Ausziechnung als "Museum des Monats"

Ministerin Angela Dorn zu Besuch in Trutzhain: "Gedenkstätte geht unter die Haut"

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Französische Theaterhandpuppen: Sie zählen zu den Exponaten, die im jetzt ausgezeichneten Museum gezeigt werden.

Trutzhain. Das Museum Trutzhain wurde von der hessischen Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn als Museum des Monats Februar ausgezeichnet.

Die Ministerin überreichte am Freitag außerdem 1000 Euro als Preisgeld. Bürgermeister Stefan Pinhard zeigte sich erfreut und dankbar, dies sei Ansporn für die gute Arbeit der Gedenkstätte. Karin Brandes erläuterte anschließend die Besonderheit des Ortes als Hessens größtes Kriegsgefangenenlager von 1939 bis 1945 mit bis zu 53 000 Insassen aus verschiedenen Ländern. 

Sie waren im weiten Umkreis zwischen Kassel und Frankfurt in hunderten Arbeitskommandos verteilt. Während die westalliierten Gefangenen gemäß der Genfer Konvention versorgt wurden, lebten die sowjetischen Soldaten in einem separaten Lagerbereich unter unmenschlichen Bedingungen. Sie wurden in allen Belangen bis in den Tod unterschiedlich behandelt.

Brandes ging auch auf die Nachkriegsnutzung als Lager für NS-Täter, polnische Juden und Flüchtlinge und Heimatvertriebene ein.

Dorn bewundert die Hartnäckigkeit

Die Ministerin, seit Januar im Amt, bekannte, dass in dieser Gedenkstätte zu stehen, unter die Haut gehe. Sie bewunderte in ihrer frei vorgetragenen Rede, mit wie viel Hartnäckigkeit die Bürger nach ersten Kontakten zu ehemaligen französischen Kriegsgefangenen mit „ehrlichem Blick“ weitere Schritte gegangen sind und die ganze Dramatik des Lagers und seine Zweiklassengesellschaft gegen Unverständnis und Anfeindung aufgearbeitet haben. 

Angela Dorn, Kultusministerin

Sie sagte: „Ich bin Leiterin Karin Brandes sowie den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt sehr dankbar, dass sie die Geschichte dieses Ortes wachhalten und an das vergangene Unrecht erinnern.“ Dorn hofft, dass die Auszeichnung dazu beiträgt, dass noch mehr Menschen auf die Gedenkstätte aufmerksam werden. Gerade in Zeiten, in denen rechte Ideen wieder salonfähig werden, sei es „umso wichtiger, das Grauen des Nationalsozialismus zu zeigen und sich wiederaufflammendem Gedankengut entschieden entgegenzustellen“.

Die Ministerin möchte wiederkommen

Anschließend nahm sich Dorn viel Zeit für einen Rundgang, dabei gab es lebhafte Gespräche, an denen sich auch Frau Dr. Regina Löneke vom Hessischen Museumsverband beteiligte. Stadtrat Norbert Schidleja erzählte von den schweren Anfängen der Heimatvertriebenen und dass die Sprache das hilfreich Verbindende gewesen sei. Mit Blick auf die heutigen Flüchtlinge stimmte die Ministerin zu: „Über die Sprache müssen wir es schaffen.“

Dabei waren auch Reinhard Neuber, Elaine Balkenhol, Renate Holtsche, Daniela Forst, Werner Schwalm, Bert Beckmann, Hans Gerstmann und Christian Steidl. Es fehlten Alfred Hohl und Rigobert Guthmüller. Ministerin Dorn versprach wiederzukommen.

Hintergrund: Museum des Monats

Die Auszeichnung „Museum des Monats“, die mit 1000 Euro dotiert ist, wird seit Juni 2018 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen. Der Hessische Museumsverband trifft eine Vorauswahl aus den mit Projektfördermitteln des Landes Hessen privatrechtlich geförderten Museen. 

Die Mindestanforderungen an ein Museum müssen erfüllt sein, weiterhin geht es um qualitätsvolle Museumsarbeit, die sich durch besondere Vermittlung, Forschung oder Ausstellungen auszeichnet. Bevorzugt werden Museen im ländlichen Raum ausgewählt. Alle ausgezeichneten Museen werden auf kunst.hessen.de vorgestellt.

Von Bernd Lindenthal

Mehr zum Schwalmstädter Stadtteil Trutzhain und der Gedenkstätte finden Sie auch hier in unserem Regio-Wiki.

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