Wann beginnen die Busfahrten? 

Start der Saison ist ungewiss: Reiseveranstalter fordern Hilfe und Perspektive 

Wann wird der Bus mit Gästen wieder rollen? Das wissen auch von links Alexander Österreich und Max Ragoß von Ragoß Reisen in Trutzhain nicht. Sie fühlen sich als Touristiker von der Politik vergessen.
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Wann wird der Bus mit Gästen wieder rollen? Das wissen auch von links Alexander Österreich und Max Ragoß von Ragoß Reisen in Trutzhain ni cht. Sie fühlen sich als Touristiker von der Politik vergessen.

Die Lockerungen und schrittweisen Öffnungen von Hotels und Gaststätten in der Coronakrise sind beschlossene Sache. An Busunternehmen hat die Politik offenbar bisher nicht gedacht.

Zumindest mahnt das der Landesverband Hessischer Omnisbusunternehmer (LHO) an. Er schätzt, dass 90 Prozent der Bustouristiker in Hessen die Krise noch maximal bis zum Sommer überstehen – wenn es keine Perspektiven gibt.

Wann beginnen die Busfahrten? 

Die Ungewissheit trifft auch Schwälmer Reiseveranstalter hart. „Das Geschäft, das an Ostern zu 100 Prozent anläuft, ist vollständig eingebrochen“, sagt Alexander Österreich, geschäftsführender Gesellschafter bei Ragoß-Reisen in Trutzhain. Seit Wochen versucht er zusammen mit seinem Partner Max Ragoß vor allem eine Antwort auf die drängendste Frage zu finden – wann mit den Busreisen wieder gestartet werden darf. 65 Prozent seiner Einnahmen, so Österreich, generiere das Trutzhainer Unternehmen etwa aus Klassenfahrten. In manchen Bundesländern sind die bis Jahresende nicht zulässig.

Reiseverbot verhindert Fahrten 

Ein weiterer Faktor seien die Vereinsfahrten. Auch Ziele wie Cornwall und Italien, die Ragoß im aktuellen Reisekatalog anbietet, sind aufgrund der Einreiseverbote Makulatur. Stattdessen wickeln Österreich und sein Team Stornierungen ab. „Das ist sensibel, da sind wir häufig auch Seelsorger“, sagt er.

Dazwischen wird rege diskutiert: Über Hygienespender, Masken, gesperrte Sitzreihen und deutlich kleinere Gruppen, gegebenenfalls weitere Busse. „Aber bis das System wieder hochgefahren ist, wird es dauern – das ist wie bei einem Atomreaktor“, erklärt der gelernte Bankkaufmann.

Und doch will das Team auch Mut machen. Sich selbst und den Kunden: „Mit dem richtigen Konzept sollten Busreisen bald wieder möglich sein.“

Bonte ist zusätzlich im Linien- und LKW-Verkehr tätig 

Auch beim Reisedienst Bonte mit Sitz in Ziegenhain und einer Dependance in Niedenstein ist das Team im Krisenmodus. „Sicher, die Kunden sind enttäuscht, aber auch verständnisvoll, dass sie nicht reisen können“, sagt Maren Thamer vom Marketing. Wann erste Reisen wieder möglich sein könnten, vermag auch sie nicht zu sagen. Glücklicherweise sei der Tourismus nur ein Standbein des Unternehmens – Bonte ist zusätzlich im Linien- und Lkw-Verkehr tätig.

Reisen innerhalb Deutschlands schon ein Erfolg

Auch Ullrich Zulauf vom gleichnamigen Reiseteam in Neukirchen sieht sich einer nie dagewesenen Krise ausgesetzt. „Zumindest wird Reisen innerhalb von Deutschland wieder möglich. Wir hoffen im Sommer noch auf Österreich und die Schweiz. Die Reisebüros werden zunächst nach Terminvereinbarung für Buchungen zur Verfügung stehen. Viele Veranstalter haben 2021 schon freigeschaltet“, erklärt er. Im Bereich der Reiseveranstaltung werde es wohl noch dauern. Reisebusfahrer hat Zulauf in anderen Betriebsbereichen unterbringen können.

Im Linienverkehr würden die Busse im Fahrerbereich mit einem Hygieneschutz versehen. Dann könne der Fahrkartenverkauf im Fahrzeug wieder starten. In den Reisebussen müsse mit Abstand und Händedesinfektion an den Einstiegstüren gearbeitet werden: „Wir können zudem jede zweite Sitzbank absperren.“ Zulauf und seine Kollegen hoffen, dass die Kunden den Mehrwert der kostenlosen Beratung im Reisebüro schätzen und die Veranstalter vor Ort deshalb mit Buchungen unterstützen.

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