Ein Haus erzählt Geschichte

Treysa: Altstadtfreunde zeichnen Schwestern Kurzeknabe aus

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Anerkennung: von links Doris Kurzeknabe und Ulrike Kurzeknabe bekamen die symbolische Auszeichnung von Georg Schlamann. 

Er ist eine Anerkennung und ein Schlaglicht auf die Historie von ehrwürdiger Bausubstanz, der Altstadtpreis der Altstadtfreunde Treysa.

Für das erste Quartal wurde er laut Mitteilung an die Familie Kurzeknabe verliehen. Es handele sich dabei um eine Auszeichnung für den vorbildlichen Einsatz bei der Erhaltung und Verschönerung der Fachwerkstadt Treysa.

Fachgerechte Sanierung und schöne Dekoration

Es seien hier nicht nur die fachgerechten Renovierungen und Erhaltungsmaßnahmen des ansehnlichen Fachwerkhauses am Kirchplatz 8 zu erwähnen, auch die Dekorationen rund ums Haus suchten ihresgleichen: verspielte Ton- und Holzfiguren, zwei Bänke, die zum Verweilen einladen, Steintröge und Kübel mit jahreszeitlicher Bepflanzung und Blumenkästen schmücken das Haus. Bald soll die Strohpuppe wieder ihren Platz auf der Bank in der Klostergasse bekommen und das bekannte, buntbemalte Fahrrad sich wieder verträumt an die Fachwerkwand anlehnen.

Hausbesitzer ließen sich nicht entmutigen

Obwohl es immer mal wieder zu mutwilligen Zerstörungen kommt, ließen sich die Geschwister in ihren Bemühungen nicht entmutigen.

Das Fachwerkhaus Kirchplatz 8 in Treysa wurde 1575 erbaut und 1653 erneuert. Zum Ende des 30-jährigen Krieges war Treysa im Jahr 1640 zu 75 Prozent von kroatischen Truppen zerstört worden. Und drei Stolpersteine vor dem Haus erinnern an die jüdischeFamilie Moses, die bis 1945 hier wohnte. 1970 erwarben Georg Kurzeknabe und seine Frau das Haus von Karl Bornemannn. Im selben Jahr begründete Kurzeknabe hier eine Anlaufstelle für Alkoholkranke, entlassene Straftäter und Obdachlose.

Im Erdgeschoss wurden die Gruppenräume des Freundeskreises e.V. und eine Jugend- und Drogenberatung eingerichtet – alles ehrenamtlich. Zeitweise waren sogar im Obergeschoss Übernachtungsmöglichkeiten eingerichtet.

Instandsetzungsarbeiten nach Kanalsanierung

1984 übersiedelten die Gruppenräume in die Teestube im Hause Martha Merz am Kirchplatz. 1993 haben die Geschwister Doris und Ulrike das Haus on ihren Eltern übernommen. Nach Ausbesserungen Fachwerk ist 1994 die Wetterseite mit Holzschindeln geschützt worden, rechtzeitig zum Hessentag.

Laut der Pressemitteilung der Altstadtfreunde waren Kanalarbeiten im Bereich Kirchplatz und Klostergasse 2014 ursächlich für schwere Schäden an dem 400 Jahre alten Haus. Durch die Befahrung mit schwerem Gerät habe das Fundament nachgegeben und wurde nach innen gedrückt, sodass die Fachwerkwand nach außen gepresst wurde.

Sicherungsmaßnahmen im Gebäude

Es seien von außen Sicherungsmaßnahmen durchgeführt worden, da diese aber den weiteren Straßenarbeiten im Wege waren, musste von innen abgestützt werden. Diese Instandsetzungsarbeiten hätten zu ungeplanten Kosten von etwa 25 000 Euro geführt. Die Geschwister hätten diese leider alleine stemmen müssen, da es keine Anerkennung für die Ursache Kanalarbeiten gab.

Der Preis ist dotiert mit einem Gutschein im Altstadtladen über 30 Euro.

Information:Fachliteratur, Prospekte und Beratung finden Fachwerkliebhaber im Altstadtladen am Markt in Treysa. Dort findet in der Regel jeden ersten Freitag im Monat das Vereinstreffen statt; Interessierte willkommen.

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