Ernstfall ist durchgeplant im Schwalm-Eder-Kreis

Warnung per Sirene und App: bei Katastrophe im Kreis stehen 1600 Helfer bereit

Im Katastrophenfall muss ein Rad in das andere greifen. Unser Archivbild entstand bei einer Katastrophenschutzübung in Oberaula. Damals wurde ein Hubschrauberabsturz simuliert. Archiv
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Im Katastrophenfall muss ein Rad in das andere greifen. Unser Archivbild entstand bei einer Katastrophenschutzübung in Oberaula. Damals wurde ein Hubschrauberabsturz simuliert.

Nach der Hochwasserkatastrophe in NRW und Rheinlandpfalz ist das Thema Katastrophenschutz in aller Munde. Wir schauen uns an, wie der Katastrophenschutz im Schwalm-Eder-Kreis aufgestellt ist.

Schwalm-Eder – Es liegt in der Natur der Sache, dass eine Katastrophe aus heiterem Himmel kommt. Und mit Blick auf die Situation in Rheinlandpfalz und NRW muss man auch sagen: Es kann jederzeit jeden überall treffen. Bislang gab es im Schwalm-Eder-Kreis noch keinen Katastrophenfall.

Sollte es jemals dazu kommen, kann der Kreis aber auf eine ansehnliche Zahl von Helfern zurückgreifen. Insgesamt gebe es 1602 Katastrophenschutzhelfer – 1387 bei der Feuerwehr, 42 beim DLRG, 137 beim DRK und 36 beim Malteserhilfsdienst, so der Landkreis auf Anfrage. Weitere 3562 Feuerwehreinsatzkräfte stehen im Ernstfall bereit. Das THW zählt zum Zivilschutz und ist in der Aufzählung nicht erfasst, rückt auf Anforderung aber auch zur Hilfeleistung aus. Katastrophenschutz ist Ländersache.

Abläufe sind klar geregelt

Die Abläufe für den Katastrophenfall sind klar geregelt: Die Untere Katrastrophenschutz-Behörde – der Landrat, nicht der Kreis – müsse Vorgaben vom Land (Oberste Katastrophenschutz-Behörde) eins zu eins umsetzen, erklärt ein Sprecher des Landkreises: „Der Landrat als Untere Katastrophenschutzbehörde stellt Eintritt und Ende des Katastrophenfalles im Einvernehmen mit der Obersten Katastrophenschutzbehörde fest.“ Wann man von einer Katastrophe spricht, ist im Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz definiert.

Es werde empfohlen, genau zu prüfen, ob wegen des Ausmaßes oder der Art eines örtlichen Einzelereignisses (z.B. eines Flugzeugabsturzes) bereits der Katastrophenfall festzustellen ist, heißt es aus dem Kreishaus. Dabei geht es nicht nur um Zuständigkeiten, sondern auch um die banale Frage, wer die Kosten übernimmt. Bei „nur“ einer Großschadenslage bleibt die Verantwortung in der betroffnen Kommune.

350 Sirenen im Kreis

Im Schwalm-Eder-Kreis können die Verantwortlichen dabei auf ein relativ dichtes Sirenennetz zurückgreifen. Die Auslösung erfolgt über die Leitstelle oder vor Ort. Noch werden die 350 Sirenen durch ein analoges Funksignal aktiviert. Die Digitalisierung ist geplant, dann können die Warneinrichtungen auch Signale wie Warnung und Entwarnung umsetzen. Zusätzlich kann eine Warnung über die App Katwarn durch die Leitstelle erfolgen.

Wann eine Warnung der Bevölkerung notwendig ist, ist einzelfallabhängig, kann aber auch durch die örtliche Feuerwehr veranlasst werden.

Bund unterstützt im Katastrophenfall

Der Bevölkerungsschutz in Deutschland besteht aus zwei Elementen. Es gibt den Zivilschutz und den Katastrophenschutz. Der Zivilschutz liegt im Verantwortungsbereich des Bundes und greift im Verteidigungsfall. Dann hat der Bund weitreichende Kompetenzen. Katastrophenschutz ist hingegen Ländersache. Die Länder sind für die Organisation und Ausstattung der Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz verantwortlich – der Bund unterstützt nur.  (bho)

Ausgefeilte Strukturen gegen das Chaos

So banal es vielleicht klingen mag, auch eine Katastrophe muss verwaltet werden. Nur wenn geplante Strukturen funktionieren, kann die unweigerlich eintretende Chaosphase so kurz wie möglich gehalten werden – was letztlich Menschenleben retten kann.

Wie ist im Katastrophenfall die Einsatzleitung strukturiert? Welche Aufgabe hätte der Landrat, hätte die Kreisbrandinspektorin?
Im Katastrophenfall hat der Landrat die Verantwortung, heißt es auf Anfrage aus dem Kreishaus. Zur Aufgabenerledigung bedient sich der Landrat eines Verwaltungs- (VwS) und eines Katastrophenschutzstabes (Kats).
Die Leitung des Kats-Stabes hat Kreisbrandinspektorin. Der Verwaltungsstab nimmt die administrativ-organisatorischen und der Kats-Stab die operativ-taktischen Aufgaben wahr.
Sind die Hilfskräfte auf Katastrophen wie aktuell in NRW überhaupt vorbereitet?
Die Helfer bereiten sich im Rahmen ihrer Ausbildung auf Katastrophenlagen vor, die über die Aufgaben der täglichen Gefahrenabwehr hinausgehen. Dazu gehört auch ein Hochwasserszenario, so ein Landkreissprecher: „Naturkatastrophen wie jetzt in RP oder NRW sind nicht „planbar“ und können auch nicht im Detail geübt werden. Wichtig ist, für derartige Lagen eine eingespielte Führungsstruktur zu haben.“
Da der Katastrophenschutz Landesaufgabe ist, gibt es auch konzeptionelle Vorplanungen vom Land Hessen, die sogenannten Sonderschutzpläne. Dort sind beispielsweise Betreuungs- und Evakuierungsszenarien vorstrukturiert. Diese müssen und werden im Landkreis gemäß der Landesvorgaben mit Leben gefüllt, erklärt der Kreissprecher.
Gibt es für solche Flächenlagen Einsatzpläne?
Einen komplett fertigen Plan kann man nur für etwas haben, was vorhersehbar ist. Eine Naturkatastrophe wie in Rheinlandpfalz oder NRW sei nicht planbar, so der Kreissprecher: „Damit konfrontiert würde man auf die Vorplanungen aus mehreren Sonderschutzplänen zurückgreifen.“ [Sonderschutzpläne für den Katastrophenfall: zu.hna.de/Schutzplan]
Die kommunalen und kreisweiten Vorplanungen zum Hochwasser stützen sich auf die Hochwassergefahrenkarten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie.
Welche Rolle spielen THW/DRK/DLRG/Malteser im Katastrophenschutz des Schwalm-Eder-Kreises?
Das DRK stellt zwei Sanitätszüge und einen Betreuungszug, die Betreuungsstelle sowie das Kreisauskunftsbüro. Der Malteser Hilfsdienst stellt einen Betreuungszug. Die DLRG stellt den Wasserrettungszug.
Das THW ist mit vier Ortsgruppen (Homberg, Melsungen, Fritzlar, Schwalmstadt) vertreten.
Die Fähigkeiten erstrecken ich neben Bergungsgruppen und den Fachgruppen für Notversorgung und Notinstandsetzung auf Fachgruppen für Elektroversorgung, Wasserschaden/Pumpen, Räumen und Ortung.
Wo können evakuierte Menschen zunächst unterkommen? Gibt es dafür Pläne?
Die Unterbringung von Evakuierten kann zunächst in öffentlichen Gebäuden wie Dorfgemeinschaftshäusern und Stadthallen erfolgen.
Hierfür gibt es seitens des Landes den Sonderschutzplan „Betreuungsdienst“ und die Rahmenempfehlung „Evakuierung“.
Welche Fähigkeiten könnte die Bundeswehr beisteuern? Ist dem Kreis bekannt, wo beispielsweise Berge- und Pionierpanzer stationiert sind?
Dem Kreis stehen mit dem Kreisverbindungskommando (KVK) im Einsatzfall Reservisten zur Verfügung, die Kenntnis über die Fähigkeiten der Bundeswehr haben und wie die benötigten Komponenten angefordert werden können.
Hält der Landkreis für den Katastrophenfall Lager mit Hilfsgütern und Ausrüstung vor?
Der Schwalm-Eder-Kreis hat unter anderem Feldbetten, Sandsäcke, eine Sandsackfüllmaschine sowie persönliche Schutzausrüstung eingelagert. (Matthias Haass)

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