Fragen und Antworten

Umbau der Kreissparkasse Schwalm-Eder: Was sich für Kunden ändert

Blick auf die KSK-Marktdirektion Ziegenhain: Auch dort haben Mitarbeiter zusätzliche oder neue Aufgaben. Im gesamten Bereich der KSK wurde die Anzahl von Führungspositionen deutlich reduziert.
+
Blick auf die KSK-Marktdirektion Ziegenhain: Auch dort haben Mitarbeiter zusätzliche oder neue Aufgaben. Im gesamten Bereich der KSK wurde die Anzahl von Führungspositionen deutlich reduziert.

In der Kreissparkasse Schwalm-Eder haben sich 2021 diverse strukturelle Umbauten gezeigt: So begründet Vorstandschef Michael von Bredow die Entscheidungen und sagt, wie die Zukunft aussehen soll.

Schwalm – Die Kreissparkasse Schwalm-Eder hat in den zurückliegenden Wochen einige ihrer Angebote eingedampft – wir berichteten mehrfach. Für den Kurswechsel hagelte es zum Teil heftige Kritik von HNA-Lesern.

Es gab im Dezember Veränderungen im Südkreis, welche und warum?
Es handele sich nicht um die Schließung von Geschäftsstellen, so Vorstandschef Michael von Bredow: „Die Standorte in Gilserberg, Schrecksbach und Oberaula wurden von Mitarbeiter-besetzten Geschäftsstellen in SB-Filialen umgewandelt.“ Der persönliche Service an 14 Stunden in der Woche sei eingestellt worden, weil „Kunden dieses Angebot nur noch sehr eingeschränkt genutzt haben“.
Welche Leistungen gibt es noch?
Es bestehe weiter die Möglichkeit, sich mit Bargeld zu versorgen, Einzahlungen vorzunehmen, Kontoauszüge zu holen und an den SB-Terminals Überweisungen und Daueraufträge zu erfassen oder zu verwalten. Einzig die beleggebundene Überweisung könne nicht mehr in der Geschäftsstelle abgegeben werden. Es gebe aber auf Wunsch Freiumschläge, mit denen Kunden diese per Post senden können. Zudem könnten alle Servicetätigkeiten bequem telefonisch über das Service-Center der KSK erledigt werden, Tel 05661-7070. Auch gebe es sie auf Wunsch bei Kunden zu Hause, in Gilserberg auch in der neuen gemeinsamen Geschäftsstelle mit der VR-Bank Hessenland an vier Tagen in der Woche, an den Standorten Ziegenhain und Neukirchen oder auch telefonisch. Weiter weist v. Bredow auf die Internet-Filiale rund um die Uhr, per PC oder mobil hin.
Welche Kosten werden aktuell eingespart?
Der personenbediente Service habe in Schrecksbach, Oberaula und Gilserberg zusätzliche Kosten in Höhe von rund 180 000 Euro pro Jahr verursacht. Bei rund 300 Kunden, die diesen Service in den drei Gemeinden noch in Anspruch genommen hätten, seien das 600 Euro pro Kunde pro Jahr. Eine reine SB-Filiale koste pro Jahr je nach Standort und Miethöhe zwischen 35 000 und 50 000 Euro. Die Anzahl der Verfügungen sei an den Automaten allein im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent zurückgegangen.
Michael von Bredow: „Da die Kosten unverändert bleiben, wird die einzelne Auszahlung dadurch natürlich immer teurer. Ich bitte an dieser Stelle zu bedenken: Ohne die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken gäbe es im gesamten Schwalm-Eder-Kreis meines Wissens einen einzigen Geld-Automaten an der Aral-Tankstelle in Edermünde. Da dieses Angebot für alle Finanzdienstleister defizitär ist, nutzen alle anderen Banken die von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken geschaffene und unterhaltene Infrastruktur.“
Kritiker führen an, ein Neubau in Melsungen für 10 Millionen Euro passe nicht ins Bild.
Dazu sagt der Vorstandschef, dass die KSK als Gebäudeeigentümer gefordert sei, ihre Bestandsgebäude zu unterhalten. in der Hauptstelle in Melsungen befänden sich neben den Mitarbeitern der Geschäftsstelle und der Beratungscenter noch verschiedene interne Bereiche, insgesamt arbeiten am Standort Melsungen etwa 70 Frauen und Männer. Eine Untersuchung 2016 habe gezeigt, dass das Parkdeck baufällig, die Haustechnik veraltet war und Barrierefreiheit fehlte, die geschätzten Sanierungskosten seien auf 5 Millionen Euro geschätzt worden. Zugleich seien die Umgestaltungspläne des Fuldaufers Am Sand in Melsungen diskutiert worden.
So sei es zur Entscheidung gekommen, nicht nur den Bestand zu sanieren, sondern einen Teil abzureißen und den Neubau in die Neugestaltung des Fuldaufers einzubinden. V. Bredow: „Das umgebaute Gebäude erfüllt nun alle aktuellen Anforderungen im energetischen Bereich und ist durchgängig barrierefrei.“ Es entstünden etwa 50 neue Parkplätze und 15 E-Ladepunkte für Kunden und Mitarbeiter sowie eigene Fahrzeuge, so werde der Umstieg auf E-Mobilität unterstützt. „Die zusätzlichen Kosten werden durch die Einsparungen im energetischen Bereich nahezu vollständig kompensiert – wir glauben, dass dies eine sinnvolle Investition für die Zukunft unserer Sparkasse ist.“
KSK-Gewinne in welcher Höhe kommen in den Kassen der Kommunen an?
Dazu schreibt v. Bredow: „Die Kreissparkasse schüttet aktuell keine Gewinne an den Schwalm-Eder-Kreis aus. Grund dafür ist die aufsichtsrechtliche Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen. Das Eigenkapital ist zwingend notwendig, um ein ausreichendes Kreditangebot im Schwalm-Eder-Kreis dauerhaft zu gewährleisten. Wir sind Marktführer bei gewerblichen Finanzierungen in unserem Landkreis und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung unserer Unternehmen und damit für das Angebot von Arbeitsplätzen. Wir zahlen seit Jahren recht stabil 4 Millionen Euro Steuern pro Jahr, ein wesentlicher Teil davon geht an die Städte und Gemeinden im Landkreis. Außerdem haben wir allein im letzten Jahr gemeinsam mit unseren Stiftungen Spenden in Höhe von rund 400  000 Euro an Vereine und Institutionen im Schwalm-Eder-Kreis gezahlt.“
Welche neuartigen Services plant und bietet die KSK als Ersatz für weggefallene Angebote in Geschäftsstellen und demontierte Automaten?
Derzeit würden diese „vornehmlich im Bereich digitaler Angebote geschaffen“, man sei mit der Internetfiliale und „mehrfach ausgezeichneten mobilen Angeboten sehr gut aufgestellt“. Das veränderte Kundenverhalten sei ausschlaggebend: Die Anzahl der analogen Transaktionen, zum Beispiel beleggebundene Überweisungen, seien in den vergangenen 20 Jahren um über 80 Prozent zurückgegangen.       „Ein durchschnittlicher Kunde besucht seine Kundenberater weniger als einmal pro Jahr.“ Doch sei „auch die Präsenz in der Fläche wichtig, deshalb unterhalten wir aktuell auch noch 28 Geschäftsstellen im Kreis –– mehr als jeder andere Wettbewerber“. Der Umbau des Angebots solle so kundenorientiert wie möglich sein, er basiere auf veränderter Nachfrage. Es gehe um die Zukunftsfähigkeit und die Eigenständigkeit der KSK.
Wie sind personelle Umbauten zu verstehen?
Diese seien teils durch die demografische Entwicklung bei den Mitarbeitern, zum anderen durch veränderte Anforderungen an das Geschäftsmodell zu erklären. „Wir haben im letzten Jahr insbesondere unsere internen Strukturen verschlankt und die Anzahl der Führungsstellen deutlich reduziert.“ In der Folge hätten Mitarbeiter neue, zusätzliche oder andere Aufgaben übernommen. So auch in der Marktdirektion Ziegenhain. Dirk Siemon, stellvertretendes Vorstandsmitglied, sei zuvor für die Geschäftsstellen im Altkreis verantwortlich gewesen, nun sei er für alle Geschäftsstellen im gesamten Landkreis verantwortlich.
Die Kunden beklagen, vor vollendete Tatsachen gestellt zu sein, mied die KSK eine proaktive Informationspolitik?
Das bewerten die Verantwortlichen anders, lange interne Prüfung und eine „sehr intensive und ausgewogene Diskussion“ mit dem Verwaltungsrat seien den Entscheidungen vorausgegangen, mit denen man sich „sehr schwergetan“ habe. Die Bürgermeister seien im Oktober „umfassend und persönlich informiert“ worden, für Kunden habe es ab Anfang November Aushänge über die Veränderung gegeben. V. Bredow: „Transparenz und Offenheit sind Werte, die der Sparkasse und mir persönlich sehr wichtig sind. Wir haben den Bürgermeistern angeboten, unsere Entscheidung vor Ort in den unterschiedlichen Gremien darzustellen und zu erläutern.“
Welche Sparmöglichkeiten werden auf der Mitarbeiter-, welche auf der Führungsebene verfolgt? Die Jahreszuwendung in Höhe von über 400 000 Euro pro Jahr an den Vorstandschef wurde von der HNA recherchiert, trifft sie zu, ist sie transparent, angemessen und national üblich?
Es würden wegen der „Zinsmarktsituation kontinuierlich alle Möglichkeiten zur Kosteneinsparung geprüft, es gab zahlreiche „Verschlankungen“. V. Bredow: „Bei der Festlegung der Vergütung der Geschäftsleitung orientiert sich der Verwaltungsrat an den Empfehlungen der Sparkassen- und Giroverbände - dies soll eine Vergleichbarkeit innerhalb der Sparkassenorganisation ermöglichen. Diese Empfehlungen sind als Bandbreiten formuliert, in unserem Fall wird diese Bandbreite zur Zeit mit 80 Prozent ausgenutzt.
Bei einem Vergleich ist es zu empfehlen, die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung zu betrachten, da diese sehr stark von der Anzahl der Vorstandsmitglieder abhängig ist. Die Gesamtvergütung des Vorstandes der Kreissparkasse wird jedes Jahr im Jahresabschluss veröffentlicht und befand sich im Jahr 2020 auf dem niedrigsten Stand seit 2006.“ Das sei im Vergleich zu vergleichbaren Sparkassen und Genossenschaftsbanken „deutlich am unteren Ende“.
Warum sollen die Menschen der Kreissparkasse weiter die Treue halten und nicht zu günstigen Direktbanken wechseln?
Laut v. Bredow geht es um die Lebenswertigkeit der Region, die nur über die regionale Angebote funktioniere. Die Apotheken seien ein passender Vergleich, wenn alle Medikamente online bestellen, werde es bald keine mehr geben, die am Wochenende Notdienst anbieten. „Wenn alle Kunden zu Direktbanken gehen, wird es im Schwalm-Eder-Kreis nur noch einen Automaten für Geldauszahlungen geben.“
Wichtige Parameter seien auch die Anzahl von Arbeitsplätzen und die Steuerleistung, „wieviele zahlt eine Direktbank im Schwalm-Eder-Kreis?“ Direktbanken würden auch nicht Sport, Kultur und soziale Initiativen regelmäßig unterstützen. Zu blicken sei auch auf kleine und mittelständische Unternehmen im Kreis, die mit Krediten zu versorgen seien, „an wen in der Direktbank wenden sie sich persönlich, wenn es mal ein echtes Problem gibt?“ Die 370 engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „sind für mich 370 einzigartige Gründe, KSK-Kunde zu sein“.
Wie sieht der mittelfristige Kurs aus, stehen weitere Reduktionen an?
Laut v. Bredow werden die Angebote kontinuierlich überprüft und an die veränderte Nachfrage angepasst. Stand heute seien keine weiteren Maßnahmen im Standortnetz vorgesehen, „die schließe ich auch für die nähere Zukunft aus, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert“.

370 Mitarbeiter, 28 Geschäftsstellen

Die KSK Schwalm-Eder hat zum 31.12.2021 eine Bilanzsumme von rund 2,6 Milliarden Euro. Zum 31.12.2021 betrug der Bestand an Kundenkrediten 1,658 Milliarden Euro, davon 705 Millionen Euro an Unternehmen und Selbstständige. Die Kundeneinlagen beliefen sich zum gleichen Zeitpunkt auf 1,865 Milliarden Euro, und der Bestand von Kundenwertpapieren betrug 653 Millionen Euro. Sie beschäftigt 370 Mitarbeiter, davon 22 junge Menschen in Ausbildung. Die Sparkasse hat aktuell im Schwalm-Eder-Kreis 28 Geschäftsstellen, davon 15 Mitarbeiter-besetzte Geschäftsstellen und 13 Selbstbedienungs(SB)-Filialen. (Anne Quehl)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.