Rätsel um einen Sommerabend

Misshandlung in der Eichwaldhütte? Video gibt Hinweise zum Vorfall in Neukirchen

Die Eichwaldhütte in Neukirchen wird für Feiern und Veranstaltungen genutzt.
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Die Eichwaldhütte in Neukirchen wird für Feiern und Veranstaltungen genutzt. Häufig kommt es im Außenbereich zu Vandalismus. Ein Vorfall im Sommer wirft Fragen auf.

Gerüchte um die Eichwaldhütte beschäftigten Neukirchen. Im Fokus: Soldaten aus Schwarzenborn. Bundeswehr, Polizei und Stadt sind um Aufklärung bemüht.

Neukirchen/Schwarzenborn –Vergangenen Monat beschlossen Neukirchens Stadtverordnete wegen Vandalismus an der Eichwaldhütte eine Videoüberwachung. In diesem Zusammenhang erreichte die HNA aus verschiedenen Quellen ein Gerücht, das nicht nur in Neukirchen seit dem Sommer hartnäckig die Runde macht: Über die Aufnahmen einer Wildkamera soll belegt sein, dass Soldaten an der Hütte zwei junge Frauen misshandelt haben sollen.

Was ist passiert? Ist an dem Abend Anfang Juli an der Eichwaldhütte eine Straftat begangen worden?
Nein. Das antworten Polizeisprecher Markus Brettschneider wie auch der Kommandeur des Schwarzenbörner Jägerbataillons, Oberstleutnant Sven Kästner, übereinstimmend. Sie bestätigen allerdings beide einen Vorfall an der Eichwaldhütte, der in einem Videofilm festgehalten wurde.
Wer waren die Akteure in diesen Aufnahmen?
Anfang Juli hielten sich demnach in den Abendstunden und nach Dienst vier Mannschaftssoldaten des Schwarzenbörner Verbandes und zwei Freundinnen von zwei der Soldaten in ziviler Bekleidung an der Eichwaldhütte auf. Das bestätigen Polizei und Bundeswehr.
Es wurde berichtet, dass Männer alkoholisiert gewesen waren und Flaschen zerschlugen, randalierten und den Außenbereich der Hütte verwüsteten. Stimmt das?
Die jungen Leute haben dort Alkohol getrunken und ihre leeren Flaschen in die Gegend geworfen, sodass der Ort verunreinigt wurde, bestätigt der Kommandeur.
Den Erzählungen zufolge soll es zwischen den Männern und Frauen zu Handgreiflichkeiten gekommen sein, die in brutale Schläge seitens der Männer ausgeartet sein sollen. Belegen das die Videoaufnahmen?
„Die von mir eingesehenen Aufnahmen der Wildkamera zeigen, dass sich eine der Frauen einer Art „Challenge“ stellt, wie sie im Internet in anderer Sache gelegentlich kursieren“, erklärt der Kommandeur. Die Frau habe sich von einem der Männer bei angespannter Bauchmuskulatur, aufrecht stehend und von ihrem Freund gehalten, freiwillig – und offenbar unter Alkoholeinfluss – einmal in die Magengegend schlagen lassen.
Wie sieht die Polizei diese Aktion?
Der Film gebe keine Hinweise darauf, dass die Handlung nicht im Einvernehmen geschehen sei, betont auch Polizeisprecher Brettschneider.
Es heißt auch, dass einer der Frauen die Flucht gelungen sei, die andere zusammengeschlagen worden sei. Obwohl die Frau ziemlich verletzt worden sei, habe sie auf eine Anzeige bei der Polizei verzichtet, da sie Repressalien befürchte. Gibt es dafür Hinweise?
Nein, sagen Polizei wie auch Bundeswehr: „Sie zeigt keinerlei schmerzgekrümmte Körperhaltung und ist vielmehr unmittelbar nach dem Schlag in Umarmung mit ihrem Freund zu sehen. Handgreiflichkeiten sind auf den Aufnahmen nicht zu erkennen.“ Es sei zu keiner Strafanzeige gekommen, dennoch hätten Polizei sowie die betreffende Kompanie die Vorfälle überprüft.
Stimmen Vorwürfe, dass der Vorfall unter den Teppich gekehrt werden sollte?
„Nach Stand meiner Ermittlungen ergab sich aus dem Ereignissen dieses Abends weder aus Sicht der Stadt Neukirchen noch aus Sicht der beteiligten Frauen ein anzeigewürdiges Verhalten, weshalb der bereits lange zurückliegende Sachverhalt keine weiteren Kreise zog“, erklärt der Kommandeur.
Also zog das Verhalten der Soldaten keine Konsequenzen nach sich?
Im Einvernehmen mit der Stadt wurde der Bereich an der Eichwaldhütte durch die Verursacher in ihrer Freizeit gereinigt. „Zudem wurde im Rahmen einer Vereinbarung mit der Stadt die ‚gemeinnützige Arbeit‘ im Bauhof mit den Verursachern vereinbart – eine Art Wiedergutmachung ohne rechtlichen Charakter“, erklärt Kästner. Die Verursacher seien dieser Vereinbarung während ihres Urlaubs nachgekommen.
Wird es disziplinarische Folgen geben?
Die Ermittlungen im Bundeswehrbereich dauern indes noch an. Es gilt zu klären, inwiefern das Verhalten der Soldaten – sowohl die Verunreinigung des Geländes als auch der erkennbar von beiden Seiten einvernehmlich gewollte, einzelne Schlag in den angespannten Bauch der jungen Frau – überhaupt ein Dienstvergehen im Sinne des Disziplinarrechts darstellt oder gänzlich dem privaten Bereich zuzuordnen ist.
Also Ende gut, alles gut?
Der Vorgang ist für die Beteiligten, einschließlich der Stadt Neukirchen, abgeschlossen. Das bestätigt auch Bürgermeister Marian Knauff. Eine Verwüstung habe dort sicher nicht stattgefunden, allenfalls eine scharf zu missbilligende Verunreinigung, welche behoben und zusätzlich mit einem Engagement in der Stadt gesühnt wurde, betont der Kommandeur: „Gleichwohl findet das Verhalten meine ausdrückliche Missbilligung“.

(Sylke Grede)

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