Bürgermeister Kaufmann: "Das ist alles andere als optimal"

Viele Bedenken gegen Zeltstadt - Ministerium setzte sich durch

Schwarzenborn. Die Vorbereitungen zur Aufnahme von bis zu 500 Flüchtlingen im Bereich des Standortübungsplatzes Schwarzenborn haben am Freitag begonnen.

Bis dahin glühten allerdings die Drähte zum hessischen Innenministerium, denn sowohl Bürgermeister Jürgen Kaufmann als auch Vertreter der Bundeswehr und der Hilfsorganisationen haben Bedenken gegen die Unterbringung an diesem Standort.

„Das ist alles andere als optimal“, sagt Kaufmann. Der Herbst stehe vor der Tür, Regen und auch die ersten Nachtfröste, die schon in vier Wochen auftreten könnten, würden für erhebliche Probleme bei der Unterbringung in Zelten sorgen. In unmittelbarer Nähe zum geplanten Erstaufnahmelager befinde sich der militärische Sicherheitsbereich der Knüll-Kaserne. 400 Meter entfernt in ehemaligen Offiziershäusern gebe es bereits eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, in der 190 Menschen untergebracht sind. Sie lebten dort in sanierten Wohnungen und würden gut betreut. Kaufmann fürchtet, dass es zu Neid und Konflikten kommen könnte.

Nicht zuletzt liege Schwarzenborn weit entfernt von einem größeren Mittelzentrum. Die Polizei bräuchte bei einem Einsatz 20 bis 30 Minuten, bis sie vor Ort wäre. Diese Bedenken seien dem Innenministerium vorgetragen worden. Die Entscheidung fiel dennoch für Schwarzenborn.

Kaufmann: „Wir sind demnächst die Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in der Bundesrepublik.“ Die kleineste Stadt Hessens hat etwa 1200 Einwohner.

Der Schwarzenborner Bürgermeister hatte erste Signale aus Wiesbaden Anfang der Woche erhalten. Dass im Bereich des Standortübungsplatzes eine Zeltstadt errichtet werden solle, habe er am Donnerstag erfahren und umgehend die politischen Gremien informiert.

Fotos: Vorbereitungen für die Zeltstadt

500 Flüchtlinge sollen in Zeltstadt in Schwarzenborn einziehen

„Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sagte Kaufmann am Freitag. Der kleinen Verwaltung werde viel abverlangt. Neben dem Bürgermeister sind ein Vollzeitmitarbeiter und zwei Teilzeitmitarbeiterinnen sowie zwei Arbeiter beim Bauhof beschäftigt.

Um die Wasser- und Stromversorgung sowie die Abwasserentsorgung kümmerten sich allerdings die Hilfsorganisationen unter der Federführung von Kreisbrandinspektor Torsten Hertel. Einbezogen seien Katastrophenschutz, Feuerwehr, DRK, THW und Polizei.

In den Gesprächen, die Kaufmann bisher mit Menschen in der Stadt geführt hat, sei deutlich geworden, dass man den Flüchtlingen helfen wolle, dass man aber auch überrascht und irritiert sei über die Vorgehensweise. „Der Frust richtet sich nicht gegen die Flüchtlinge, sondern gegen die Politik“, sagt Kaufmann. Es sei der Ärger darüber, dass es noch immer keine klaren, nachvollziehbaren Regeln gebe. Auch der Schwarzenborner Bürgermeister sagt: „Wir wünschen uns eine vorausschauende Planung.“

In jedem Fall fordert er aber Unterstützung vom Land Hessen. Unter anderem erwarte man, dass die Asylsuchenden melderechtlich der Stadt Schwarzenborn zugeordnet werden, was sich wiederum positiv auf die Schlüsselzuweisungen auswirken würde. Schließlich müsse die Stadt ja beispielsweise auch den Brandschutz sicherstellen.

Ein Video und weitere Bilder folgen morgen.

Lesen Sie dazu auch: 

- 500 Flüchtlinge sollen nach Schwarzenborn

Rubriklistenbild: © Göbel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.