Gefahr auf dem Dach

Wenn ein Schornstein in Brand gerät

Das Foto zeigt einen Schornsteinbrand. Dabei kann starker Funkenflug entstehen.
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Beeindruckendes Schauspiel: Starker Funkenflug ist ein charakteristisches Zeichen für einen Schornsteinbrand.

Schornsteinbrände stellen eine Gefahr für Gebäude dar und können große Schäden verursachen. Der Brand kann in der Regel nicht mit Wasser bekämpft werden, da der Schornstein bersten könnte.

Schwalm – Gerade in den Wintermonaten kommt es immer wieder zu Schornsteinbränden. Ursächlich sind oft Holzöfen. Ein in Brand geratener Schornstein sieht insbesondere nachts zwar ziemlich spektakulär aus, ist aber alles andere als harmlos und kann für den Hausbesitzer auch hohe Kosten verursachen. Anfang des Jahres geriet in Wiera der Schornstein eines Wohnhauses in Brand. Die Feuerwehren aus Wiera, Treysa und Frankenhain waren stundenlang im Einsatz. Es kam sogar zu einer Nachalarmierung wegen Nachlöscharbeiten. Direkt nach dem Brand hatte die Polizei den Brandschaden auf 25 000 Euro geschätzt.

Ende Januar konnte der Hauseigentümer dann eine erste richtige Kostenbilanz ziehen. Nachdem dem Wieraer Angebote von Schornstein- und Trockenbauer, dem Zimmermann und der Hausratsschadenversicherung vorlagen, beläuft sich der entstandene Schaden auf 75 000 Euro. Auf tausend Euro genau könne man das allerdings noch nicht sagen, schreibt der Besitzer in seiner Mail an unsere Zeitung und fügt an: „Der Schornstein muss abgetragen und neu errichtet werden, vier Zimmer wurden vollständig entkernt. Das sind ca. 100 Quadratmeter.“

Schornsteinbrand: Feuer wird durch Kehren bekämpft

Kleine Ursache, großer Schaden. Wie kommt es überhaupt zu einem Schornsteinbrand? Oft, aber nicht immer ist es falsches Brennmaterial. Wird Holz verbrannt, kann sich unter bestimmten Umständen Hart- oder Glanzruß bilden. Glanzruß entsteht, wenn das Holz bei der Verbrennung zu nass ist. Das Wasser verdampft, die Verbrennungstemperatur sinkt und Bestandteile des Holzes können nicht mehr richtig verbrennen. Im Rauch befindlicher Wasserdampf kondensiert an den Rußpartikeln und es bildet sich im Schornstein Glanzruß. Man spricht von einem Schornsteinbrand, wenn diese festen Ruß- und Teerbeläge im Schornstein unkontrolliert brennen.

Ein Schornstein besteht zwar aus nichtbrennbaren Baumaterial, aber ein unkontrolliertes, über 1000 Grad heißes, Feuer stellt für ein Gebäude und auch die Umgebung eine erhebliche Gefahr dar. Funkenflug kann Nachbarhäuser entzünden – gerade in eng bebauten Ortslagen mit Fachwerkhäusern eine durchaus reelle Gefahr für einen Großbrand. Wenn Glanzruß brennt, dehnt er sich auf das Vielfache seines ursprünglichen Volumens aus und kann den Schornstein verstopfen. Die durch den Brand entstehende Energie kann nicht mehr nach oben entweichen, sondern sucht sich einen anderen Weg. Es kann zu Rissen im Schornstein kommen, je nach Bauweise besteht sogar Einsturzgefahr. Durch Wärmeleitung können sogar dicke Dachbalken entzündete werden, die am Schornstein angrenzen.

In der Feuerwehrfachliteratur wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Wasser bei einem Schornsteinbrand nicht das Mittel der Wahl ist – ein Liter Wasser ergibt 1700 Liter Wasserdampf, der Schornstein würde bersten. Ein in Brand geratener Schornstein wird also nicht klassisch gelöscht, sondern durch Kehren frei gemacht. (Matthias Haaß)

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