Gerichtsprozess

Prügelei quer über die Straße: Gericht spricht Mann frei 

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Mit einem Freispruch endete vor dem Amtsgericht Treysa ein Prozess wegen Körperverletzung. Wie sich herausstellte, war der Angeklagte mehr Opfer als Täter.

Mit einem Freispruch endete vor dem Amtsgericht Treysa ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung. Wie sich herausstellte, war der Angeklagte wohl mehr Opfer als Täter. 

In der Urteilsbegründung sagte die Richterin: „Ich habe vernünftige Zweifel an der Schuld des Angeklagten." Zuvor hatte der Staatsanwalt dem Mann aus dem Altkreis Ziegenhain vorgeworfen, im Juli 2018 einen 58-jährigen Rentner auf dessen Anwesen mit einem Motorradhelm geschlagen zu haben. Der Angeklagte widersprach dem Staatsanwalt und schilderte sich selbst als Opfer.

Der Rentner sagte als Zeuge aus, der Angeklagte sei trotz eines Haus- und Hofverbotes auf sein Gelände gefahren. Als er ihn aufgefordert habe, sofort wieder zu fahren, sei der Angeklagte von seinem Roller abgestiegen und habe ihn mit seinem Helm traktiert. Sie hätten sich quer über die Straße geprügelt, wobei er lediglich versucht habe, die Schläge des Angeklagten abzuwehren. Als er gefallen sei, habe der Angeklagte immer noch auf ihn eingeschlagen, bis sein Sohn gekommen sei und den Angeklagten von ihm heruntergezogen habe.

Der Sohn bestätigte die Angaben seines Vaters: „Ich hörte ihn um Hilfe rufen, deswegen bin ich auf die Straße gerannt. Ich habe dem Angeklagten zwei Schläge auf den Kopf gegeben, um meinen Vater zu retten.“ Dann sei ein Mopedfahrer gekommen und sie seien ins Haus gegangen. Der Mopedfahrer schilderte jedoch einen völlig anderen Verlauf: „Ich bin in die Straße gefahren, da sah ich, dass Vater und Sohn auf den liegenden Angeklagten einprügelten.“ Der Sohn habe auf dem Angeklagten gekniet und ihm mehrere Faustschläge versetzt, der Vater habe den Mann getreten. 

Als beide von ihrem Opfer abgelassen hätten, habe der Ältere ihm gedroht und gesagt: „Wenn du nicht abhaust, passiert dir dasselbe.“ Der Senior habe den Helm des Angeklagten auf die Straße geworfen. „Ich rief meinen Vater an, da ich Angst bekommen hatte, aber nicht einfach wegfahren wollte“, schilderte der 19-Jährige. Er habe dem Angeklagten geholfen, aufzustehen und mit ihm den Krankenwagen und Polizei gewartet. Die Richterin zeigte sich beeindruckt von der Zivilcourage des Auszubildenden.

Ein Zeuge, der ebenfalls die Schlägerei beobachtet haben wollte, verstrickte sich in Widersprüche gegenüber seiner vor Monaten abgegebnen polizeilichen Aussage. „Haben Sie mit jemanden gesprochen, was Sie sagen sollen?“, befragte ihn die Strafrichterin eindrücklich, doch der Zeuge verneinte dies.

Eine Polizistin, die damals zum Tatort gerufen worden war, schilderte dem Gericht die sichtbaren Verletzungen des Angeklagten. Die beiden anderen Beteiligten, also Vater und Sohn, seien nicht mehr vor Ort gewesen. Sie habe an der Haustür geklingelt, aber ihr sei nicht geöffnet worden. Der Vater des Mopedfahrers habe ihr vom Anruf seines Sohnes und dessen Angst vor dem Senior erzählt, so die Beamtin.

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