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Schwarzenborn: Tierschützer Jörg Becker sucht Nachfolger

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Jörg Becker steht an der Straße, der Krötenzaun ist zu sehen auf der einen Seite, das Gewässer auf der anderen.
Gefahrenstelle: Um Kröten bei ihrer Wanderung zum Schwarzenbörner Teich zu schützen, baut Jörg Becker jedes Jahr im Frühjahr einen Krötenschutzzaun auf. © Regina Ziegler-Dörhöfer

Wenn der Frühling naht macht sich Jörg Becker Morgen für Morgen auf, um Kröten zu sammeln. Der 66-jährige Schorbacher kümmert sich seit 2018 um den Krötenschutzzaun nahe der Schwarzenbörner Teiche. Als Amphibienfreund hat er das Amt übernommen, da sein Vorgänger aus der Region weggezogen war und die Kröten eines neuen Helfers bedurften.

Schorbach/Schwarzenborn. „Wenn sich niemand kümmert, werden die Tiere zu Hunderten überfahren“, sagt Becker, der sich nur widerwillig an die unansehnlich plattgefahren Krötenreste früherer Jahre auf der Landstraße erinnert.

„Mich haben Kröten, Frösche und Molche schon zu Kindertagen fasziniert. Ich liebe die Natur und möchte ihr auch was zurückgeben“, so Becker, der auch viel Zeit in den Bau von Nistkästen und Insektenhotels investiert.

Mit 66 Jahren fällt Becker das tägliche Sammeln der Kröten aber zunehmend schwerer. „Die Knochen machen einfach nicht mehr mit. Ich brauche Unterstützung, die Kröten brauchen Hilfe“, sagt der Dachdeckermeister, der über jeden Fund am Krötenzaun peinlich genau Buch führt.

300 Meter Schutzzaun

Im Jahr 2019 sammelte er 535 Kröten, 30 Molche, acht Wasser- und zehn Grasfrösche ein. Im trockenen Jahr 2020 war die Krötenpopulation nur halb so groß, dafür konnte er aber 30 Wasserfrösche über die Straße zum Teich tragen.

Im vergangenen Jahr half er 345 Kröten, sechs Wasserfröschen und 83 Molchen über die Straße. All seine Funde setzt er am Ufer des Schwarzenbörner Teichs aus, wo die Tiere ihren Laichplatz suchen.

„Den Rückweg müssen sie allein antreten“, sagt Becker, der erklärt, dass dann die Gefahr der massenhaften Überfahrung nicht ganz so groß sei, da der Rückweg von den Tieren individueller und nicht in geballter Form angetreten werde. Der Schwarzenbörner Teich ziehe Amphibien im Umkreis von einem guten Kilometer an, sodass die meisten Tiere aus dem Bereich des Kasernengebietes stammten, weiß der Naturschützer.

Neben dem täglichen Krötensammeln muss im Vorfeld auch der Zaun auf- und nach der Wanderzeit wieder abgebaut werden. Entlang der 300 Meter langen Schutzzaunstrecke müssen beim Zaunbau alle 20 Zentimeter Erdnägel eingeschlagen werden. „Ich hatte für den Zaunbau ein paar Helfer, doch es wird Zeit einen Nachfolger für das gesamte Schutzzaunprojekt zu finden“, so Becker, der seine Zeit rund um den Schwarzenbörner Teich auch immer wieder dafür genutzt hat, hinterlassenen Unrat einzusammeln. Schubkarren voller Flaschen, Tüten, Dosen und allerlei anderem Müll fuhr er mit seinem auffällig rosafarbenen Auto schon ab. „Mir ist es unbegreiflich, weshalb man seinen Müll in der Umwelt liegen lässt“, so der Naturfreund.

„Ein Ehrenamt das Freude macht“

Die Krötenwanderzeit erstrecke sich meist auf den Zeitraum von Angang März bis 15. April. Je nach Witterung könne sich die Zeit aber auch mal etwas verschieben. Während dieser Wochen aber muss täglich jemand bis 9 Uhr die Fangeimer im Erdreich kontrolliert haben, um die nächtlichen Wanderer nicht unnötig der Sonneneinstrahlung auszusetzen.

„Wenn man die Tiere ihrem ersehnten Nass entgegenträgt, freut man sich Tag für Tag über sein Tun. Ein Ehrenamt, das Freude macht“, so Becker.

Interessierte Helfer können sich bei Jörg Becker unter der E-Mail-Adresse joergbecker2710@gmx.de oder unter Tel. 0 17 25 62 03 60 melden. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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