Der herrlichste Schnee seit Jahren

Wintersport in Schwarzenborn: Horst Nierichlo spurt seit Jahrzehnten die Loipe

Zwei Skilangläufer sind auf der Loipe bei Schwarzenborn unterwegs.
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Wintersport vom Feinsten vor der Haustür: Jutta und Martin Theune aus Neukirchen liefen ihre Runden bei wunderbarem Sonnenschein.

Die Loipe bei Schwarzenborn ist bei guten Winterbedingungen gespurt. Seit vier Jahrzehnten präpariert Horst Nierichlo mit seinem Skidoo die Strecke und sorgt für gute Sportbedingungen.

Schwarzenborn – Schnee ist nicht gleich Schnee. Einer, der sich mit Schnee wirklich auskennt, ist Horst Nierichlo aus Schwarzenborn. Und mehr als das: Er hat die letzten vier Jahrzehnte der Geschichte des Wintersports auf dem Knüll gedanklich auf der Taste und will dem Skilanglauf selbst noch möglichst viele Jahre frönen. Sehr gesund scheint diese Sportart ja zu sein, Nierichlo ist 72.

Bei aller Erfahrung bieten die Schnee- und Wetterverhältnisse dieser Tage Bedingungen, die auch einen Horst Nierichlo ins Schwärmen bringen wie einen Teenager. Es gibt nur ein Wort, das er passend findet: traumhaft. So knackig kalte Nächte und frostig sonnige Tage bei perfekter Schneelage – es ist schon Jahre her, dass die Situation dermaßen ideal war. Um 30 Zentimeter beträgt die satte Schneelage, teils sogar höher aufgrund von Verwehungen. Seit 1986 ist er als Loipenspurer „im Geschäft“, 40 Jahre im TSV-Vereinsvorstand hat das Ehrenmitglied gern absolviert. Das Bereiten und die Kontrolle der Loipe mit dem vereinseigenen Skidoo, der das Spurgerät zieht, will er noch so lange versehen, wie ihm das gesundheitlich möglich ist.

Wintersport in Schwarzenborn: Parken und Loipe

Der Zuspruch von Nutzern ist gut, Besucher mit Autokennzeichen aus Marburg, Melsungen oder Bad Hersfeld sind eher die Regel als die Ausnahme. Das Parken an der geräumten Panzerstraße über der Stadt sei völlig entspannt und auch zu Pandemiezeiten mit gehörigem Abstand bequem möglich für mehrere Dutzend Fahrzeuge. So habe auch der Landkreis nichts gegen den Langlauf einzuwenden, das sei zu Winterbeginn offiziell von Bürgermeister Jürgen Liebermann mit Homberg geklärt worden. 6,5 Kilometer ist sie lang, zwischen 520 und 560 Meter über Null verlaufend. Bis 2002 war die Schwarzenbörner Loipe am Knüllköpfchen, doch es war gut und auch unvermeidlich, dass sie verlegt wurde und heute am Städtchen verläuft: Das Holzrücken und die vielen Spaziergänger würden den Betrieb auf der damaligen Strecke nicht mehr erlauben.

Nierichlo leistet seine Dienste bereitwillig für alle, auch wenn er als einziger noch die Fahne hochhält: In den besten Zeiten bestand die Skiabteilung des TSV Schwarzenborn aus 40 Leuten. Es war die Ära der Volksläufe, die man ausrichtete und besuchte, so etwa am Eisenberg und in Olberode. Die große Blüte des Langlaufs war nicht zufällig in den 1980er Jahren – da habe es wunderbar schneereiche Winter gegeben, so Nierichlo. Die Skiabteilung im TSV war vor 40 Jahren, 1981, gegründet worden. Aus der Sektion ist der Ein-Mann-Betrieb geworden. Das zweite, 2006 angeschaffte Schneemobil verrichtet seine Dienste bis heute. Wartung und Reparaturen werden von Nierichlo oder in Nachbarschaftshilfe erledigt. In anhaltend kalten Jahren wie 2011/12 schiebt er auch mal den zugefrorenen Schwarzenbörner Teich frei für Schlittschuhläufer und Spaziergänger. Die Benutzung der Loipe kostet übrigens nichts, eine Spende in die Box ist willkommen.

Wintersport in Schwarzenborn: Schneetelefon

Gratis sind alle Auskünfte am Nierichlo‘schen Schneetelefon, das schwerpunktmäßig von Ehefrau Anita betreut wird. Sie gibt unter der privaten Telefonnummer 0 56 86-93 00 36 bekannt, wie aktuell Schneehöhen, Loipenbeschaffenheit oder auch das Wetter sind – und freut sich über manch kleinen Plausch, der sich nebenbei ergibt.

Wintersport in Schwarzenborn: Saharasand

Bei aller Routine gab es dieser Tage eine ungewöhnliche Entdeckung: Auch im Knüll zeigte sich auf der frisch-weißen Schneedecke etwas bräunlicher Staub, berichtet Nierichlo – das Phänomen Saharasand in der heimischen Gemarkung habe sich ihm bislang noch nie gezeigt. Einem der den Schnee liebt, kann er übrigens offenbar nie zu viel werden: In seinem gesamten Berufsleben habe er es auch an den verschneitesten Tagen jederzeit pünktlich zur Arbeit im Ziegenhainer Gefängnis geschafft. Zur Kälte und zum Schnee muss man offenbar nur die richtige Einstellung haben. (Anne Quehl)

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