Nach Umstellung des Müllkalenders

Schwam-Eder-Kreis: Volle Tonnen bleiben vielfach stehen - Beschwerden von Bürgern

Blick in Biotonnen: In die Behälter gehören auch im Landkreis Schwalm-Eder jetzt Lebensmittelabfälle sowie alles, was kompostierbar ist. Mit der Umstellung Anfang Juli gab es aber jede Menge Beschwerden.
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Blick in Biotonnen: In die Behälter gehören auch im Landkreis Schwalm-Eder jetzt Lebensmittelabfälle sowie alles, was kompostierbar ist. Mit der Umstellung Anfang Juli gab es aber jede Menge Beschwerden.

Auch drei Wochen nach Umstellung der Müllabfuhr im Schwalm-Eder-Kreis halten Beschwerden und Ausfallmeldungen an. Sowohl Restmülltonnen als auch Biomülltonnen sind vielfach ungeleert stehen geblieben.

Schwalm – So zum Beispiel in Ziegenhain und Frielendorf, aber auch in zahlreichen weiteren Orten im ganzen Landkreis. Teils wurden ganze Straßenzüge „vergessen“, teils sind die Probleme punktuell. Wie berichtet wird Restmüll nur noch alle drei Wochen abgeholt (zuvor 14-täglich), die Biotonne für Grün- und Lebensmittelmüll soll im Landkreis seit 1. Juli genutzt werden, Leerung alle zwei Wochen.

Zum Beispiel unsere Leser Jürgen Broschek (Schwarzenborn) und Erhard Süsser (Neukirchen) berichten, dass grüne und Restmülltonnen ungeleert blieben. Selbst Stomapatient, erinnert Broschek an die vielen Haushalte, in denen Hygienebedarfabfälle in größeren Mengen anfallen. Es sei sehr belastend, wenn dieser Müll lange stehen- und sichtbar bleibt.

Ein Leser aus Neukirchen, der nicht genannt werden möchte, schickte Fotos einer über und über von Maden besiedelten Biotonne. Die habe er zwischendurch auskippen und grundreinigen müssen. Die mehrfach fest zugesagte Nachleerung sei leider nicht erfolgt. Vorige Woche hatte die HNA berichtet, dass das neubeauftragte Unternehmen RMG Nachfahrten zusicherte, was nur teilweise klappte.

Das Krisentreffen

Nach Informationen der HNA gab es am Donnerstag ein Krisentreffen, an dem neben Verantwortlichen des Abfallzweckverbandes Abfallwirtschaft Schwalm-Eder (ZVA) auch Vertreter der Kommunen und des Landkreises teilnahmen. Denn nicht nur beim ZVA in Wabern sammeln sich Beschwerden in großer Zahl, auch in den Rathäusern stehen die Telefone wohl nicht still. Die Verwaltungen können allerdings nur an den ZVA und das neu beauftragte Unternehmen verweisen.

Friedhelm Holzapfel, stellvertretender ZVA-Geschäftsführer, weiß das, er spricht von einer Vielzahl von Reklamationen per Telefon und Mail. Von einer „Katastrophe möchte ich aber im Anblick der Flut von Beschwerden dennoch nicht sprechen, eher von einer Schlechtleistung“ des Entsorgungsunternehmens RMG, so Holzapfel auf erneute Anfrage der HNA. Das habe mit einem Entsorgungsnotstand aber nichts zu tun, die Entsorgungskapazitäten der Abfallfallwirtschaft Lahn-Fulda mit dem Entsorgungszentrum (EZS) in Wabern reichten völlig aus, es gehe ums Thema termingerechte Einsammlung.

Bitte Hotlines nutzen 

Friedhelm Holzapfel bittet darum, Reklamationen nicht an die Kommunen zu richten, sondern die Hotlines zu nutzen und zu mailen. Weiterhin solle man möglichst ungeleerte Müllgefäße stehen lassen, „damit ein spontanes Nachfahren funktioniert“. Kommt es nicht mehr zum Nachholtermin, so nehme das Unternehmen sogenannte Beistellmengen kostenfrei mit.


ZVA in Wabern, Tel. 05683/999038, E-Mail: Info@ZVA-SEK.de

das Unternehmen RMG hat die E-Mail: SEK@rmg-gmbh.de, Hotline-Tel. 05683/44 299 00

Fallzahlen

Genaue Fallzahlen liegen Holzapfel nicht vor, lediglich aus einigen Kommunen gesammelte Angaben: Oberaula berichte von etwa 70 nicht geleerten Restmülltonnen, von 85 fehlenden Leerungen beim Biomüll sowie von 37 stehen gebliebenen Altpapiertonnen in der Kalenderwoche 28. Das entspreche Quoten zwischen 2,3 und 6 Prozent.

Holzapfel verweist auf das „Interventionsgespräch“, bei dem es um die „hohe Anzahl unerledigter Reklamationen“ und die verstrichenen Nachholtermine ging, aber auch um „Kommunikationsverbesserungen“ und vieles mehr. Am Montag habe RMG dann ein Reklamationskonzept mit Maßnahmen vorgelegt, sodass es in den nächsten Tagen eine „rasche Besserung“ geben werde.

Defekte und Unfall

Der schlechte Start des Unternehmens RMG sei gepaart gewesen mit einer Reihe von Unwägbarkeiten. Es seien neue Fahrzeuge mit technischem Defekt ausgefallen, und es habe einen Unfall gegeben, ein Sammelfahrzeug sei umgekippt. Für Nacharbeiten eingeplante Fahrzeuge standen nicht zur Verfügung. Auch die „Ortsunkenntnis über Problemstellen (enge Fahrwege etc.) der eingesetzten Fahrer“ sei genannt worden. Die interne Kommunikation bei Reklamationen sollte auch verbessert werden.

Kontrollen

Das Unternehmen RMG (Rohstoffmanagement GmbH), das in ganz Deutschland und auch in Fritzlar Niederlassungen hat, wolle nun „ohne Kosten zu scheuen das Problem in den Griff bekommen“. RMG habe mehrere Fahrzeuge und zusätzliches Personal aus anderen Niederlassungen als Verstärkung im Einsatz oder angefordert. Bis das greift, werde es aber noch dauern. Aber es werde im Kreis ein tägliches Update der Reklamationsliste geben, sichert Holzapfel zu, die Kontrolle werde systematischer als bisher sein.

„Wie mit Landrat Winfried Becker abgesprochen ist, wurde dem Entsorgungsunternehmen bereits die Ersatzvornahme durch eine Fremdunternehmen angedroht, falls die RMG nicht in absehbarer Zeit die Anzahl der Beschwerden deutlich senken kann.“ Der Verband versuche RMG zu unterstützen, zum Beispiel durch verlängerte Öffnungszeiten im Entsorgungszentrum in Wabern. (Anne Quehl)

Antrag auf Befreiung von der Biotonne

Wer vom „Anschluss- und Benutzungszwang für die Bioabfallbehälter“ befreit werden möchte, muss nachweisen, dass er alle seine Bioabfälle ordnungsgemäß selbst auf einem Grundstück verwertet. Eine ordnungsgemäße Verwertung erfordert, dass für die Ausbringung eine eigene gärtnerisch oder landwirtschaftlich genutzte Fläche von 25 Quadratmeter je Grundstücksbewohner auf dem Grundstück nachgewiesen wird.

Die Fläche (Garten oder landwirtschaftliche Fläche), auf der der Eigenkompost verwertet wird, ist mit einem aktuellen Lageplan möglichst maßstabsgetreu zu kennzeichnen, Fotos sind möglich. Es wird darauf hingewiesen, dass nicht alle Bioabfälle für die Kompostierung geeignet sind, wie beispielsweise bestimmte Speisereste, Fleisch- oder Fischreste. Eine Gebührenreduzierung oder -erstattung gibt es nicht. Biomüll darf nicht in anderen Behältnissen (zum Beispiel im Restmüll) entsorgt werden.

Zuständig für die Antragstellung: Zweckverband (ZVA), Wabern, Tel. 05683/ 9990 -18, -38 oder -10, Info@zva-sek.de.

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