"Da ist einem alles egal"

Diebin beißt Filialleiterin in die Hand: Frau stand unter Einfluss von Medikamenten

+
Erst stahl die Frau zwei Kleidungsstücke - dann soll sie zugebissen haben.

Eine Frau stiehlt Kleidung im Wert von 60 Euro, wird beim Diebstahl von der Filialleiterin ertappt und beißt dieser in die Hand: So lautet der Vorwurf gegen eine 46-Jährige vor dem Amtsgericht Treysa.

Zwei Diebstähle und ein Biss in die Hand beschäftigte das Amtsgericht. Die Angeklagte gab zu, im Mai und im Juli 2018 in zwei Geschäften im Walkmühlenzentrum T-Shirts und Blusen im Gesamtwert von knapp 60 Euro gestohlen zu haben. „Dass ich jedoch gebissen habe, glaube ich nicht“, sagte die Frau aus dem Altkreis Ziegenhain. Doch es sei durchaus möglich, sie könne sich nicht mehr an alles erinnern, da sie damals unter dem Einfluss von Tabletten gestanden habe.

„Eigentlich müsste auf dem Beipackzettel als mögliche Nebenwirkung Klauen stehen“, sagte die 46-Jährige. „Wenn ich nüchtern bin, würde ich niemals stehlen, aber unter dem Einfluss dieser Tabletten sinkt die Hemmschwelle, es ist einem dann alles egal“, erklärte sie der Richterin.

„Als ich die Angeklagte nach dem Diebstahl am Handgelenk festhielt, biss sie hinein“, sagte die als Zeugin geladene Filialleiterin. Sie habe die Frau dann in den Fixiergriff genommen und in ihr Büro geführt. Dort habe sich die Angeklagte vollkommen normal verhalten, nicht gelallt oder so und ruhig auf die Polizei gewartet. Der ebenfalls im Gericht erschienene Betreuer berichtete, dass die Angeklagte zu dem Kreis der hochgradig Langzeitabhängigen zähle. Mit dem Methadon habe die Frau ihr Leben ungefähr im Griff. Sie fahre täglich zum Arzt nach Gießen, das gäbe ihrem Leben eine Tagesstruktur. „Ich hoffe immer, dass meine Klienten das Methadon-Programm durchhalten“, so der Betreuer. Doch sollte es zu einer Freiheitsstrafe kommen, sei der Abbruch praktisch vorprogrammiert, gab er der Richterin zu bedenken.

Beim Verlesen des Vorstrafenregisters zeigte sich, dass die 46-Jährige zwischen 1997 und 2013 mehrfach wegen Diebstahls verurteilt worden ist.

Im Plädoyer stellte die Staatsanwältin fest, dass sich das Geständnis positiv auswirke, auch müsse eine verminderte Schuldfähigkeit wegen des Drogenkonsums angenommen werden. Negativ seien zwar die vielen einschlägigen Vorstrafen wegen Diebstahls, aber auch hier sei seit 2013 kein neues Delikt hinzugekommen. Zusätzlich habe sich die Angeklagte an alle Auflagen der letzten Bewährung gehalten, deswegen forderte sie eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Außerdem sah sie eine Geldstrafe über 150 Euro zugunsten der Tiernothilfe Treysa als Tat und Schuld angemessen an.

Die Richterin schloss sich in ihrem Urteil der Ansicht der Staatsanwältin an. „Sie haben die letzte Bewährung gut geschafft, suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung“, beendete die Richterin die Urteilsbegründung.

Dies war in kurzer Zeit der zweite kuriose Fall vor dem Gericht in Treysa. Kürzlich versuchte sich ein Angeklagter herauszureden: Statt "Du Schlampe" wollte er zu einer Frau "Duschlampe" gesagt haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.