Dialekt-Serie

Wilhelm "Willi" Mönch spricht Schwarzenbörner Platt

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„Ich mag die Dinge von früher“: Wilhelm „Willi“ Mönch, gelernter Elektriker, heute Rentner – auf der Ladefläche des Traktors, der einst den Eltern seiner Frau gehörte.

Schwarzenborn. Mundarten – gefühlt jeder Ort in unserer Region hat seine eigene. Doch wer sind die Menschen, die ihre Dialekte so lieben? Wilhelm Mönch ist einer von ihnen.

Sommer, 1972. In München ist die Welt zu Gast. Tausende sind zu den Olympischen Spielen gereist – sie sprechen Japanisch, Polnisch, Englisch. Unter ihnen: Wilhelm „Willi“ Mönch, ein Helfer von der Bundeswehr. Er spricht Platt. Schwarzenbörner Platt, um genau zu sein.

Es ist eine dieser Anekdoten, die Willi Mönch so liebt. Sie lassen diesen ruhigen, 79-jährigen Mann auftauen, lassen seine Augen funkeln. Er lacht, wenn er von damals erzählt – davon, wie sich selbst die Deutschen nach ihm und seinem Freund aus der Heimat umgedreht hätten. „Aus welchem Land kommen die denn?“, hätten sie gefragt.

Mönch liebt diese Geschichten, weil er sein Platt liebt. Dialekt ist Spaß für ihn. Dann etwa, wenn der HNA-Reporter ihn nicht versteht, wenn er nach einem Schwarzenbörner Redeschwall einfach nur dasitzt, an Mönchs Wohnzimmertisch – wenn sein Gegenüber doof guckt und dreimal nachfragen muss. „Wie war das gleich?“.

Er hat trotzdem Deutsch gelernt

Willi Mönch kam in Schwarzenborn zur Welt. Als Kind habe er täglich, wie seine Eltern, Schwarzenbörner Platt gesprochen. Von klein auf also, bis zum ersten Schultag. Und, hat’s geschadet? „Wir haben trotzdem Deutsch gelernt.“ 

Nach dem Zweiten Weltkrieg aber habe sich etwas verändert. Plötzlich habe sich das Hochdeutsche ausgebreitet. Mönch vermutet, dass das an den Menschen gelegen haben könnte, die aus den ehemals deutschen Gebieten hierher gekommen sind. Sie brachten eigene Dialekte mit. Man musste sich arrangieren.

Dass sein Platt heute weitaus weniger verbreitet ist, dass seine drei Söhne es nur noch verstehen, es selbst aber kaum mehr sprechen können, macht Mönch zu schaffen. Er hat die Idee, ein Treffen zu organisieren, in den Wintermonaten vielleicht. Im neuen „Ahlen Porrhüs“. Wieder so ein Moment. Wieder der ratlose Reporter, und wieder der kichernde Willi Mönch. 

„Im Alten Pfarrhaus in Schwarzenborn“, sagt er. Kommen könne jeder, der Platt sprechen oder hören, der Anekdoten erzählen will. Willi Mönch aber will vor allem, dass das alles nicht ganz verloren geht.

„Schwarzenbörner sind sehr fromm, die sagen in jedem zweiten Satz ‘ave’“, sagt Willi Mönchs Frau Elisabeth, und steht mit frischem Kaffee in der Tür. 

„Ave“, das bedeute übrigens „eben“. Beide lachen. Elisabeth Mönch stammt aus Grebenhagen. Dort, auf dem früheren Hof ihrer Eltern, wohnt das Paar seit 1982.

Dass die beiden zuhause Platt miteinander sprechen, ist natürlich klar. Aber: In Schwarzenborn heißt Heu „Heiw“, in Grebenhagen „Häij“. Und: Vater war für Willi der „Voder“, für Elisabeth aber der „Vaader“. Manchmal übernehme er die Wörter seiner Frau, sagt Willi Mönch. Und beide grinsen wieder.

Mönchs-Willi heißt er hier

Platt zu sprechen, das bedeutet für Willi und Elisabeth Mönch Vertrautheit. Und Vertrauen. „Man fühlt sich einander näher“, sagt Elisabeth, geborene Pfeiffer, die man in Grebenhagen als Pfiffersch-Liesel kennt. 

Und woher kommt der „Willi“, Herr Mönch? Sein Patenonkel habe Wilhelm geheißen, und seine Mutter habe den Namen nicht noch einmal in der Familie gewollt. Also „Willi“ eben. Sagt Wilhelm – der Mönchs-Willi, wie man ihn hier kennt. „Das ist auch so eine Kuriosität.“

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