Er trug fast einen Monat die Post nicht aus

Post in Treysa einfach auf Acker geworfen: Zusteller inzwischen entlassen

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Durchnässt und dreckig: Ein Teil der nicht zugestellten Briefe wurde Anfang der Woche auf dem Sportplatz in Ascherode entdeckt. Laut Polizei wurden bislang insgesamt 500 Briefe gefunden.

Der Ärger um die nicht zugestellten Briefe in Treysa ist Felicitas Meding anzusehen. Im HNA Gespräch machte die Inhaberin einer Ergotherapiepraxis in der Komotauer Straße ihren Unmut über den Vorfall wort- und gestenreich Luft und nahm kein Blatt vor den Mund.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 17. November, um 14.23 Uhr: „Wir haben höchstens zehn Prozent der üblichen Post erhalten. Und wenn mal Post kam, dann waren es oft auch noch Briefe für die Nachbarn.“ Allein der finanzielle Schaden summiere sich auf einen vierstelligen Betrag, so die Ergotherapeutin: „Wenn wir keine Rezepte bekommen, dann können wir auch niemanden behandeln.“

Es sind aber nicht nur die verschwundenen Briefe – darunter Rezepte, Rechnungen und sensible Patientendaten – und der unzuverlässige Zusteller die Meding ärgern, sondern gleichermaßen der Umgang der Deutschen Post mit den Betroffenen. „Unsere Firma werden sehr hohe Datenschutzauflagen gemacht und hier liegen Briefe mit äußerst sensiblen Daten für jeden zugänglich am Bahnradweg.“ Der Post seien Einzelschicksale wohl egal, so die Treysaerin.

Vertrauen in die Post verloren

Empört zeigt die Geschäftsfrau auf ein dürres siebenzeiliges Entschuldigungsschreiben des Unternehmens, das in den vergangenen Tagen bei ihr einging.

Das Vertrauen in die Institution Deutsche Post sei jedenfalls im Keller, betont Felicitas Meding.

Felicitas Meding

Auch wenn sie nicht alle Zusteller des Dienstleisters über einen Kamm scheren möchte, etwas Misstrauen bleibe, so die Ergotherapeutin: „Weiß ich denn jetzt noch, ob zukünftg die Originalbelege, die wir an Krankenkassen zu Abrechnungszwecken senden müssen, auch ankommen.“

Es sei schon empörend, dass sie im Prinzip erst durch die Polizei und kurz darauf einem HNA-Artikel von dem ganzen Ausmaß des Vorfalls erfahren habe, kritisiert die Treysaerin: „Dabei haben wir uns schon seit Oktober bei der Postbeschwerdestelle und der Bundesnetzagentur beschwert.“

Mittlerweile füllt der Schriftverkehr und E-Mailverkehr zu den durch einen Zusteller unterschlagenen Briefsendungen mit der Post bereits eine kleine Mappe. Rechtliche Schritte sind eingeleitet.

Gut 100 Stunden Arbeitszeit habe man bislang in die Sache investieren müssen, schätzen Meding und ihre Vewaltungsmitarbeiterin Margitta Jeß. Sie habe dafür sogar Patienten Termine absagen müssen, bedauert die Ergotherapeutin.

Ärgerlich sei es, dass sie sich bei ihren Geschäftspartnern rechtfertigen müsse, obwohl der Fehler nicht bei ihnen liege, sagt die Ergotherapeutin: „Uns wird mangelnde Sorgfalt unterstellt. Der Vertrauensverlust ist nicht zu ermessen. Wir kopieren jetzt den Zeitungsartikel und schicken ihn als Erklärung mit.“

Tüte mit 300 Briefen gefunden

Öffentlich wurde das, als jüngst Mitglieder des ADFC-Schwalmstadt bei einer Müllsammelaktion am Haaße-Hügel in Treysa eine Tüte mit mindestens 300 Briefen fanden und der Polizei übergaben.

Jetzt kam an den Tag, dass dies nur die Spitze des Eisbergs war. „Von Anfang Oktober bis Anfang November haben wir nur drei, vier Briefe bekommen. Wenn man weiß, dass wichtige Schreiben kommen sollen, die aber nicht eintreffen, dann ist das ärgerlich“ sagte ein betroffener Anwohner gegenüber der HNA. 

Post: Briefe lagen auf einem Feld

Erst am Dienstag habe ein Postmitarbeiter verdreckte und nasse Briefe vorbeigebracht, erzählt der Treysaer weiter: „Die lagen wohl auf einem Feld.“ Der Kundenservice der Deutschen Post sei in der Sache nicht besonders gut gewesen, meint der Mann: „Auf Telefonanrufe wurde gar nicht reagiert.“

Auf Anfrage bestätigte die Deutsche Post die Vorfälle, wollte aber weder zur Gesamtzahl der verschwundenen Briefe, noch der Zahl der Betroffenen etwas sagen. Zu laufenden Ermittlungen mache man keine Angaben, erklärte ein Pressesprecher und teilte mit, dass der für den betroffenen Zustellbezirk in Treysa zuständige Mitarbeiter mittlerweile nicht mehr für das Unternehmen tätig sei. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Sichergestellte Post-Sendungen sind nun teilweise zugestellt 

Die sichergestellten Sendungen, seien – nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen und sofern sie einem Empfänger zweifelsfrei zuzuordnen waren – mit einem Begleitschreiben in der Zustellung oder bereits zugestellt, erklärte der Postsprecher und fügte an, dass Postkunden diese Briefe bis Ende der Woche erhalten sollten.

Betroffene sind skeptisch und vermuten, dass bislang noch gar nicht alle Briefsendungen gefunden wurden. 

Zum Thema: Postgeheimnis: Darf man eigentlich Briefe an unbekannte Empfänger öffnen?

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