Einige Angebote schlägt der Kreis aus

Zwist um eine künftige Flüchtlingsunterkunft

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Um dieses Gebäude geht es: Die Alte Apotheke befindet sich in der Festung Ziegenhain nicht weit vom Paradeplatz, einer Hauptstraße mit einigen Geschäften, Schule und Kindergarten

Schwalmstadt. Auf eine Reihe von Vermietangeboten für Flüchtlinge geht der Kreis derzeit nicht ein, an der geplanten Belegung der Alten Apotheke in Ziegenhain entzündet sich währenddessen der Protest einer Gruppe von Anliegern.

Sie hat gegen den Einzug von Asylbewerbern im Festungsgebiet einen offenen Brief an den Landrat verfasst, hat große Zweifel, dass sich das ehemalige Freigängerhaus für Flüchtlinge eignet.

Sprecherin Bärbel Prinz will nichts davon wissen, dass man die Fremden womöglich einfach nicht als Nachbarn haben will. Sie ist der Überzeugung, dass es wesentlich bessere Unterkünfte gibt und bemängelt vieles, vom Zellencharakter der Räume über die Vergitterung der Fenster bis hin zum fehlenden Garten. Auch meint sie, dass es in der Stadt schon viele Flüchtlinge gebe, andere Gemeinden wie Willingshausen und Frielendorf seien an der Reihe.

„Argumente aus der untersten Schublade“, sagt dazu der Eigentümer, der nicht genannt werden will. Er findet sein Gebäude sehr wohl geeignet, will investieren, Bäder und Brandschutzvorrichtungen einbauen. Ursprünglich hatte er das Haus gekauft, um es als Touristikstandort an Schwalmstadt zu vermieten, doch das Stadtparlament entschied anders. Der Eigentümer räumt ein, dass das Objekt schwer vermietbar ist, doch es gebe Kaufinteressenten. Er sei aber nicht bereit, dem Druck der Nachbarn nachzugeben. Die, so Bärbel Prinz, gehen von reinem Profitinteresse aus. Neben der Nähe zur Justizvollzugsanstalt käme ein neuer Konfliktbereich ins Festungsgebiet. Die Behauptung, aus christlicher Nächstenliebe zu handeln, halte man für geheuchelt.

Der Landkreis hat Interesse an dem Haus, bestätigt Verhandlungen. Bis zu 30 Menschen könnten dort in mehreren Wohneinheiten leben. Eine Informationsveranstaltung wurde angekündigt.

Das sagt der Kreis

Über 900 Flüchtlinge leben zurzeit im Schwalm-Eder-Kreis, im ersten Halbjahr war ein Aufnahmesoll von 198 Männern, Frauen und Kindern zu erfüllen. Im zweiten Halbjahr werden es 387 sein. Durchschnittlich 15 Menschen seien wöchentlich aufzunehmen und unterzubringen. Deshalb sei der Kreis ständig bemüht, neue Unterkünfte anzumieten. Dabei werde auf Herkunftsländer, Ethnien (Volksgruppen) und auf Familienverbände Rücksicht genommen. Der Kreis sei bemüht, Familien in Wohnungen unterzubringen, Gemeinschaftsunterkünfte sollten keine Dauerlösung sein. Die Wohnungen sollten möglichst in einer Stadt oder Gemeinde liegen. (aqu)

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Von Anne Quehl

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