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Schwalm: Trotz ausreichender Rohware gibt’s Lücken im Supermarkt

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Von: Denise Dörries, Johannes Rützel

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Tegut Filial-Geschäftsfüher Dennis Weitzel-Weiss vor einer Palette Öl, die er als Sonderauslieferung von einer Fremdmarke zugekauft hat.
Tegut Filial-Geschäftsfüher Dennis Weitzel-Weiss vor einer Palette Öl, die er als Sonderauslieferung von einer Fremdmarke zugekauft hat. © Denise Dörries

Ein Blick in die Supermarktregale verrät, dass Produkte wie Speiseöl, Haferflocken und Mehl immer noch knapp sind. Aber nicht nur die Lücken fallen auf, sondern auch die immens gestiegenen Preise.

Schwalm – Die weltweit überlasteten Lieferketten seit der Coronapandemie und die damit einhergehenden steigenden Transportkosten sowie der Krieg gegen die Ukraine gelten als Ursachen für die Komplikationen. Hinzu kommen die zahlreichen Hamsterkäufe, die als Folge der oben genannten Ausnahmesituationen auftreten.

Eine regelrechte „Öl-Manie“ brach aus, wie Hans-Richard Schneeweiß von Edeka Hessenring (Melsungen) es ausdrückt: „Die Nachfrage ist weit überdurchschnittlich und hält länger an als vermutet.“ Das betreffe jedoch nur preisgünstige Öle. Die Nachfrage von beispielsweise Olivenölen sei normal. „Sonnenblumenöl wird für bis zu einem Jahr knapp bleiben und wohl zu einem Premiumprodukt ähnlich Olivenöl werden“, vermutet Schneeweiß.

Hans-Richard Schneeweiß Edeka Hessenring
Hans-Richard Schneeweiß Edeka Hessenring © Pinto, Jose

Hamsterkäufe sind ein großes Problem

Dennis Weitzel-Weiss, Filial-Geschäftsführer des Tegutmarkts in Treysa, sieht die Hamsterkäufe als großes Problem in Bezug auf die leeren Regale. „Durch die vielen Hamsterkäufe muss natürlich mehr bestellt werden, das müssen aber alle Supermärkte, und so kommt es zu Engpässen“, erklärt der Marktleiter.

Die Folgen der Hamsterkäufe ließen nicht lange auf sich warten und so musste Tegut in Treysa, wie viele andere Supermärkte auch, die Abgabemengen an die Kunden begrenzen. „Wir mussten zeitweise die Abgabemengen rationieren, um möglichst vielen Kunden eine Chance zu geben die gefragten Waren zu bekommen“, äußert sich Weitzel-Weiss.

Im Tegut Treysa sind Anfang Mai vereinzelt Lücken beim preisgünstigen Weizenmehl und im Ölregal, wo sonst Sonnenblumenöl und Rapsöl ihren Platz finden, zu verzeichnen, ebenso wie in praktisch jedem anderen Markt.

Weitzel-Weiss hat Sonderlieferungen Sonnenblumenöl von einer Fremdmarke bestellt, um Lücken zu füllen. Auch in Discountern ist wieder Sonnenblumenöl im Angebot, um vieles teurer allerdings als vor der Krise.

Lage entspannt sich wieder

Allmählich entspannt sich die Lage in den Supermarktregalen wieder. Hierzulande ist die Versorgung mit Weizenmehl zum Beispiel sicher, wie Hans-Richard Schneeweiß unterstreicht: „Es ist genügend Rohware vorhanden, die Mühlen produzieren viel, und die Ware kommt auch in den Handel.“ Dass die Mehlregale doch ab und zu Lücken aufweisen, liege eben an den Hamsterkäufen und daran, dass im Frühling mehr gebacken werde. Auch die Rapsölversorgung werde sich beruhigen. „Raps wird vermehrt für Öl vermahlen werden“, davon geht Schneeweiß aus. Ölmühlen wie die in Haubern in Frankenberg hatten bereits im März ihre Produktion von Rapsöl hochgefahren.

Neben vereinzelten Lücken in den Regalen fallen auch die erhöhten Preise auf. „Die Lebensmittelpreise steigen an, das liegt nicht nur an der Inflation, sondern auch an den steigenden Betriebs- und Benzinkosten“, erklärt Weitzel-Weiss. Neben den Transportkosten muss außerdem bedacht werden, dass die Einkaufspreise gestiegen sind. Mit einer steigenden Nachfrage werden die Waren im Einkauf für den Supermarkt teurer.

Preise sollen laut Ifo-Institut weiter steigen

In den vergangenen Wochen gab das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung bekannt, dass fast alle Lebensmitteleinzelhändler ihre Preise erhöhen möchten. Auch in anderen Branchen ist die Preiserwartung so hoch wie noch nie zuvor in einer Ifo-Untersuchung. Laut des Statistischen Bundesamts trieb die Inflation im April durch steigende Nahrungsmittelpreise: Der Verbraucherpreisindex stieg um 7,5 Prozent – Lebensmittel verteuerten sich um 8,6 Prozent im Vergleich zum April 2021. Von März bis April verteuerten sich innerhalb eines Monats Speiseöle mit 10,2 und Fleischwaren mit 7,1 Prozent. Der größte Preistreiber sind nach wie vor gestiegene Energiekosten: Sie verteuerten sich um 35,3 Prozent. Ohne Berücksichtigung von Energiekosten würde die Inflationsrate bei lediglich 4,3 Prozent liegen. (jru)

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