Vertrieben und geblieben

Gedenktafel für Vertriebene aus dem Sudetenland in Treysa eingeweiht

Einweihung der Gedenktafel: Am Bahnhof von Treysa erinnert nun eine Bronzetafel an die Ankunft der Spätaussiedler und Heimatvertriebenen. Von links: Horst W. Gömpel, Dr. Gerald Näser, Marianne Wawrauschek, Lutz Lesch und Markwart Lindenthal. Foto: Decker

Schwalmstadt. Rechts neben der Eingangstür des Treysaer Bahnhofs, wo bis vor Kurzem noch ein Zigarettenautomat hing, erinnert jetzt eine Gedenktafel an die nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Sudetendeutschen, die an diesem Bahnhof 1946 ankamen.

9692 Menschen wurden damals aus Niklasdorf, Wildenschwert, Melk, Reichenau, Schüttenhofen, Warnsdorf, Alt Habendorf und Komotau mit Viehwaggons in den Altkreis Ziegenhain umgesiedelt.

Zur Einweihung der Tafel trafen sich knapp 100 Personen vor dem Bahnhofsgebäude. In seiner Begrüßungsrede erinnerte Horst W. Gömpel an das Schicksal dieser Menschen. Er habe für sein Buch „Angekommen“ mit 63 Vertriebenen und 34 Einheimischen über die damalige Aufnahme der Sudetendeutschen und deren Integration in den folgenden Jahren geredet.

Seit Erscheinen des Buches setzte er sich dafür ein, „die geschichtliche Kenntnis um die Vertreibung und die Leistung der einheimischen Bevölkerung hinsichtlich der Integration zu verbessern“, so Gömpel. Die Gedenktafel ergänze die Erinnerung.

Bei der anschließenden Feierstunde in den Räumen der Stadtsparkasse bedankte sich Margarete Ziegler-Raschdorf als Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler bei der Familie Gömpel für ihr Engagement. „Wir brauchen Veranstaltungen wie die heutige, die uns in der Erinnerung zusammenführen und wir brauchen auch Symbole, wie sie die Gedenktafel darstellt“, betonte Ziegler-Raschdorf. Sie verband mit dem Rückblick auf das Schicksal der Vertriebenen den Blick auf die Flüchtlinge, die heute nach Deutschland, nach Hessen und in den Schwalm-Eder-Kreis kommen. Auch ihnen müsse die Chance gegeben werden, hier anzukommen.

Bürgermeister Dr. Gerald Näser berichtete, dass seine Großmutter aus Niklasdorf gekommen sei. „Die Vertriebenen bildeten damals ein Viertel der Bevölkerung des Altkreises Ziegenhain, die meisten sind hier geblieben.“ Er sei oft erstaunt, wenn er in Gesprächen von Mitbürgern deren Vertriebenenschicksal erfahre. „Sie wirken wie Ureingeborene.“

Den Text der Tafel konzipierte Horst W. Gömpel mit Markwart Lindenthal, der die grafische Darstellung übernahm. Lutz Lesch setzte die Vorlage künstlerisch um. Die Herstellung erfolgte in Reichenbach, Tschechien.

Von Christiane Decker

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