Verhandlungen stehen still

Trutzhainer wollen Grundstück für ein künftiges DGH sichern

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Den Trutzhainern liegt ihr Gemeinschaftshaus am Herzen: von links Wiebke Meißner, Armin Teuchler, Johanna Meißner, Christiane Dunczewski, Barbara Meißner, Ilka Brandstetter , Peter Hill, Friedrich Sperlich, Jürgen Hopf. 

Deutlich sichtbare Risse in der Außenmauer, im Toilettenraum, im Foyer, sich lösende Platten an der Decke, faule Balken an der Holzfassade –

Das Dorfgemeinschaftshaus Trutzhain hat bessere Zeiten gesehen, wenn auch nur kurz. Langfristig könnte ein Neubau eine Alternative bieten, doch die Verhandlungen über das Grundstück stehen still.

„Bereits wenige Jahre nach Ablauf der Gewährleistung traten erste Risse im Gemäuer auf“, so Ortsvorsteher Peter Hill. 30 Jahre ist es her, dass das alte Dorfgemeinschaftshaus – eines der ersten, das in den 50er Jahren in Hessen gebaut wurde, mit einem Anbau erweitert wurde. In dem alten Dorfgemeinschaftshaus ist der Trutzhainer Kindergarten untergebracht, der über eine Verbindungstreppe auch den Saal des Anbaus nutzt.

2012 wurde das alte DGH, der Kindergarten, grundsaniert mit dem Kompromiss, dass in den Anbau aus dem Jahr 1990 nicht mehr investiert werde. „Das war aus wirtschaftlicher Sicht damals richtig“, sagt Ortsvorsteher Hill. Gleichzeitig gab es einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung für einen Neubau des Dorfgemeinschaftshauses, wie auch der Trutzhainer Kommunalpolitiker Norbert Schidleja (CDU) gegenüber der HNA bestätigt: „Nur wann und wie es einen Neubau geben soll, dies steht nicht fest.“ Zuvor seien schon mehr als 100 000 Euro an städtischen Geldern in den Anbau geflossen, um die Senkungen abzufangen – vergebens, so Schidleja.

Für die Trutzhainer Dorfgemeinschaft um Ortsvorsteher Hill eine unzufrieden stellende Situation. Der Anbau aus dem Jahr 1990 habe von Anfang an unter einem schlechten Stern gestanden, so Hill. „Der Boden hier arbeitet, und trotzdem hat man mit viel zu schwachen Fundamenten gearbeitet.“ Dabei drohen die Schäden am Gebäude ein Fass ohne Boden zu werden: Die Holzverkleidung an der Fassade verfault, einige Styroporplatten an der Decke sind bereits heruntergefallen, andere lösen sich und wurden zum Teil behelfsmäßig befestigt.

Die Statik wird regelmäßig überprüft. Doch wann der Tag X eintreffe, dass der Anbau nicht mehr verkehrssicher sei, ist unklar. Seit Frühjahr 2018 gebe es Verhandlungen mit dem Eigentümer des benachbarten Grundstücks, um dieses als möglichen Bauplatz für ein neues DGH zu erwerben.

Doch die Verhandlungen stehen still, Stadt und Eigentümer konnten sich nicht auf einen Kaufpreis einigen. „Das Thema ist nicht mehr auf der Tagesordnung“, bemängelt Friedrich Sperlich, Stadtverordneter aus Trutzhain.

„Dabei hat es nur an wenigen tausend Euro gefehlt, wenn wir unser Ortsbeiratsbudget hätten mit einfließen lassen – und dazu waren wir auch bereit“, so Hill. „Wir wollen ja nicht sofort einen Neubau, jedoch uns die Option dafür offen halten – am alten Standort und in unmittelbarer Nähe zum Kindergarten. Wenn das Grundstück erst einmal anderweitig genutzt wird, ist die Chance vertan“, so Hill, der die örtlichen Vereine hinter sich weiß.

Täglich wird das Trutzhainer DGH von den Vereinen und dem Kindergarten genutzt. Übungsleiterin Ilka Brandstetter: „Es ist ein ungutes Gefühl, hier während der Gymnastikstunde mit dem Rücken auf dem Boden zu liegen und Angst zu haben, dass in jedem Moment die Decke herunterkrachen könnte.“

Die Gefahr sei besonders bei der Arbeit mit Kindern groß, die auch leicht mal einen Ball an die Decke feuern könnten, so die Leiterin des dreigruppigen Kindergartens, Christiane Dunczewski, „wir brauchen einen Bewegungsraum für unseren Kindergarten“.

Das sagt der Eigentümer:

Anfang November vergangenen Jahres habe es zuletzt ein telefonisches Gespräch, eine nochmalige Preisverhandlung zwischen ihm und dem Bürgermeister gegeben, so Eugen Kessler. „Der Bürgermeister sagte mir, es sollte in der nächsten Sitzung besprochen werden.“ Doch seitdem warte er vergebens auf eine Rückmeldung aus dem Rathaus. Dabei stoße seine Geduld langsam an ihre Grenzen, so Kessler (39), der das Grundstück 2017 ursprünglich als Alterssitz für die Mutter erwarb. Hierfür bestehe jedoch keine Notwendigkeit mehr. Daher würde er das Grundstück gern zum Selbstkostenpreis an die Stadt veräußern, „wenn das Dorf einen Nutzen davon hat“. Er wolle dabei keinen Gewinn, aber auch keinen Draufleger machen, so Kessler.

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