Treysa und die Wiedertäufer

Kachelfragment aus Schwalmstadt sorgte in Münster für Begeisterung

Historische Darstellung der Folterung von Wiedertäufern.
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Historische Darstellung der Folterung von Wiedertäufern. repro: Bernd Lindenthal

Ursprung der Kachel liegt wohl in Treysa. Auch viele andere Kacheln könnten hier angefertigt worden sein.

Schwalm. Die Reformation hatte 1531 in Münster Einzug gehalten. Im Weiteren Verlauf errichteten sogenannte Wiedertäufer ein Königreich, das nach langer Belagerung und Erstürmung durch den Bischof von Münster, Franz von Waldeck, Mitte 1535 in einem Blutbad unterging (siehe Hintergrund). Die drei führenden Männer, darunter der „König von Münster“, Jan van Leiden, wurden am 22. Januar 1536 öffentlich zu Tode gefoltert. Die Henker rissen mit glühenden Zangen Fleischstücke aus den Körpern und stellten die Leichen in drei Käfigen am Turm der Lambertikirche zur Schau. Dort hängen die Wiedertäuferkäfige heute noch.

Das Empörertum der Täuferbewegung ließ sich aber durch diese Niederlage nicht auf Dauer unterdrücken, weil sich darin auch soziale Nöte und die Sehnsucht nach einer besseren Welt ausdrückten. So erließ der hessische Landgraf Philipp der Großmütige 1536 ein Mandat gegen die Wiedertäufer und drohte die Landesverweisung an. In der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung von 1539 aber mit ihrer Einführung der christlichen Unterweisung der Jugend und anschließender Konfirmation als Bestätigung der Kindertaufe kam er den Wiedertäufern entgegen, die ja diese ablehnten und die Erwachsenentaufe praktizierten.

In der Mitte des 16. Jahrhunderts sind in protestantischen Haushalten sogenannte Reformationskacheln beliebt. Eine solche Ofenkachel mit dem Porträt des Täuferkönigs van Leiden besitzt das Stadtmuseum Münster. Eine Inschrift ist aber in dem Model unleserlich gemacht worden, so dass kein schlüssiger Beweis gegeben war. Als Monika Dörrbecker in einem Ausstellungskatalog der Stadt Münster eine Abbildung dieser Kachel sah, erinnerte sie sich an zwei Fragmente aus der Sammlung keramischer Bodenfunde ihres Mannes, die folgende gut lesbare Inschrift aufwiesen: „JohANvONLEYdeNKONg WidERTEvFFMvns“. Auch der Archäologe Dr. Heribert Heidenreich hatte sie auf einen Zusammenhang mit Münster hingewiesen. Nach dem Kontakt mit dem Stadtmuseum Münster kam die Bestätigung: Die Fragmente sind modelgleich mit ihrer Kachel und die Beschaffenheit des Tons stimmt optisch überein, so dass besagte Kacheln aus Treysa stammen könnten und von hier womöglich in den gesamten norddeutschen und niederländischen Raum und ins Elsass, wo Elemente des Wiedertäufertums weiterlebten, exportiert worden sind. (Bernd Lindenthal)

Monika Dörrbecker zeigt das Kachelstück.

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