Klausur im Knüll

Kloster bei Schwarzenborn wird eingeweiht

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Bischöfliches Ordinariat und Kloster am Knüllköpfchen: Bischof Gerhard Meyer (Mitte) heißt in Schwarzenborn Mönche in einem Kloster willkommen, hier Bruder Augustinus (links) und der Prior des Klosters, Pater Thomas.

Schwarzenborn. Der Geist der Benediktiner liegt über dem Knüllköpfchen: Zum Monatsende wird dort ein anglikanisch-benediktinisches Kloster geweiht werden.

Mit der deutschlandweiten Premiere gibt es damit neben einem bischöflichen Ordinariat der Reformierten Episkopalkirche auch einen Mönchsorden in Schwarzenborn.

„Wir sind auf einem Berg - wie so manche Benediktinerabtei“, freut sich der aus England stammende Prior, Pater Thomas, über das neue Domizil auf dem Areal der Christusgemeinde zu dem auch das Knüllcamp und die Knülljause zählen. Er weist darauf hin, dass sich die anglikanischen Benediktinermönche in der Region rund um den Knüll in einer langen Tradition sehen: Bereits im achten Jahrhundert entstand in Bad Hersfeld ein Benediktinerkloster.

Zwar sind die Benediktiner ein Orden innerhalb der römisch-katholischen Kirche, aber auch im Anglikanismus und vereinzelt im Luthertum sind benediktinische Klöster erhalten geblieben. „Mit ‘bete, arbeite und lies’ stehen wir ganz in der Tradition der Benediktiner“, erklärt Pater Thomas, dessen Orden sich in Deutschland aus kirchenrechtlichen Gründen Sankt Stephanus (OSSA) nennen wird. Dennoch fließe auch die Lesordnung der Anglikanischen Kirche in das Spirituelle ihres Ordens, sagt der Prior.

Sieben Mönche - fünf Fratres und zwei geweihte, die sogenannten Patres - und eine angehende Nonne werden nach den spirituellen Regeln der Benediktiner in einem Haus am Knüllköpfchen leben. Obwohl sie Anglikaner seien, leben sie als Mönche im Zölibat, sagt der 31-jährige Pater: Armut, Gehorsam und Keuschheit haben sie gelobt. Wie in jedem Kloster, heißt ihr privater Bereich „Klausur“, ihre Zimmer sind Zellen. Im Alltag deutlich zu erkennen sind sie an ihrer schwarzen Ordenskleidung, dem Habit - einem schwarzen Talar und einer Soutane.

Aber nicht nur ihr Ordenshaus, in dem sie bis zu 17 Gäste zu Exerzitien aufnehmen können, wollen sie mit Leben füllen; für Veranstaltungen kann auch das Knüllcamp genutzt werden. Neben der christlichen Weiterbildung ist ihnen ein weiterer Aspekt wichtig: „Wie unser Namensgeber, der Heilige Stephanus, sehen wir das Wirken im diakonischen Geiste als einen Schwerpunkt an“, sagt der Prior. Mit Familienberatung und weiterer kirchlicher Sozialarbeit sehen die Stephaner sich stark im diakonischen Dienst. Deutlich sichtbar wird das bereits in den Kontakten, die die Mönche zu den Asylbewerbern pflegen, die in den ehemaligen Offiziershäusern an der Knüllkaserne untergebracht sind.

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Von Sylke Grede

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