Zurück in ein selbstbestimmtes Leben

50 Jahre Hephata-Werkstätten: Die Betriebsintegrierten Beschäftigungsplätze

DRK-Katastrophenschutz in Fritzlar.
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Ein eingespieltes Team: von links und Schirrmeister Reinhard Kremser und Mike A. arbeien beim DRK-Katastrophenschutz in Fritzlar.

Seit 50 Jahren sind Menschen mit Behinderungen in den Hephata-Werkstätten tätig. In einer siebenteiligen Serie wollen wirdie Arbeit und die Menschen hinter den Produkten vorstellen.

Schwalmstadt. „Dass ich mal wieder eine so wichtige Aufgabe für mich und die Gesellschaft übernehmen würde, hätte ich mir während meiner dunkelsten Phase nicht erträumen lassen“, sagt Mike A. aus Fritzlar. An seiner alten Arbeitsstelle stieß er schnell an seine Belastungsgrenze. Der Bürokaufmann leidet an Depressionen, die den 48-Jährigen seit mehr als zwei Jahrzehnten begleiten. Mittlerweile ist er ein Beschäftigter der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) und hat eine Anstellung auf einem sogenannten „Betriebsintegrierten Beschäftigungsplatz“, kurz BiB, beim DRK-Katastrophenschutz in Fritzlar gefunden. Eine schwere Depression führte dazu, dass Mike A. seinem alten Job nicht mehr nachgehen konnte. Damals wohnte er noch in Bad Wildungen und suchte sich Hilfe beim psychosozialen Zentrum „Treffpunkt“.

„Ich war zu dem Zeitpunkt am Ende. Dort bekam ich eine erste Hilfe“, sagt er. Und auch den Rat, sich die Angebote der Sozialen Rehabilitation der Hephata Diakonie anzusehen.

Das Ziel der Sozialen Rehabilitation ist es, eine möglichst weitgehende soziale und berufliche Wiedereingliederung zu erreichen. Eine Beschäftigung in den Werkstätten soll die Menschen auch insofern fördern, als dass sie sich dem allgemeinen Arbeitsmarkt wieder annähern. Ein dreiviertel Jahr war Mike A. auf der Warteliste für einen Platz in der Für Uns-Manufaktur in Fritzlar. Dort machte er dann den ersten Schritt in ein selbstbestimmtes Leben.

Zunächst übernahm er Schreinerarbeiten. Dann wagte er den nächsten Schritt: Gemeinsam mit dem Sozialdienst plante er, wieder eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszuprobieren. „Wir haben dann geschaut, wo meine Stärken liegen“, so der 48-Jährige. Nach Beschäftigungen bei einer Spedition als Ladehelfer und einem gemeinnützigen Verein als Fahrdienstleister, rückten das DRK und damit der Katastrophenschutz in Fritzlar in den Fokus. Denn: Trotz seiner psychischen Beeinträchtigung bekleidet Mike A. schon seit vielen Jahren ein Ehrenamt beim DRK. Beim Katastrophenschutz brachte er sich zunächst über die Betriebsintegrierte Beschäftigung (BiB) als Lagerhelfer ein, später übernahm er Verwaltungsaufgaben, die er bis heute selbstständig ausübt, erklärt Reinhard Kremser, Schirrmeister beim Katastrophenschutz. „Mike ist jemand vom Fach. Er erledigt seine Aufgabe ohne Hilfestellung. Für uns ist er ein Glücksfall. Nicht zuletzt bei der Naturkatastrophe in Ahrweiler war er eine feste Stütze“, sagt Kremser.

Ob sich die Krankheit auf seine Arbeit auswirkt? Davon sei weitestgehend nichts zu spüren, erklärt Kremser. „Natürlich gibt es Wellenbewegungen. Aber wir kennen einander und merken, wenn etwas nicht stimmt.“

Mittlerweile fühlt sich Mike A. auf seinem BiB-Platz so wohl, dass er selbst Schulungen gibt. Diese Schulungen bietet er jährlich mit einem weiteren Kollegen an. „Hier habe ich Arbeit gefunden, die mir Spaß macht und hier wird Rücksicht auf meine Bedürfnisse genommen. Mit dem Angebot habe ich wieder zurück ins Leben gefunden.“ (Sandra Rose)

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