1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schwalmstadt
  4. Schwalmstadt

A49: Jagdgenossen bemängeln Gesetzesänderung für Wildbrücken

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sandra Rose

Kommentare

Eine Grün- oder Wildbrücke entstand über einer Autobahn im Bau
Eine Grün- oder Wildbrücke entstand im Zuge der Bauarbeiten der A 49 zwischen den Talbrücken Schlierbach und Todenbach. © Frank Neuhaus

Schwalmstädter Jäger weisen auf eine Gesetzesänderung im Hinblick auf Wildbrücken hin. Im Zuge des Weiterbaus der A 49 ist auf dem neu gebauten Abschnitt zwischen Neuental und Treysa eine Grünbrücke zwischen der Talbrücke Schlierbach und der Talbrücke Todenbach entstanden. Weil der Planfeststellungsbeschluss schon lange zurückliegt, kann kein Widerspruch mehr eingelegt werden, um mit einem Gutachten die Wertminderung durch das Jagdverbot nachweisen zu lassen.

Schwalmstadt. Walter Keim, Reinhard Otto und Ralf Desel von der Jagdgenossenschaft haben sich mit der Landtagsabgeordneten Wiebke Knell und dem Verkehrspolitiker im Bundestag Jürgen Lenders (beide FDP) zu dem Thema getroffen. Wildbrücken seien ökologisch wichtig. Sie sorgten für den genetischen Austausch und damit für einen gesunden Wildbestand – insbesondere beim Rotwild, heißt es in einer Pressemitteilung. Hessens Jäger seien den Wildbrücken gegenüber positiv eingestellt, auch wenn seit 2011 die Jagd in einem Umkreis von 300 Metern um die Brückenköpfe verboten sei.

Weil sich die Flächen um die Wildbrücken herum in der Regel in Privatbesitz befänden, auf denen die Jäger auch für aufkommende Wildschäden hafteten, komme es durch dieses Jagdverbot zu Beeinträchtigungen und Wertminderung des Eigentums, verdeutlicht Knell. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens einer solchen Wildbrücke könne heute Widerspruch eingelegt und mit einem Gutachten die Wertminderung durch das Jagdverbot nachgewiesen werden. Diese Wertminderung werde dann in der Regel durch den Träger der Straßenbaulast entschädigt.

„Jedoch liegen zwischen dem Planfeststellungsverfahren und der Fertigstellung einer Wildbrücke meist mehrere Jahre. Projekte, deren Planfeststellung bereits vor der Gesetzesänderung 2011 abgeschlossen war, jedoch erst danach fertiggestellt wurden, fallen hier durch das Raster“, erklärt Knell. Ein solcher Fall sei die Wildbrücke über den neuen Autobahnabschnitt der A 49. Das Planfeststellungsverfahren für diese Brücke wurde 2007 abgeschlossen. Das Jagdverbot trete jedoch erst mit der Eröffnung des Autobahnabschnittes im Mai 2022 in Kraft. Die Möglichkeit eines Einspruchs und somit eine Entschädigung für den Wertverlust hätten die Schwalmstädter Jäger daher nicht.

Für Knell, die als Jagdpolitische Sprecherin das Thema im Landtag verantwortet, gestaltet sich die Lage schwierig: „Dass eine Gesetzesänderung solche Sonderfälle nicht zu 100 Prozent abdeckt, kann vorkommen. Hier müsste man ein wenig Fingerspitzengefühl und Entgegenkommen von Seiten des Umweltministeriums erwarten, sodass eine unbürokratische Lösung gefunden wird.“ Ein Entgegenkommen zugunsten der Jäger sehe sie jedoch nicht. „Ich befürchte, hier wird die Jagdgenossenschaft ihr Recht vor Gericht einklagen müssen.“

Jürgen Lenders weist auf die ungleiche Rechtslage zwischen den Bundesländern bei dieser Frage hin: „Keine 100 Kilometer nördlich von hier in Niedersachsen ist das Jagdverbot um Wildbrücken anders und deutlich eigentumsfreundlicher geregelt. Jedes Bundesland kocht hier sein eigenes Süppchen. Da wir mit der Autobahn GmbH des Bundes jetzt eine bundesweite Behörde haben, die die Autobahnen und Wildbrücken plant und umsetzt, sollten wir hier auch bundeseinheitliche und unbürokratische Regeln finden.“

Das gelte für Wildbrücken, aber auch für andere Regulierungen, die den Infrastrukturausbau ausbremsten, sagt Lenders.  (Sandra Rose)

Auch interessant

Kommentare