Trockenes Frühjahr: Kastanien werfen Blätter ab

Braune Blätter im Hochsommer: Wie diese weißblühenden Kastanien am Wiegelsweg in Treysa leiden in diesem Jahr viele Kastanienbäume unter vermehrtem Befall der Miniermotte, so Baumfpleger Philipp Funck (Rommershausen). Fotos: Diehl

Schwalm. Man möge meinen, es sei Herbst, dabei habe wir noch Hochsommer, kalendarisch gesehen jedenfalls. Und doch: Mancherorts fallen schon die Blätter von den Bäumen oder verfärben sich braun.

Es sind die Blätter von Kastanienbäumen. Grund hierfür ist die Miniermotte, die sich durch das Laub der Weißblühenden Rosskastanie frisst. Am Treysaer Wiegelsweg habe wir die befallenen Bäume genauer betrachtet. Hier gegenüber dem Naturlehrzentrum stehen drei Kastanienbäume, wie sie in vielen Orten in der Schwalm - in Parks, auf Höfen oder an Straßen anzutreffen sind. Dort ist genau zu beobachten, wie sich die Motte von unten nach oben die hohen Kastanienbäume erobert.

Während die unteren Blätter schon stark durchfressen und braun sind, erstrahlt die Braumkrone noch in leuchtendem Grün.

„Die Motten minieren die obere und untere Zellschicht vom Blatt und höhlen es aus“, beschreibt Baumpfleger Philipp Funck (Rommershausen) das Phänomen. Allerdings sei dies eher ein ästhetisches Problem, dauerhaft geschädigt würden die Bäume nicht.

30 Eier pro Blatt

Die Falter bräuchten ein ganzes Jahr, um zur Spitze des Baumes zu kommen. Die weiblichen Motten legen durchschnittlich 30 Eier auf einem Blatt ab. Die aus den Eiern geschlüpften Larven wachsen in den Blättern heran und zerstören sie. In nassen Frühjahren würden die Eier durch den Regen von den Blättern gespült, doch in diesem Jahr gab es kaum Regen. Dabei würden vor allem die weißblühenden Rosskastanien befallen, so Funck: „Die Blätter der rotblühenden Rosskastanie schmecken den Larven nicht.“ Diese sei gegen die Miniermotte weitgehend resistent. Die Schädlinge, auch „Trampermotte“ bezeichnet, würden durch Fahrzeuge verbreitet, die am Straßenrand heruntergefallene, nasse Blätter mit Mottenbefall transportierten. So gelang der Schädling vor einigen Jahren von Mazedonien in hiesige Gefilde. Leimringe an Bäumen könnten im zeitigen Frühjahr verhindern, dass die Motten bis in den Baum gelangten.

Die Miniermotten seien ziemlich träge, so Funck, und flögen nur wenige Meter hoch. Haben die Falter jedoch einmal das Laub befallen, so verpuppen sich die Larven in den Blättern und können in zweiter und dritter Generation bis zur Baumspitze vordringen. Ein Feind der Miniermotte seien Blaumeisen, die die Larven der Miniermotte aus den Blättern herauspuhlen und so verhinderten, dass sie sich weiter ausbreiten.

Um vorzubeugen, dass die Bäume im kommenden Jahr erneut befallen werden, sollte das Laub gründlich mit einem Gebläse beseitigt wird. Baumexperte Funck rät davon ab, Fungizide einzusetzen. „Bevor man behandelt, muss man genau gucken, was es ist.“ So könne der erkrankte Baum auch unter Spinnmilben oder Pilzinfektion leiden.

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