Interview: „Wir werden mehr Elektroautos sehen“

Schwalmstädter Technik-Blogger glaubt an Zukunft der Elektromobilität

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Kurz mal Strom tanken: Daniel Bönnighausen lädt sein elektrisches Testfahrzeug. Ab 2017 will er auch privat elektrisch fahren - ein Trend auch für andere, meint er.

Schwalm-Eder. Alle sprechen von Elektroautos, nur kaufen will sie derzeit kaum jemand. Wir haben mit dem Technik-Blogger Daniel Bönnighausen aus Schwalmstadt über Elektro-Trends gesprochen.

Sie waren auf der Internationalen Autoausstellung, was hat Sie dort am meisten begeistert? 

Daniel Bönnighausen: Wenig, bis auf den Ausstellungsbereich „New Mobility World“. Ansonsten enttäuschte es mich, dass der Großteil an Elektrofahrzeugen etwas lieblos auf der Messe präsentiert und wenig in den Fokus gerückt wurde.

Also kann man nicht gerade von einem Trend zum Elektroauto sprechen? 

Bönnighausen: Ich hätte eigentlich erwartet, dass die anderen Hersteller ein Premiummodell herausbringen, welches sich zu Teslas Model S gesellen kann, das ist aber nicht der Fall. Porsche und Audi zum Beispiel haben nur Konzeptfahrzeuge vorgestellt, die zwischen 2018 und 2020 auf den Markt kommen könnten. Ansonsten standen vor allem Hybridmodelle auf dem Programm. Der Trend geht hin zu schweren Fahrzeugen, die aber sparsamer sein müssen.

Sie scheinen enttäuscht darüber zu sein. Was begeistert Sie denn so an Elektroautos? 

Bönnighausen: Elektroautos haben einfach viele Vorteile. Sie erhöhen die Lebensqualität, da sie lautlos sind und keine Abgase ausstoßen. Auf der anderen Seite fahre ich selbst günstiger als mit einem Verbrennungsmotor. Man muss bei dieser Technik zum Beispiel kein Öl mehr wechseln und die Bremsen werden deutlich weniger belastet, was die Wartungskosten um bis zu 40 Prozent senkt.

Die Angst, liegen zu bleiben, ist bei vielen aber ein Grund, sich kein Elektroauto zu kaufen. 

Bönnighausen: Das Problem ist, dass viele bisher noch nicht selbst ausgiebig ein Elektroauto gefahren sind. Zudem sollte man sich die Frage stellen, wie viele Kilometer tatsächlich am Tag zurückgelegt werden müssen. Ich komme zum Beispiel von Schwalmstadt nach Marburg und zurück mit einer Ladung und habe dann noch immer Reserven übrig. Bis zu 130 Kilometer sind da überhaupt kein Problem.

Würden Sie denn sagen, dass sich Elektroautos gerade für den ländlichen Raum wie unseren Schwalm-Eder-Kreis eigenen? 

Bönnighausen: Gerade ist glaube ich falsch, auch müsste man sagen. Denn häufig wird die Elektromobilität vor allem im urbanen Raum gesehen, um die Anzahl der Fahrzeuge zu reduzieren und Mobilität zu schaffen. Die Möglichkeiten hier sind sehr vielfältig. So könnte ein Hotel den Gästen ein Elektroauto als Service anbieten, um die Region zu erkunden oder Städte und Gemeinden könnten den Tourismus durch ein Bürgertaxi fördern. Auch für Pendler oder Familien mit Zweitwagen ist Elektromobilität interessant.

Aber die Zahl der Zulassungen im Schwalm-Eder-Kreis stagniert. 

Bönnighausen: Das ist nicht nur ein lokales Problem, sondern tritt bundes- und europaweit auf. Der Grund ist, dass in diesem und nächsten Jahr in der Klein- und Mittelklasse Nachfolgermodelle herauskommen und ab 2017/2018 ganz neue Modelle in allen Preiskategorien, die deutlich mehr Reichweite besitzen.

Ja, auch bei den Förderungen wird es Veränderungen geben. So werden Elektroautos zunehmend attraktiver. Außerdem wird sich die Ladeinfrastruktur bis dahin sehr stark verbessern. Allein im deutschen Autobahnnetz werden bis 2018 rund 400 Schnellladestationen verfügbar sein. Elektroautos auf Fernstrecken fahren ist dann absolut kein Problem mehr.

Wie sieht Ihre Prognose für die Region in 2020 aus? 

Bönnighausen: Wir werden einen deutlichen Anstieg der Elektromobilität erleben und mehr Elektroautos sehen. Unsere Region wird zunehmend die Vorteile der Elektromobilität erkennen. Schon heute gibt es immer mehr Interessenten, die besonders aus dem Gewerbe kommen.

Zum Abschluss die Frage, was fahren Sie privat? 

Bönnighausen: Leider noch einen Verbrenner, und ich ärgere mich jeden Tag darüber, wenn ich in dieses Auto steigen muss.

Wann steigen Sie um? 

Bönnighausen: 2017. Dann ist mein aktuelles Auto abbezahlt und ich werde auf ein rein elektrisches Fahrzeug umsteigen.

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