Frieden, Freiheit, Fernsicht: Die Bild-Zeitung berichtete über Schwarzenborn

Bischof Gerhard Meyer war in den 1968ern Polizist in Frankfurt. ArchivFoto: Privat

„Willkommen in Schrumpfhausen“ titelte die Bild-Zeitung kürzlich und meinte damit das Städtchen Schwarzenborn. Ein Reporter berichtete in dem Artikel über seinen Aufenthalt in der Knüllstadt. Nicht alle Schwarzenbörner sind darüber glücklich.

Teils amüsiert, teils kritisch wird der leicht überspitzte Beitrag aufgenommen. Wir fragten nach, was es mit Schrumpfhausen, der Festnahme Cohn-Bendits, dem Bordell in Grebenhagen und den Schnitzeln im Gasthof Efzegrund so auf sich hat.

Bürgermeister Jürgen Liebermann zeigt sich insgesamt belustigt über den Artikel, findet den Titel „Willkommen in Schrumpfhausen“ allerdings etwas reißerisch. 1203 Einwohner zählte Schwarzenborn Ende 2018. Das sind 72 weniger als ein Jahr zuvor. Keine Kommune in Hessen verlor – prozentual (5,6 Prozent) – mehr Einwohner. Das rechnete der Bild-Reporter vor und nahm dies zum Anlass, die Stadt zu besuchen. Die Zahlen stimmen, meint Liebermann. Allerdings hätte der Reporter die Gründe des Bevölkerungsrückgangs außer Acht gelassen. Denn die Einwohnerzahlen sinken in Schwarzenborn, weil dort kaum noch Flüchtlinge leben. Waren es vor Kurzem noch 170 Asylbewerber, die Unterkunft in Schwarzenborn fanden, sind es jetzt gerade noch zwölf. Auch die Zahl der in Schwarzenborn lebenden EU2-Bürger sinke, erklärt Liebermann das sogenannte „Schrumpfen“.

Erstaunen zeigte der Reporter, dass Schwarzenborn Bischofssitz ist. Gerhard Meyer ist Oberhaupt der Reformierten Episkopalkirche in Deutschland – und ehemaliger Polizist. „Frieden, Freiheit und Fernsicht“ findet er auf dem Knüllköpfchen in Schwarzenborn, „Der Ex-Polizist nahm bei den Studentenunruhen 1968 Daniel Cohn-Bendit fest“, schreibt die Bild-Zeitung. Das stimmt nicht ganz so, meint Bischof Meyer im Gespräch mit der HNA. 1969/1970 sei er als Polizist bei einem Einsatz an der Frankfurter Paulskirche beteiligt gewesen. Es sei um eine Buchpreis-Verleihung gegangen. Um zu verhindern, dass Studenten in die Paulskirche eindringen, hätten die Polizisten eine Kette um das Gebäude gebildet.

Es könnte Daniel Cohn-Bendit gewesen sein, der den Polizisten seine Hilfe anbot und als Teil der Kette versuchen wollte, in die Paulskirche zu gelangen, meint der Bischof. Der Mann wurde schließlich überwältigt und festgenommen.

Bordell in Grebenhagen

Ja, es habe mal über einen kurzen Zeitraum in Grebenhagen im Gasthaus Efzegrund ein Bordell gegeben, bestätigen Bürgermeister Jürgen Liebermann wie auch die jetzige Efzegrund-Wirtin Gisela Böhmer. Das sei Anfang der Achtziger-Jahre gewesen. Aber davon, dass „die Liebesdamen Hausfrauen aus der Knüll-Region“ gewesen seien, will man in Schwarzenborn nichts wissen. „Als der Puff wieder zu und Gisela zurück war, sollen noch jahrelang liebeshungrige Männer vor der Tür gestanden haben“, schreibt der Reporter.

Zum Übernachten waren der Bild-Reporter und sein Fotograf im Gasthaus in Grebenhagen abgestiegen. Bei der Efzegrund-Wirtin hat sich der anfängliche Ärger über den Artikel wieder etwas gelegt, und sie zeigt wieder ihren Humor: „Wir haben halt den ganzen Abend rumgeflachst.“ Dass allerdings in dem Artikel der Eindruck entstehen könnte, ihre Schnitzel schmeckten nicht, gefällt ihr gar nicht. Es geht um Stiftskrüstchen, ein paniertes Schweineschnitzel auf Toast mit einer süßen Curry-Ananas-Spargel-Sauce. „Dabei schmecken die nicht, sind viel zu süß“, hatte sie der Reporter zitiert. Darüber empört sich Gisela Böhm. Sie habe lediglich gesagt, dass das nicht ihr persönlicher Geschmack sei.

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