Heiliger in Ritterrüstung

Versteckte Kirchenmalerei in Schwarzenborn ist von historischer Bedeutung

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Galt als Streiter für das Christentum: Diese Wandmalerei in der Schwarzenbörner Kirche zeigt den Heiligen Georg.

Schwarzenborn. Mit einem kleinen Schatz wartet die Schwarzenbörner Kirche im Altarraum auf. Fast versteckt prangt dort an einer Wand eine Malerei aus dem Spätmittelalter.

Sie zeigt den Heiligen Georg. Entdeckt wurde das Kunstwerk laut Heinrich Gutheil – der 81-Jährige war 28 Jahre Küster in Schwarzenborn – bei der jüngsten Kirchenrenovierung. Gutheil geht davon aus, dass die die gesamte Kirche in ähnlichem Stil bemalt gewesen sei. Diese Kunstwerke sind jetzt unter dem Putz verborgen. 

2002 war bei der Kirchenrenovierung im Altarraum ein Stück der damaligen Wandverkleidung heruntergefallen und das Gemälde kam ans Tageslicht. Zunächst sollte das Kunstwerk wieder überputzt werden. Man habe sich dann aber anders entschieden, erzählt der Schwarzenbörner. 

Kunsthistoriker erklärt Bedeutung

Kunsthistoriker Dr. Götz Pfeiffer klärt jetzt im aktuellen Schwälmer Jahrbuch über die Bedeutung des Kunstwerks auf. Pfeiffer geht davon aus, dass die Zeichnung um 1420 im Auftrag des Grafen Johann II. von Ziegenhain entstanden ist. In ihr sei der „höfische Glanz“ des letzten Ziegenhainer Grafen zu erkennen. Das Gemälde belegt die herausragende Stellung, die Schwarzenborn als östliche Befestigung im 14. Jahrhundert für die Grafen von Ziegenhain hatte. 

Rauschenberg war das Pendant im Westen und Ziegenhain die Hauptresidenz. „Damit ist wahrscheinlich, dass alle drei Orte prunkvoll ausgestattet waren, da im Spätmittelalter ein Adliger über Prachtentfaltung und Kunstwerke, die in seinem Auftrag entstanden, auch seine Macht und regionale Bedeutung präsentieren wollte“, meint Götz. 

Die Darstellungsweise des Ritter Georg fußt laut Pfeiffer auf einer damals weit verbreiteten. Georg galt als Streiter für das Christentum. Auch zählte er zu den 14 Nothelfern und wurde von Adligen verehrt. Der Legende nach rettete der Ritter eine Königstochter vor dem Drachen, den er schwer verletzte. Die Jungfrau zähmt die Bestie und führte sie in die Stadt, die das Tier vorher bedroht hatte. 

Georgs-Abbildung ähnelt anderen

Georgs-Abbildungen in einer Klosterkirche in Altenberg bei Köln und in der ehemaligen Stiftskirche in der Bielefelder Neustadt ähneln der Schwarzenbörner Wandmalerei auffällig. Das haben Pfeiffers Recherchen ergeben. Der Künstler, der die beiden Kunstwerke bei Köln und Bielefeld entwarf, hatte am französischen Königshof gelernt und betrieb seine Werkstatt in Köln. Pfeiffer geht davon aus, dass der Kölner möglicherweise seine Fähigkeiten auch an den Maler des Schwarzenbörner Bildes weiter gegeben hat: „Dort zeigt das Gesicht – einer der gut erhaltenen Bereiche – eine sehr sichere Pinselführung und die Hand eines geübten Künstlers.“ 

Pfeiffer stellt einen Zusammenhang mit dem Altarretabel (Altaraufsatz) in der Kirche in Rauschenberg her, die vermutlich Johann II. in seiner frühen Regierungszeit in Auftrag gegeben hat. Auch muss der letzte Ziegenhainer Graf das Retabel des Conrad von Soest in Wildungen gekannt haben. Johann war schließlich mit einer Tochter der Waldecker Grafen verheiratet, die oberhalb von Wildungen eine Burg besaßen. Götz Pfeiffer: „Im Horizont dieser Kunstwerke und ihrer meist höfischen Auftraggeber ist auch die Schwarzenbörner Wandmalerei entstanden.“

Das ist auf dem Bild zu sehen

Götz Pfeiffer beschreibt die Schwarzenbörner Wandmalerei folgendermaßen: Nach links gewandt reitet ein junger Mann auf einem Pferd. Sein mittelblondes Haar lockt sich um seinen Kopf und wird von einem Reif zusammengehalten. Seine Augen sind auf ein Ziel links unterhalb von ihm gerichtet, sein Mund ist geschlossen.

Mit der linken Hand hält er den blauen Zügel eines Schimmels, unter die rechte Achsel hat er eine Lanze geklemmt. Mit der Rechten führt er die Waffe.

Um den Hals ist ein Kettenpanzer gelegt, unten mit goldfarbenen Spitzen verziert. Den Oberkörper bedeckt ein Plattenharnisch, der unten mit Bauchringen und und einem Rock abschließt. Den linken Arm bedeckt eine Panzerung aus Ringen, darunter eine Armröhre, die Hand steckt in einem Eisenhandschuh mit Stulpe.

Die Beine sind von eisernen Röhren geschützt, über dem Knie ein gelenkartiges Geschiebe. Die Rüstung ergänzt ein Schwert, von dem beim vorderen Arm der Knauf zu sehen ist. Angesichts der vollständigen Rüstung und da der Reiter seine Lanze auf ein Ziel angelegt hat, ist es erstaunlich, dass er keinen Helm trägt. 

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