JVA Ziegenhain

Häftlinge stellen heimlich Alkohol in Ziegenhainer Zellen her

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Auch hier wird hinter Gittern gegärt: das Hochsicherheitsgefängnis in Ziegenhain.

Schwalmstadt. "Fiffi" heißt das Gemisch, das Häftlinge der JVA Ziegenhain heimlich gären lassen. Der Konsum des Gebräus hat nicht zuletzt auch gesundheitliche Folgen.

Er sieht aus wie trübes Flusswasser und stinkt zum Himmel. „Fiffi“ nennen Eingeweihte den Alkohol, den sich Häftlinge im Gefängnis selbst herstellen. Ein Problem ist das auch in der JVA in Ziegenhain. „Fiffi“ – das ist ein fieses Gebräu aus Brot, Obst und Saft, das in bewusst überheizten Zellen zu Alkohol gärt.

Es ist ein offenes Geheimnis: Obwohl Alkohol ein Tabu im Knast ist, gibt es immer wieder volltrunkene Gefangene. Und stockbetrunkene Gefangene werden übergriffig. Es komme zu enthemmter, unkontrollierter Gewalttätigkeit, erklärt die Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten Hessen, Birgit Kannegießer. 

Genau das brachte ein Prozess an den Tag, der kürzlich vor dem Amtsgericht in Treysa verhandelt wurde. Dabei war es um eine Schlägerei in einer Ziegenhainer Gefängniszelle gegangen. 

Der angeklagte Häftling hatte angegeben, so stark betrunken gewesen zu sein, dass er sich an nichts mehr erinnern könne.

Fiffi-Flaschen im Billardtisch versteckt

Laut Justizministerium ist die Alkoholherstellung im Gefängnis durchaus kein Einzelfall. „Ein riesiges Problem ist das aber nicht“, beschwichtigt Ministeriumssprecher René Brosius. 

Auffällig seien häufig Gefangene mit langen Haftstrafen. Meist bemerken die Beamten die „Fiffi“-Produktion durch strengen Geruch und einer überheizten Zelle. Auch wenn ansonsten die Hafträume als Privaträume gelten, werde im Falle eines Verdachtes sofort durchsucht, sagt der Ministeriumssprecher. 

Allerdings kennt die Kreativität, was die Verstecke der Flaschen angeht, kaum Grenzen. Kannegießer berichtet zum Beispiel von „Fiffi“-Flaschen, die in einem Billardtisch gefunden wurden.

Das nach Fäulnis schmeckende Getränk sei auch nicht sehr gesund, so Brosius. Schweißausbrüche und Schüttelfrost alarmieren die Beamten. Diese Symptome deuten auf eine Vergiftung hin.

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