Amtsgericht Schwalmstadt

Zahlreiche Taten im Rausch: 48-Jährige aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis entgeht ein letztes Mal der Haft

Zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilte das Amtsgericht eine 48-jährige Frau aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis.
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Zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilte das Amtsgericht eine 48-jährige Frau aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis.

Zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilte das Amtsgericht eine 48-jährige Frau aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis. Die Strafe wurde für vier Jahre auf Bewährung ausgesetzt.

Treysa - Der Staatsanwalt hatte der Frau achtmaliges Schwarzfahren und sechs Diebstähle geringwertiger Sachen in den vergangen zwei Jahren vorgeworfen. Die Angeklagte gestand alle Taten. Da die Frau bereits elfmal wegen ähnlicher Delikte vorbestraft war und sie seit gut 30 Jahren drogenabhängig ist, stand die Frage im Raum, ob sie zwangsweise in eine Klinik für psychisch kranke und suchtkranke Straftäter (Forensik) eingewiesen werden soll.

Als Gutachter berichtete ein Facharzt der Psychologie und Psychotherapie der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina. Die Angeklagte habe mit 17 Jahren mit ihrem Drogenkonsum begonnen, so der Arzt. Sie habe eine Opiat-Sucht, die jedoch bereits seit 2006 substituiert werde. In den ersten Jahren habe es immer wieder Rückfälle gegeben, aber seit 2018 funktioniere die Substitution gut. Schwierig sei allerdings ihr immer wieder auftretender Beikonsum, vor allem von hochdosierten Benzodiazepinen. Das sind verschreibungspflichtige Medikamente, die als Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt werden. Er diagnostizierte eine Abhängigkeit von diesen Medikamenten. „Alle sechs Wochen reitet sie der Teufel und sie nimmt eine große Menge“, so der Arzt. Im Rausch sei die Angeklagte enthemmt und eigne sich Dinge an, die sie haben wolle. „Sie hat einen tief sitzenden Hang, mitzunehmen, was ihr gefällt.“

Trotzdem empfahl er nicht die Unterbringung in der Forensik, sondern eine Entwöhnungsbehandlung in einer Fachklinik, die auch die Substitution weiterführt. Sonst werde die Angeklagte immer wieder im Rausch ähnliche Straftaten begehen, stellte der Psychologe und Psychotherapeut fest.

Die Angeklagte erklärte, sie nehme schon seit rund drei Monaten kein Tavor mehr, welches zu den Benzodiazepinen zählt. Vor Jahren sei es ihr wegen einer Angststörung verschrieben worden, deswegen habe sie das Medikament über Jahre eingenommen: „Doch ich merke, ohne Tavor bin ich viel klarer. Da sie sich mit einer stationären Behandlung in einer Entwöhnungsklinik bereit erklärte, setzte die Richterin die Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. „Es ist Ihre allerletzte Chance“, erklärte die Juristin. Bis die Angeklagte einen Platz in einer stationären Entwöhnungsklinik findet, muss sie zehn psychotherapeutische Gespräche und einmal die Woche ein Gespräch mit der Sucht- und Drogenberatung führen.

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