Gemeinschaft zieht im Frühjahr ein

Wohnprojekt mit zwölf Einheiten wächst am Alten Feld in Treysa

Das Foto zeigt von links die Initiatoren Reinhart Darmstadt, Gerhard Mauch, Doris Schäfer und Susanne Nau sowie Architekt Johannes Biskamp.
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Im kommenden Frühjahr soll der Wohnkomplex bezugsfertig sein: Das Foto zeigt von links die Initiatoren Reinhart Darmstadt, Gerhard Mauch, Doris Schäfer und Susanne Nau sowie Architekt Johannes Biskamp.

Es war ein langer und steiniger Weg, den die Mitglieder des Vereins Gemeinsam ins Alter in Schwalmstadt gegangen sind – jetzt, nach mehr als zehn Jahren, können sie ihr Wohnprojekt für ältere Menschen in Treysa realisieren.

Schwalmstadt – Am Alten Feld entsteht der Komplex mit zwölf Wohnungen. Wir haben mit dem Vorsitzenden des Vereins, Reinhart Darmstadt, über die Idee gesprochen.

Die Realisierung des Projektes hat mehr als zehn Jahre gedauert. Warum?
Wenn wir zurückschauen, können wir es selbst kaum fassen. Von der Idee bis zur Umsetzung brauchte es aber diese Zeit, Geduld, Durchhaltevermögen und Überzeugungsfähigkeit. Viele realisierte Projekte brauchten ebenso lang. 2010 waren wir endlich eine Gruppe von zwölf Menschen, die den Verein mit ihrer Vorsitzenden Doris Schäfer gründeten. Wir trafen uns mit Interessierten und entwickelten unser Lebens- und Wohnkonzept. Wir bekamen viel Zuspruch, aber nur wenige Menschen in unserer ländlichen Region konnten sich vorstellen, in ein Wohnprojekt einzuziehen.
Wie ist es gelungen, Menschen von der Idee zu überzeugen?
Durch Internetpräsenz sind auch Interessierte von auswärts aufmerksam geworden. Im Herbst 2020 waren alle Wohnungen vergeben. In vielen Zoom-Konferenzen haben sich die Einzieher an den Detailplanungen beteiligt. Koordinert wurde das Ganze von Susanne Nau, Vorsitzender der Genossenschaft und Bauherrenvertreterin, und Architekt Johannes Biskamp.
Was empfehlen Sie Menschen im ländlichen Raum in Bezug auf ihre dritte Lebensphase?
Wir empfehlen, dass sich die Menschen noch vor dem Einstieg in die nachberufliche Phase vorstellen sollten, wie ihr Leben aussehen soll, wenn sie hochaltrig werden. Genauso, wie sie ihr bisheriges Leben geplant haben, sollten sie die dritte Lebensphase planen.
Welche Vorstellungen haben Sie von einem altersgerechten Leben auf dem Land?
Keine anderen als in der Stadt. Ich liebe entweder das Landleben oder das Stadtleben – mit allen Vorzügen und Nachteilen. Durch das Zusammenwohnen mit Menschen ähnlichen Alters leben wir eine verlässliche, zugewandte Nachbarschaft mit gemeinsamen Unternehmungen und wechselseitiger Unterstützung im Alltag. Wir alle wissen, wie sehr die Dörfer im Schwälmer Land vom öffentlichen Nahverkehr abgehängt sind. Die Menschen sind auf ihr Auto angewiesen. Deswegen kam für uns als Standort nur Treysa mit Bahnanschluss in Frage. Mobilitätseinschränkungen etwa führen ganz oft zur Vereinsamung. Wenn dann noch der Freundeskreis immer kleiner wird, haben viele alte Menschen keine Ansprache oder Außenkontakte mehr. Einsamkeit ist der Risikofaktor für Krankheiten.
Wie stark haben sich Mitglieder in die Projektplanung eingebracht?
Mit finanzieller Unterstützung von Leader konnten wir 2015/16 ein Beratungsprojekt durchlaufen und erste Planungen machen. Es wurden verschiedene Grundstücke auf Eignung überprüft. Lange haben wir auch nach Finanzierungsmöglichkeiten wie etwa Investoren gesucht, haben mit Baugenossenschaften gesprochen, die sich jedoch nicht im ländlichen Raum engagieren wollten. So reifte der Entschluss, eine eigene Genossenschaft zu gründen, was 2018 auch gelang.
Wie sehen Sie das Thema Überalterung, insbesondere bezogen auf die Schwalm?
Der letzte Demografiebericht basiert auf den Zahlen von 2012, sodass statistische Angaben zur Zukunftsberechnung nicht aktuell sind. Richtig bleibt, dass in Schwalmstadt die Anzahl der Menschen 65 Jahre und älter ansteigt. Viele von ihnen wohnen noch alleine in einem Haus. Es gibt in Schwalmstadt viele Unterstützungsformen, damit Senioren so lange wie möglich in ihrem Zuhause bleiben können. Unser Konzept greift weiter und wird in Zukunft auch im ländlichen Raum immer wichtiger. Der Magistrat der Stadt Schwalmstadt ist Mitglied im Verein geworden, ebenso der Kreis, dessen Erster Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann das Projekt als Schirmherr begleitet.
An wen richtet sich das Wohnprojekt konkret? Muss man es sich leisten können?
Ja, es richtet sich an Menschen, die es sich leisten können, weil die Einzieher nicht nur ihre Wohnung, sondern auch das Grundstück, die Gästewohnung und das Gemeinschafts- und Technikhaus eigenständig ohne öffentliche Zuschüsse finanzieren mussten. Für den Sozialen Wohnungsbau gibt es finanzielle Fördermöglichkeiten, für Projekte, die selbstbestimmt und aktiv gemeinschaftliches Wohnen umsetzen, gibt es keine öffentliche Zuschüsse. Hier sind der Bund und das Land Hessen herausgefordert, Förderungen anzubieten.
Welche Ideen werden Sie beim Einzug mitbringen – auch im Bezug auf eine gewachsene Nachbarschaft?
Schon jetzt sind viele Einzieher im Ehrenamt aktiv und werden das nach dem Einzug fortsetzen. Es ist für sie selbstverständlich, die Nachbarschaft und das Wohnquartier in Aktivitäten einzubeziehen, es gibt dazu schon viele Ideen, ebenso in Bezug auf die angrenzende Kita.

(Sandra Rose)

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