Bekannter Rechtsextremist ist Neubürger

Knüll wird die Neonazis nicht los: Rechtsextremer zieht nach Wallenstein

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Trügerische Idylle: 2013 kaufte eine international bekannte Holocaustleugnerin das ehemalige Roeder-Anwesen auf dem Knüllköpfchen, jetzt hat sie sich in Schwarzenborn als Einwohnerin abgemeldet. 

Zwar ist die international bekannte Holocaust-Leugnerin Michèle Renouf keine Einwohnerin Schwarzenborns mehr, dafür wohnt in der Gemeinde Knüllwald nun ein bekannter Neonazi.

Der Knüll wird den braunen Makel nicht los: Ein mehrfach verurteilter Rechtsextremist ist als Neubürger gemeldet. Der Neonazi Meinolf Schönborn ist nach Wallenstein gezogen. Im Knüll ist er kein Unbekannter. Vor zwei Jahren hatte Schönborn bei der Michèle Renouf in deren Haus Richberg auf dem Knüllköpfchen – dem einstigen Roeder-Anwesen – den Hausherrn gemimt und zu rechten Seminaren eingeladen. Von Wallenstein aus gibt Schönborn die Zeitung „Recht und Wahrheit“ heraus. Sie richtet sich laut Nordrhein-Westfälischem Verfassungsschutz vornehmlich an die Neonaziszene, aber auch an Reichsbürger. 

Anwohner berichten der HNA, dass dieses rechte Blättchen kürzlich in Briefkästen in Knüllwälder Ortsteilen aufgetaucht ist. Schönborn betreibt von Wallenstein aus auch einen Online-Handel. Die Polizei im Schwalm-Eder-Kreis hat ein besonderes Augenmerk auf Schönborn gerichtet. Ferner befasst sich die BAO (Besondere Aufbauorganisation) Herkules derzeit intensiv mit rechtsaffinen Personen, zu denen auch Schönborn gerechnet wird. Auch auf kommunalpolitischer Ebene formiert sich Widerstand. Knüllwalds Bürgermeister Jürgen Roth arbeitet über das Projekt „Gewalt geht nicht“ eng mit dem Landkreis zusammen. 

Dabei gehe es zunächst darum, zu informieren und zu sensibilisieren. Schönborns Internetseite ist zu entnehmen, dass er erst kürzlich zu Sonnenwendfeier in den Knüll eingeladen hatte, auch lädt er zu monatlichen „Recht und Wahrheit-Leserkreisen“ ein. Für eine Untersagung dieser Veranstaltungen gibt es bisher keine Handhabe. Landrat Winfried Becker: „Sobald diese Möglichkeit aber von den Behörden gesehen wird, werden wir handeln.“

Guter Freund der Holocaust-Leugnerin Michèle Renouf

Meinolf Schönborn lebt in Wallenstein relativ abgeschieden am Ende einer Sackgasse, seine rechten Umtriebe sind den Wallensteinern bisher wenig aufgefallen. Er galt als guter Freund der australischen Holocaust-Leugnerin Michèle Renouf und besuchte sie in deren Haus Richberg auf dem Knüllköpfchen. Dorthin hatte er öffentlich zu rechten Seminaren eingeladen. Dem machte der Landkreis mit einer Nutzungsuntersagung ein Ende, weil damit ein reines Wohnhaus gewerblich genutzt worden wäre.

Inzwischen soll Schönborn sich mit Renouf verkracht haben. Das könnte seinen Umzug nach Wallenstein erklären. Polizei wie auch Landkreis und Kommune sind darüber beunruhigt und treten über die BAO (Besondere Aufbauorganisation) und das kreisweite Projekt „Gewalt geht nicht“ in Aktion. Die BAO Herkules der Polizei wurde nach dem Mord an Walter Lübcke eingerichtet. 

Mögliche Netzwerke und politisch motivierte Straftaten sollen frühzeitig erkannt und verhindert werden können. Experten gehen davon aus, dass Schönborn in der Region keine Anziehungskraft auf andere Neonazis wie zum Beispiel Mitglieder der Partei „Die Rechte“ ausübt. Das Projekt „Gewalt geht nicht“ unterstützt die Gemeinde, eingebunden werden soll dabei auch der Wallensteiner Ortsbeirat. „Wir müssen Akteure vor Ort finden“, sagt Knüllwalds Bürgermeister Jürgen Roth.

Mit israelfeindlichen Aussagen provozieren

Aufmerksam hingeschaut wird auch bei den Aktivitäten der Holocaust-Leugnerin Michèle Renouf. 2013 hatte das ehemalige Model über ihre Tochter das ehemalige Roeder-Anwesen auf dem Knüllköpfchen in Schwarzenborn erworben. Zwar hat sie sich inzwischen als Einwohnerin Schwarzenborns abgemeldet, aber das Haus Richberg ist immer noch in Familieneigentum. Auch wurde sie erst kürzlich in Begleitung zweier Herren im Trachten-Outfit auf dem Knüllköpfchen gesehen. Sofort habe sie Gesprächspartner mit israelfeindlichen Aussagen provozieren wollen, heißt es aus Schwarzenborn.

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