Manche blieben über Nacht

Über 180 Störche pickten auf einem Feld bei Ziegenhain nach Insekten und Würmern

Über 180 Störche machten auf einem Acker bei Ziegenhain Rast.
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Über 180 Störche machten auf einem Acker bei Ziegenhain Rast.

Es war ein einzigartiges Ereignis: Über 180 Störche machten Anfang der Woche Rast auf einem Feld bei Ziegenhain. Ein Vogelexperte erklärt, wo sie herkamen.

Ziegenhain – Martin Grebe kam ihnen am nächsten. Der Landwirt beackerte am Montagnachmittag sein Feld am Ortsausgang Ziegenhain Richtung Loshausen, als plötzlich zwei große Storchen-Schwärme neben seinem Traktor landeten: „Die sind wie Steine vom Himmel gefallen.“

Erst seien sie wie ein loser Haufen über das Feld verteilt gewesen, doch bald reihten sie sich in seine Fahrrinne ein. Dort, wo er gerade frisch das Feld umgegraben hatte, pickten sie nach Insekten und Regenwürmern. So etwas hatte Grebe, wahrscheinlich wie so mancher Schwälmer, noch nie erlebt.

Heinz Stübing, Vogelexperte und Mitglied in der Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, erklärt, dass es ein ganz normales Ereignis sei, dass Storchen-Schwärme durch die Schwalm zögen.

Dass es aber so viele seien – er zählte 180 bis 190 Störche – sei das Besondere. Die Schwalm liegt in der westhessischen Senke, die Teil der uralten Wanderroute von Tieren ist.

Störche kamen von der Nordsee

Über 90 Prozent der gesichteten Störche am Montag waren laut Stübing Altstörche. Die Jungtiere seien schon im Juli in Schwärmen von 20 bis 30 Tieren losgeflogen. Sie fliegen ohne ihre Eltern, denn die Zugstrecke haben sie „genetisch drauf“. Nur einige wenige der Altstörche trugen einen Erkennungsring, und wenn dann war er schlecht lesbar.

Ein Bekannter von Stübing habe jedoch manche Ringe abfotografiert. DEW stand darauf. Das ist die Abkürzung der Vogelwarte auf Helgoland. Zumindest einige der Störche kamen also von der Insel in der Nordsee.

Der Traktor beackerte das Feld. Für die Störche gab es so reichlich Nahrung wie Insekten und Regenwürmer.

Bei den gesichteten Störchen handelt es sich laut Stübing um Weststörche, die westlich der Elbe Richtung Spanien ans Mittelmeer fliegen. Manche bleiben dort und ernähren sich von den Mäusen auf Mülldeponien. Viele fliegen über die Straße von Gibraltar nach Afrika, wo einige in die Sahara ziehen, andere fliegen sogar bis in die Sahelzone. Dort sind sie eng an die Wanderheuschreckenschwärme gebunden.

Storch-Population wächst stetig an

In den vergangenen Jahren waren schon öfter größere Storchen-Schwärme zu beobachten. 2019 waren es Anfang August rund 130 Störche, die auf den Schwalmwiesen zwischen Ziegenhain und Treysa rasteten, so Stübing. Einige Jahre zuvor habe man sich über Schwärme à 30 Vögel gefreut und gewundert.

In den 1980er Jahren gab es in der Schwalm acht Brutpaare, dann ging die Population zurück. Seit 1998 haben sich laut dem Vogelexperten wieder Störche angesiedelt – aktuell sechs Paare. Es sei aber generell zu beobachten, dass die Population von Weststörchen zunehme.

Viele, aber womöglich nicht alle Störche haben die Nacht von Montag auf Dienstag auf Fichten, Schornsteinen und anderen hohen Orten wie etwa dem Raiffeisen-Gebäude verbracht. Laut Stübing ist es denkbar, dass manche zwei bis drei Tage hier bleiben ehe sie ihre Reise fortsetzen. (Sandra Böhm)

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