Acht Paare auf den Nestern

Viele Störche in der Schwalm heimisch

Nach mehr als 40 Jahren gibt es wieder ein Storchenpaar im Schwalmstädter Ortsteil: Das Nest auf dem Scheunendach der Familie Körber ist aktuell belegt.
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Nach mehr als 40 Jahren gibt es wieder ein Storchenpaar im Schwalmstädter Ortsteil: Das Nest auf dem Scheunendach der Familie Körber ist aktuell belegt.

Einige bleiben, andere kommen immer wieder – die Störche gehören in der Schwalm mittlerweile zur festen Größe in den Auen und Feldern.

Schwalm – Nach Informationen von Elisabeth Knauff aus Loshausen sowie vom Vogelexperten Heinz Stübing aus Ziegenhain leben aktuell acht Storchenpaare in der Region. Seit knapp drei Wochen hat sich ein weiteres Storchenpaar auf dem Scheunendach der Familie Körber in Dittershausen angesiedelt. Nachdem mehrere Versuche verschiedener Nestaufbauten in den vergangenen Jahren gescheitert waren und ein Storchenpaar in 2020 vom neu gezimmerten Horst auf dem Scheunendach der Familie Körber von Nilgänsen vertrieben wurde, sieht es nach einigen Revierkämpfen in Dittershausen in diesem Jahr gut aus.

Besonders stolz ist Familie Körber darauf, dass in Dittershausen endlich wieder ein Storchenpaar eine Heimat gefunden hat. „In den Jahren 1948 bis 1980 gab es lange Jahre Störche in Dittershausen“, erzählt Jörg Körber. „Dittershausen zählte vor dem Populationszusammenbruch zu den traditionellen Storchenstandorten in der Schwalm“, erklärt auch Vogelexperte Heinz Stübing. Die Menschen im Schwalmstädter Ortsteil freuen sich, dass man nach mehr als 40 Jahren wieder Störche in Dittershausen beobachten kann. Bei den meisten Storchenpaaren hat die Brut schon begonnen.

Natürlich ist man gerade in Dittershausen jetzt gespannt, ob es mit dem Storchennachwuchs gleich im ersten Jahr klappt. Weißstörche legen zwei bis fünf Eier. Sie brüten in der Zeit von März bis Juni, ihre Brutdauer beträgt 32 Tage, die Nestlingsdauer etwa 60 Tage. Es brüten beide, das Weibchen aber mehr. Während der Brutzeit wird das Nest ständig instand gesetzt und ausgepolstert. Als besonderes Schauspiel gilt die Brutablösung und die Begrüßung. „Weil es nicht mehr allzu viele Wiesen in der Schwalm gibt, kommen wir aber vom Nahrungsangebot her dann langsam an die Grenzen des Möglichen“, verdeutlicht Stübing.

Die Paare verteilen sich in diesem Jahr auf Nester in Loshausen (Radweg an der Kläranlage/Molkereischornstein/Kirchweg), in Ziegenhain (Schafhof), Schrecksbach (Gärtnerei Schiel), Allendorf (Horst in den Wiesen) Dittershausen und in der Wiesen der Antreff zwischen Zella und Gungelshausen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Population deutlich erhöht: Ursprünglich gab es nur ein Paar in Loshausen. (Jörg Döringer)

Viele Störche in der Schwalm heimisch: Nistplatz an der Antreff ist erstmals besetzt

„Wir hatten schon fast nicht mehr daran geglaubt“, teilt Jörg Haafke, der Vorsitzende des Fördervereins Kulturlandschaft Schwalm mit. Vor sieben Jahren hatte der Verein mit anteiliger Finanzierung aus der Förderung der Kreissparkasse in der Antreffniederung eine Nistplattform für den Weißstorch errichtet. Nun wurde Anfang April diesen Jahres das Nistplatzangebot erstmals besetzt. Der Neststandort mit den beiden emsigen Neubürgern ist von der Landstraße zwischen Zella und Gungelshausen gut zu beobachten. Nach Auskunft von Heinz Stübing steigt mit diesem Brutpaar der lokale Bestand auf acht Brutpaare. Damit werde eine Bestandsgröße erreicht wie sie zuletzt aus den Nachkriegsjahren bekannt war.

„Wir freuen uns sehr über die Inbesitznahme durch die Störche – auch wenn der Weißstorch sich in Hessen in den Niederungsgebieten schon beinahe zu einem verbreiteten Brutvogel gemausert hat“ erklärt Haafke. So seien im vergangenen Jahr mehr als 800 Brutpaare in Hessen dokumentiert worden. In den 1980er-Jahren schienen die stattlichen Vögel dagegen nicht nur an der Schwalm, sondern in ganz Hessen vom Aussterben bedroht. Doch seit Mitte der 1990er-Jahre sei eine Wiederbesiedlung und besonders in den vergangenen zehn Jahren eine erstaunlich kräftige Bestandszunahme zu verzeichnen. Dabei habe sich der einst typische Zugvogel aufgrund der milderen Winter schon vielfach zu einem Standvogel entwickelt.

Zumindest die erfahreneren Altvögel blieben oft auch im Winterhalbjahr an den Brutorten oder würden bestenfalls nur kurzzeitig vor geschlossenen Schneedecken in südlichere Gefilde ausweichen. „Der Weißstorch ist somit zweifelsfrei aktuell ein Profiteur der gegenwärtigen Phase des Klimawandels“ stellt Jörg Haafke fest. „Ich gehe davon aus, dass auch an der Schwalm in den nächsten Jahren die Weißstorch-Brutpaarzahlen ebenfalls noch weiter steigen werden“ prognostiziert Haafke. Nachdem sich bislang alle Schwälmer Brutstandorte eher am Verlauf des gleichnamigen Flusses orientieren würden, sieht er dabei den achten Schwälmer Brutplatz als einen „ersten Schritt“ der Störche in das Areal der Antreffniederung an. (Sandra Rose)

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