Eine Stadt im Salsa-Fieber

Weltmusik, die begeistert: Tolles Flair beim Fest der Kulturen in Treysa

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Heiße Rhythmen zu später Stunde: Mil Santos und seine Band begeisterten mit Salsa-Musik und waren ebenso begeistert von dem tanzfreudigen Schwalmstädter Publikum. 

Schwalmstadt. „Es ist eine Ehre, hier auftreten zu dürfen“, sagte Mil Santos, als er am Samstagabend auf der Bühne vor der stimmungsvoll angestrahlten Ruine Totenkirche zum Mikrofon griff.

Was wie eine Floskel klang, entpuppte sich gleich beim ersten Takt als ernst gemeint: Mil Santos (übersetzt „Tausend Heilige“) brachte den Salsa auf die Bühne und die Gäste zum Tanzen.

Heiße Rhythmen in lauer Mittsommernacht: Der Auftritt des kolumbianischen Weltenbummlers aus Berlin, der mit seiner sechsköpfigen Band tags zuvor in der Hauptstadt ein Konzert gab und im vergangenen Jahr vor 40 000 Zuhörern in Bogotá spielte, war Höhepunkt des Festes der Kulturen am Samstagabend. Kein Zweifel: Mil Santos glaubt an die verbindende Kraft der Musik. „Ich habe das Gefühl, wir kennen uns schon lange“, sagt er mit Blick auf die vor ihm leidenschaftlich tanzende Menge – Schwalmstadt im Salsa-Fieber.

Weltmusik in der Schwalm

„Wir können auch Weltmusik und haben dafür in Schwalmstadt auch das Publikum“, brachte es Jochen Böttger von der Stadtverwaltung im Gespräch am Rande auf den Punkt, was viele hundert Gäste des ersten Fest der Kulturen an der Totenkirche bewiesen: Das Konzept der von sieben Organisatoren (Altstadtfreunde Treysa, Arbeitskreis für Toleranz und Menschenrechte, Pepperland Group, Kulturverein Schwalmstadt – Kultur vor Ort, Partnerschaftsverein Schwalmstadt, evangelische Kirchengemeinde Treysa, Stadt Schwalmstadt und Stadtjugendpflege) getragenen Veranstaltung ging auf. „Hoffentlich findet es im nächsten Jahr erneut statt“, sagten viele Besucher. Bei freiem Eintritt waren die 500 Spendenbuttons für fünf Euro lange vor dem Auftritt der letzten Gruppe nahezu restlos verkauft, so Pfarrer Dierk Glitzenhirn (evangelische Kirchengemeinde Treysa), der das Fest moderierte. „Auch mit solch großem Absatz an Getränken haben wir nicht gerechnet“, verriet Böttger.

Während einige Familien seit dem frühen Nachmittag an der Totenkirche ausharrten, kamen viele Gäste gegen 20 Uhr vor dem Auftritt von Hamid Baroudi auf das Festgelände. Der abwechselnd in Kassel und Algerien lebende Musiker ist seit vielen Jahren ein Star der Weltmusik. Wie ein Schutzfilm legte sich seine Musik – darunter auch sein einst verbotener Song „Caravan to Bagdad“ – über den Platz an der Totenkirche und verbreitete ein beeindruckendes Flair. Friedliche, gelassene Stimmung, strahlende Gesichter waren allenthalben zu sehen. „Ihr werdet richtig grooven – wer nicht tanzt, soll klatschen“, rief er, und die Besucher ließen sich nicht bitten.

Sinti-und Roma-Musik

Zuvor hatte das aus Mainz kommende Absinto Orkestra die Zuhörer mit Sinti-Roma-Musik auf den Abend eingestimmt. Da ging es auf und vor der Bühne zu wie auf einer Hochzeit auf dem Balkan: „Wer wird denn aus Liebe weinen?“, sangen sie, frisch verliebt in die beeindruckende Kulisse der Totenkirche.

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