Schwarzenborn: Kommandeur und Vogelexperte

Oberstleutnant Sven Kästner führt seit Oktober das Jägerbataillon

Verantwortung für 1000 Soldaten und Soldatinnen: Oberstleutnant Sven Kästner ist der neuer Kommandeur des Jägerbataillons in Schwarzenborn, hier vor einem Radpanzer „Boxer“.
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Verantwortung für 1000 Soldaten und Soldatinnen: Oberstleutnant Sven Kästner ist der neuer Kommandeur des Jägerbataillons in Schwarzenborn, hier vor einem Radpanzer „Boxer“.

Sven Kästner ist in der Knüll-Kaserne kein Unbekannter. 2007 war er Chef einer der Kompanien des damaligen Jägerregiments, nun stellt er sich als Oberstleutnant einer neuen Aufgabe: Seit diesem Monat ist er der Kommandeur der 1000 Mann starken Truppe auf dem Knüllplateau.

Schwarzenborn - Beim gemeinsamen Rundgang über das Kasernengelände fällt die Freundlichkeit auf, mit der die Soldaten ihrem neuen Chef begrüßen. Nahezu jeder hat beim üblichen militärischen Gruß ein Lächeln für den Kommandeur parat. Der freundliche Umgang miteinander sei ihm wichtig, erklärt der 42-Jährige. „Das schließt Disziplin und Gehorsam ja nicht aus.“ Die einzelnen Aufgabenbereiche innerhalb des Bataillons sollten nicht in Konkurrenz zueinanderstehen, sondern wie die Rädchen eines Uhrwerks miteinander arbeiten, stellt er sich vor.

Hammelburg, Torgelow, Straußberg und Bundesverteidigungsministerium lauten nur einige Stationen seiner militärischen Laufbahn – immer den Generalstabsdienst im Blick. Das Pendeln sei er seit 24 Jahren gewöhnt, meint der gebürtige Thüringer. In Schwarzenborn wird er sich eine Zweitwohnung einrichten, ansonsten zieht es den zweifachen Vater nach Norden: Mit seiner Familie lebt er in Hamburg.

Jägerbataillon: Möglicher Afghanistaneinsatz im kommenden Jahr

Seine Augen strahlen, als das Gespräch auf die Besonderheiten der Jäger-Truppengattung kommt. Er sei mit Leib und Seele ein Jäger, betont er. Das spiegele auch seine Naturverbundenheit wider, mit der er sich im Knüll und dem großen Übungsplatz mit seiner besonderen Flora und Fauna am richtigen Platz fühlt. Er spricht von einem „Leben an der Natur und in der Natur“. Dass er ein begeisterter Hobby-Ornithologe ist, kommt spätestens an den Tag, als er auf einen Schwarm von circa 30 Rotdrosseln hinweist, der über die Kaserne in Richtung Süden fliegt.

Zwei anstehende Einsatzlagen muss er als Kommandeur aktuell im Blick behalten. Da ist zum einen die Unterstützung von Soldaten angesichts der Pandemie. Aktuell helfen Schwarzenbörner Soldaten bereits in Berlin, Frankfurt und Offenbach bei der Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten. Die Anzahl der Einsatzkräfte werde aber noch aufwachsen, ist sich Kästner sicher.

Zum anderen bereitet sich das Bataillon auf einen möglichen weiteren Afghanistan-Einsatz im zweiten Halbjahr 2021 vor. Davor steht allerdings noch ein großes Fragezeichen – denn eine Entscheidung über den zeitlichen Rahmen des endgültigen Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan ist auf Nato-Ebene noch nicht gefallen.

Und ein weiteres dickes Brett gibt es zu bohren, bestätigt Kästner. Das ist die Frage nach dem „scharfen Schuss“ auf dem Standortübungsplatz. Der letzte war bei der Umfirmierung vom Truppen- zum Standortübungsplatz gefallen. Aktuell müssen die Soldaten zu Schießübungen mindestens bis nach Wildflecken fahren, haben aber die nötige Infrastruktur auf dem einstigen Truppenübungsplatz vor der Haustür. Das erneute Aktivieren der Schießbahnen könnte Zeit und Geld sparen, ist Kästner überzeugt.

Von Sylke Grede

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