Turm bietet Arten Schutz

Nist- und Bruthilfe mitten in Niedergrenzebach

Artenschutzturm
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Der Artenschutzturm in Niedergrenzebach

Vor allem Eulen, Schwalben, Mauerseglern und Fledermäusen soll der Turm Schutz bieten.

Niedergrenzebach. Nie war das Thema Arten- und Naturschutz wichtiger und aktueller als heute: In vielen Teilen der Welt bemühen sich Menschen um deren Erhalt. Auch in Niedergrenzebach wird einiges für den Artenschutz getan. Seit Jahren setzt sich unter anderem Jürgen Holland-Letz für Flora und Fauna ein. Weither zu sehen ist im Ort ein Artenschutzturm, der im Jahr 2010 geschaffen wurde – er soll bedrohten Tierarten eine neue Bleibe bieten.

Der ursprüngliche Plan sah vor, besonders Schwalben einen Rastplatz zu schaffen, weil den Vögeln durch den Wegfall der Oberleitungen im Stromnetz ein wichtiger Ort zum Rasten genommen wurde. Schnell war jedoch klar, dass auch anderen Arten mit dem Turm geholfen werden kann, so zum Beispiel Schleiereulen. Der Bestand der Eulen brach laut HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz) in den vergangenen Jahren massiv ein. Grund dafür sei die enorme Veränderung der Landwirtschaft, heißt es. Zu viele Schädlingsbekämpfungsmittel würden eingesetzt. Darunter litten besonders Mäuse, eine Hauptnahrungsquelle der Schleiereulen, aber auch Fledermäuse, Mauersegler und Insekten. Der Turm in Niedergrenzebach soll auch ihnen zugutekommen.

Pachtvertrag seit 2010

Als Initiator und Pächter kümmert sich Jürgen Holland-Letz um den Turm. Der Niedergrenzebacher ist seit 1975 Mitglied der HGON und ehemaliger Arbeitskreisleiter des früheren Kreises Ziegenhain. Er unterschrieb im Frühjahr 2010 den Pachtvertrag für den ehemaligen Trafoturm und begann zusammen mit Uwe Knierim vom Bauhof der Stadt mit dem Innenausbau.

Für den 83-jährigen Holland-Letz ist der Turm eine persönliche Herzensangelegenheit. Er unterstreicht: „Der Turm gibt bedrohten Arten eine Zufluchtsstätte, die durch die örtliche Umstrukturierung nicht mehr vorhanden ist.“ Beim Blick auf den Turm wird bereits von außen deutlich, welchen Zweck er erfüllen soll. Im Inneren ist das aber nicht sofort der Fall – zunächst muss man als Besucher eine steile Leiter erklimmen, um in den ersten Stock zu gelangen. Dort lässt sich der große Nistkasten für die Schleiereulen entdecken.

Jürgen Holland-Letz

Laut Holland-Letz wurde er in den vergangenen Jahren schon oft von der bedrohten Eulenart genutzt, um den Nachwuchs auszubrüten. Dies bewiesen etliche Eierschalen, Eulenfedern und Gewölle – das sind ausgespiene Rückstände des Futters der Eulen. Über eine weitere kleinere Leiter gelangt man in den zweiten Stock, wo sich insbesondere die Fledermäuse heimisch und wohl fühlen sollen. Hierfür wurden unter dem Dach mehrere Fledermausquartiere, auch Spaltenquartiere genannt, installiert. Von außen gibt es zusätzlich Brutmöglichkeiten für Schwalben und Mauersegler. Holland-Letz engagierte sich schon für viele Arten-und Naturschutzprojekte in Nordhessen, so zum Beispiel auch bei der Ausweisung von neuen Naturschutzgebieten. Die reichten aber bei Weitem noch nicht aus.

Tricks und Kniffe für Zuhause

Man könne mit vielen kleinen Tricks und Kniffen den Arten- und Naturschutz bei sich vor Ort verbessern: So könne man versuchen, alte Scheunen zu erhalten oder zu pachten, sie eigneten sich besonders gut als Nistplatz für unterschiedlichste Vogelarten. Auch der Erwerb von Grünflächen, besonders Streuobstwiesen, sei gut für die Artenvielfalt im Schwalm-Eder-Kreis, ist Holland-Letz überzeugt.

Zum Arten- und Naturschutz könnten alle etwas beitragen. Sei es auch nur das Bereitstellen von Futter oder potentiellen Brut- und Nistplätzen. (Jakob von Sass)

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