Streit in der Disko in der Scherzmarktnacht

Verhandlung vor Amtsgericht Schwalmstadt: Tathergang vor Fausthieb unklar

Der Eingangsbereich des Amtsgerichts im Schwalmstadt.
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Wegen Körperverletzung musste sich ein Angeklagter vor dem Amtsgericht Schwalmstadt in Schwalmstadt verantworten.

Wegen Körperverletzung musste sich ein Mittzwanziger vor dem Amtsgericht Schwalmstadt verantworten. Während einer Partynacht im Jahr 2018 hat er einn Nebenbuhler ins Gesicht geschlagen.

Treysa – Ein unschön geendeter Partyabend im Jahr 2018 hatte nun noch eine Gerichtsverhandlung zur Folge. Seinen Lauf nahm das Geschehen beim Scherzmarkt 2018, wo ein Freundeskreis – alles Mittzwanziger – nach einem geselligen Pizza- und Kneipenabend den Tag in der Diskothek „Hazienda“ ausklingen ließ. Die Gruppe junger Erwachsener hatte in der Kneipe bereits ein Zusammentreffen mit einem alten Schulkameraden gehabt, und auch ein kurzer Smalltalk ließ die in der Nacht noch folgende Eskalation nicht vermuten. Zu später Stunde, nach einigen Bier und Tequila, trafen die Schulkollegen mit ihrem jeweiligen Freundeskreis in der Diskothek erneut aufeinander. Der Schulkamerad nutzte die Gelegenheit, um mit seiner alten Bekannten zu tanzen. Man stand im Kreis, feierte zur Musik.

Dem Freund der jungen Frau missfielen jedoch die Annäherungsversuche des alten Bekannten, da sich, so sagte der Angeklagte bei Gericht, seine Freundin durch das „Antatschen“ auch sichtlich unwohl gefühlt habe. „Mir war das Anfassen unangenehm. Ich bin zurückgewichen“, sagte die junge Frau, die als Zeugin für die Verhandlung geladen war, wo am Ende eben zwei Veilchen und eine Platzwunde als Bilanz in den Akten standen. Trotz genauester Befragung in einer über dreistündigen Verhandlung ließ sich der abendliche Ablauf nicht mehr in vollem Umfang rekonstruieren. Fest stand, alle Beteiligten hatten Alkohol getrunken, die Herren hatten Promillewerte zwischen 1,2 und 1,6 und auch der Zeitfaktor zwischen Geschehen und Verhandlung hatte Erinnerungslücken hinterlassen.

Verhandlung im Schwalmstadt: Schlag kam unvermittelt

Der auf Körperverletzung Angeklagte gestand gleich zu Beginn der Verhandlung den Fausthieb, der die Platzwunde und das Veilchen seines Nebenbuhlers zur Folge hatte, ein, erklärte den Umstand jedoch damit, dass er sich durch das Gehabe der beiden Freunde bedroht gefühlt habe. „Bedroht haben wir den Angeklagten nicht. Der Schlag kam völlig unvermittelt“, erzählten der Verletzte wie auch sein Kumpel, der als Zeuge geladen war, im Gegenzug. Der Angeklagte beteuerte, dass er den Freund des Nebenbuhlers gebeten habe, das Verhalten seines Kumpels seiner Freundin gegenüber zu unterbinden und darauf habe sich ein Wortgefecht und Gerangel ergeben. „Mit meinem Schlag wollte ich mich aus der bedrohlichen Situation mit den beiden nur retten“, so der Angeklagte, der mit Juri Goldstein einen erfahrenen und auch aus prominenten Prozessen bekannten Fachanwalt für Strafrecht zur Seite hatte.

Schon gleich zu Beginn der Verhandlung unterbreitete Goldstein das Angebot, das sein Mandant bei einer Einstellung des Verfahrens ohne Schuldanerkenntnis einen Geldbetrag zahle. Staatsanwaltschaft wie auch die Richterin taten sich jedoch schwer mit dem Vorschlag, habe doch auch der Angeklagte ein Recht darauf, dass der genaue Tathergang rekonstruiert werde. „Wir könnten die diensthabende Security des Abends befragen und auch noch weitere Zeugen laden“, schlug die Richterin vor.

Am Ende setzte sich dann aber doch der Vorschlag des Anwaltes durch und die Staatsanwaltschaft ließ sich darauf ein, dass 1000 Euro zugunsten der DRK-Rettungshundestaffel und 500 Euro für den Geschädigten gezahlt werden. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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