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Vom Flieger gucken zum Fliegerfotograf

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Von: Sylke Grede

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Die Pitts Special, entworfen von Curtis Pitts schon in den 1940er Jahren und über die Jahrzehnte immer wieder modifiziert, ist kaum von einem Flugtag wegzudenken.
Die Pitts Special, entworfen von Curtis Pitts schon in den 1940er Jahren und über die Jahrzehnte immer wieder modifiziert, ist kaum von einem Flugtag wegzudenken. © Wilfried Birkholz

Wilfried Birkholz hat einen nicht alltäglichen Beruf. Der Treysaer ist professioneller Luftfahrtfotograf. Er arbeitet international als Fotojournalist für Fachzeitschriften und Sport- und Kunstflugpiloten.

Treysa. In der Kunst- und Sportflugszene und bei professionellen Piloten hat der Name Wilfried Birkholz einen guten Klang – dabei besitzt der 59-Jährige selbst keinen Pilotenschein. Die Faszination fürs Fliegen begleitet ihn schon seit Kindertagen.

In den Zeiten des Kalten Krieges habe es bedeutend mehr Flugbewegungen über seinem damaligen Wohnort Leimsfeld gegeben – nicht zuletzt auch durch die Nähe des Militärflughafens in Fritzlar.

„Flieger gucken“. Dazu überredete Birkholz als Kind seinen Vater häufig, ihn zum Flugplatz nach Ziegenhain zu fahren. Schließlich entdeckte er den Modellbau für sich. Gebaut wurden natürlich schwerpunktmäßig Flugzeuge. Ab den 1980er- Jahren war er mit der Profikamera an Flugtagen unterwegs, zunächst noch als Zaungast und Spotter. Planespotter sind Menschen, die hobbymäßig Flugzeuge beobachten und fotografieren.

Wilfried Birkholz als Crewmitglied während eines Fluges in der niederländischen B-25 Mitchell, rechts sein Freund Hans Dellevoet. Er ist beruflich mit einer Boeing 777 weltweit unterwegs.
Wilfried Birkholz als Crewmitglied während eines Fluges in der niederländischen B-25 Mitchell, rechts sein Freund Hans Dellevoet. Er ist beruflich mit einer Boeing 777 weltweit unterwegs. © Wilfried Birkholz

Das war ihm irgendwann nicht mehr genug. Er stieg aus dem erlernten kaufmännischen Beruf aus und studierte Photojournalismus an einer Akademie in Hamburg und stieg als Freier Journalist in die Szene ein. Durch seine Presseakkreditierung und Referenzen bekam er dann auch schnell Zugang – speziell auch in die Flugschauszene. „Das Vertrauen dieser Piloten und Pilotinnen zu verdienen ist aber ein langer und steiniger Weg“, erklärt Birkholz. Heute fühlt er sich als Teil „einer großen Familie“, ist international bestens vernetzt, kennt viele besondere Menschen, lernte Top Gun- und James Bond-Stuntpiloten kennen. „Ich habe in den letzten Jahrzehnten viele prominente Toppiloten-und Pilotinnen kennenlernen dürfen – darunter auch Mark Hanna, der als Stuntpilot in vielen Hollywoodfilmen mitgewirkt hatte und in jungem Alter leider bei einem Flugunfall ums Leben kam“, erzählt er. Hanna wird in der Aviaotor-Szene immer noch als Held gefeiert. Es schwingt viel Wehmut mit, wenn Birkholz erzählt, dass viele seiner Pilotenfreunde tödlich verunglückt ist.

Die Bell UH-1D (inzwischen bei der Bundeswehr außer Dienst gestellt) auch weltweit unter dem Namen „Huey“ bekannt bei einer Übung in Ziegenhain.
Die Bell UH-1D (inzwischen bei der Bundeswehr außer Dienst gestellt) auch weltweit unter dem Namen „Huey“ bekannt bei einer Übung in Ziegenhain. © Wilfried Birkholz

Pandemiebedingt war der 59-jährige in den vergangenen zwei Jahren weniger unterwegs, hat aber aus dem Homeoffice als Journalist mit einem umfangreichen Fotoarchiv Aufträge bearbeiten können.

Zwar ist für den „Cam-Aviator“ die Luftfahrt der Schwerpunkt seiner Arbeit, aber auch nur eines seiner beruflichen Standbeine. Zum Beispiel arbeitete er auch an der Uni Marburg als wissenschaftlicher Journalist. Zuhause fühlt er sich aber in der Luftfahrszene: „Ich konnte Teil dieser besonderen Gemeinschaft werden.“

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