten hat, dass kein anderer geschädigt oder gefährdet wird. 

Weil das Verfahren mehr als eineinhalb Jahren dauerte, konnte kein Bußgeld mehr verhängt werden. Ob nicht eine Information an die Führerscheinstelle eine Option sei, die kognitiven Fähigkeiten des Angeklagten überprüfen zu lassen, stellte die Richterin noch in den Raum. Hierzu wurde keine Entscheidung getroffen.

Von Vanessa Schnücker

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