Experten setzen vermehrt auf Artenschutz

Die Bundeswehr in Schwarzenborn wird Umweltschützer

Insekten willkommen: Dafür sollen laut, von links, Kommandeur Oberstleutnant Sven Kästner und Gärtnermeister Stefan Jäckel, Chef der Geländebetreuung in der Knüllkaserne, auf dem Bundeswehrgelände Blühwiesen, Bienenhotels und Obstbäume sorgen.
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Insekten willkommen: Dafür sollen laut, von links, Kommandeur Oberstleutnant Sven Kästner und Gärtnermeister Stefan Jäckel, Chef der Geländebetreuung in der Knüllkaserne, auf dem Bundeswehrgelände Blühwiesen, Bienenhotels und Obstbäume sorgen.

Dort, wo Soldaten die Natur schützen, erweist sich das als Segen für bedrohte Arten und Landschaften. Das zeigt sich auf dem Standortübungsplatz. Auch in der Schwarzenbörner Kaserne wird´s zunehmend grüner.

Schwarzenborn – Waldflächen mit Urwaldcharakter, Wiesen, die blühenden Orchideenfeldern gleichen, Bachläufe, die noch kein Bagger begradigt hat. Das ist nicht irgendwo, sondern direkt vor unserer Haustür. Die Rede ist von der Knüll-Kaserne samt Standortübungsplatz.

Und in der Kaserne passt es personell gerade so richtig für ein ökologischeres Profil. Dort treffen die Fachleute von der Geländebetreuung, das sind Gärtnermeister Stefan Jäckel mit seinem 25-köpfigen Team und Umwelt-Sachbearbeiterin und Biologin Bianca Müller, mit Oberstleutnant Sven Kästner auf einen Kommandeur, der bekennender Naturschützer ist.

Das Kasernengelände

Der Schwarzenbörner Bundeswehrstandort ist Teil eines europaweiten Schutzgebietes. Damit besteht nicht nur die Verpflichtung zum Schutz bedrohter Vogelarten und dem Erhalt natürlicher Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt. Ein wesentlicher Punkt bei diesen Naturschutzgebieten ist auch das Verschlechterungsverbot.

Dem trägt man inzwischen auch innerhalb des Kasernengeländes Rechnung. So wurden mit einfachsten Mitteln zwei leer stehende Lagerbunker in Winterquartiere für Breitflügelfledermäuse umgewidmet. Naturschutz muss nicht viel kosten, erläutert Biologin Müller an diesem Beispiel. An fünf Stellen der Gewölbedecke des Bunkers wurden jeweils Komplexe von vier einfachen Lochsteinen geschraubt, die Bunker erhielten eine neue Tür, deren feststehender Flügel aus Holz oben mit einer Einflugspalte für die Fledermäuse versehen wurde.

Bianca Müller, Biologin beim Geländebetreuungsdienst in der Knüll-Kaserne, an dem Schlupfloch für Breitflügelfledermäuse zum Winterquartier in einem leeren Bunker.

Sie demonstriert weitere einfache Artenschutzmaßnahmen. An Unterkunftsgebäuden sind Wochenstuben für Zwergfledermäuse angebracht – direkt neben einer Eingangstür. Was sich spektakulär anhört, sind einfach konstruierte, mit Dachpappe versehene, flache rechteckige Holzkästen mit einer Einflugschneise von unten. „Die Zwergfledermäuse sind nicht scheu und mögen die Nähe von Gebäuden“, erklärt Müller. In den sogenannten Wochenstuben kommen ganze Gesellschaften von Fledermäusen zusammen. Bis zu 100 Tiere können es sein, sagt Müller.

Bereits kurz hinter der Wache bekommt der Besucher das Ergebnis eines Konzepts zu sehen, für das es bei der Bundeswehr natürlich eine Abkürzung gibt: KVP – Kontinuierliches Verbesserungsprogramm. Das ist ein Pool mit Ideen von Bundeswehrangehörigen mit Vorschlägen, die auch umgesetzt werden.

In diesem Fall ist es ein großes Insektenhotel, vorgelagert erstreckt sich im Rasen eine große Blumenwiese. Es gebe weitere Blumenwiesen, auch sollen bestimmte Rasenflächen nicht mehr so häufig gemäht werden, erklärt Stefan Jäckel. „Es soll einfach für Mensch und Tier auf dem Kasernengelände abwechslungsreicher werden“, meint der Gärtnermeister. Dazu beitragen soll ein Projekt, das besonders dem Kommandeur am Herzen liegt: Die Anpflanzung von 100 Obstbäumen, um alte hessische Obstsorten zu erhalten.

Übungsplatz

Auch der Standortübungsplatz wartet mit ökologischen Besonderheiten auf. Nahezu einmalig ist der Wiesenpieperbestand. Es gibt laut Müller nur drei Vorkommen dieser Wiesenbrüterart in Hessen, die größte Population existiert in Schwarzenborn. Das wurde durch eine Kartierung des Regierungspräsidiums nachgewiesen. Die Vogelart ist auf ein offenes und weitläufiges Landschaftsbild angewiesen. Das gilt es durch spezielle Pflegemaßnahmen von Jäckel und seinem Team zu erhalten.

Wenig Pflegeaufwand werden die Gärtner damit haben: Optimale Bedingungen mit der Renaturierung eines Feuchtbiotops und der Neuanlage eines Biotops an der Efze wurden durch die Initiative der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen unter anderem für den Kleinen Wasserfrosch geschaffen. Hier gilt es, eine Verlandung zu verhindern. (Sylke Grede)

Am Schwarzenbörner Standort setzen Experten vermehrt auf Artenschutz 

Insekten willkommen: Dafür sollen laut, von links, Kommandeur Oberstleutnant Sven Kästner und Gärtnermeister Stefan Jäckel, Chef der Geländebetreuung in der Knüllkaserne, auf dem Bundeswehrgelände Blühwiesen, Bienenhotels und Obstbäume sorgen.
Insekten willkommen: Dafür sollen laut, von links, Kommandeur Oberstleutnant Sven Kästner und Gärtnermeister Stefan Jäckel, Chef der Geländebetreuung in der Knüllkaserne, auf dem Bundeswehrgelände Blühwiesen, Bienenhotels und Obstbäume sorgen. © Sylke Grede
Bianca Müller, Biologin beim Geländebetreuungsdienst in der Knüll-Kaserne, an dem Schlupfloch für Breitflügelfledermäuse zum Winterquartier in einem leeren Bunker.
Bianca Müller, Biologin beim Geländebetreuungsdienst in der Knüll-Kaserne, an dem Schlupfloch für Breitflügelfledermäuse zum Winterquartier in einem leeren Bunker. © Sylke Grede
Eines von drei hessischen Vorkommen des Wiesenpiepers: Die Vogelart liebt ein offenes Landschaftsbild. Genau das findet sie auf dem Übungsplatz in Schwarzenborn. Deshalb gibt es dort die größte Population in Hessen.
Eines von drei hessischen Vorkommen des Wiesenpiepers: Die Vogelart liebt ein offenes Landschaftsbild. Genau das findet sie auf dem Übungsplatz in Schwarzenborn. Deshalb gibt es dort die größte Population in Hessen. © Sylke Grede
Zwergfledermäuse sind in der Kaserne zuhause.
Zwergfledermäuse sind in der Kaserne zuhause. © Uli Frank/nh
Lochsteine am Deckengewölbe eines Lagerbunkers sollen als Winterquartier für Breitflügelfledermäuse dienen.
Lochsteine am Deckengewölbe eines Lagerbunkers sollen als Winterquartier für Breitflügelfledermäuse dienen. © Sylke Grede
Große Population des Wiesenpiepers.
Große Population des Wiesenpiepers. © Manfred Bogumil
Renaturierung: Biotope auf dem Standortübungsplatz wurden neu angelegt oder wieder hergestellt. Dort fühlt sich der Kleine Wasserfrosch wohl.
Renaturierung: Biotope auf dem Standortübungsplatz wurden neu angelegt oder wieder hergestellt. Dort fühlt sich der Kleine Wasserfrosch wohl. © Sylke Grede

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