Zeltstadt Schwarzenborn: Von Angst bis Zuversicht

Im Nahkauf: Die Verkäuferinnen Ingeborg Pfeffer (von links), Susanne Schneider und Kunde Helmut Itzenhäuser. Im Supermarkt ist die Zeltstadt Gesprächsthema Nummer eins. Fotos: Hartung

Schwarzenborn. Viele Bewohner schauen der neuen Zeltstadt in ihrem Ort mit gemischten Gefühlen entgegen.

Nur wenige Stunden nachdem bekannt wurde, dass in Schwarzenborn eine Zeltstadt für Flüchtlinge errichtet wird, ist die provisorische Unterkunft Gesprächsthema Nummer eins im 1200-Einwohner-Städtchen. „Jeder Kunde spricht heute Morgen davon“, erzählt Susanne Schneider, die in der Fleischerei beim Nahkauf - dem einzigen Supermarkt in Schwarzenborn -arbeitet. Die Meinungen dazu seien gemischt. Viele hätten Angst vor mehr Kriminalität im Ort. „Stell dir vor, die kommen hier morgens mit 100 Mann rein, dann brauchen wir jemanden für die Sicherheit so wie in Calden“, sagt Schneider zu ihrer Kollegin.

Margarete Seipel

Die Nachricht von der Flüchtlingsunterkunft komme überraschend, sagt Regina Ohlvom Nahkauf. Der Supermarkt sei klein. „Das kann problematisch werden“, ergänzt ihre Kollegin Ingeborg Pfeffer. Eine ältere Dame, die bei Schneider etwas Aufschnitt kauft, schüttelt den Kopf: „Wie soll so eine kleine Stadt das aushalten? Wir sind doch nur so wenige Einwohner.“ Georg Zinn, der ebenfalls für einen Einkauf im Supermarkt vorbeischaut, wundert sich: „Warum macht man nicht gleich eine vernünftige Unterkunft? In sechs bis acht Wochen ist es kalt, dann müssen die Leute raus aus den Zelten. Das ist doch verschwendetes Geld.“

Nebenan beim Bäcker sitzt Frieda Saliski mit einigen Freundinnen. Auch hier ist die Zeltstadt Thema. „Was ist, wenn der Winter kommt und keine festen Unterkünfte gefunden wurden“, fragt sich die Schwarzenbornerin.

Zuversichtlich: Melanie Huss-Becker mit ihrer Tochter Cinnia Becker (4).

Während der Gedanke an die Zeltstadt bei einigen Bewohnern Sorgen und Ängste auslöst, gibt es aber auch viele Anwohner, die zuversichtlich sind. „Ich kann es einfach nicht verstehen, wenn sich Leute darüber aufregen“, sagt Margarete Seipel „Es ist doch gut, wenn wir den Menschen hier helfen können. Wir haben doch das große Gelände hier.“ Diese Meinung teilt auch Melanie Huss-Becker, die im Ort ein Taxiunternehmen betreibt. „Wir fahren regelmäßig Asylanten zum Arzt oder zum Einkaufen. Die sind alle nett. Wenn alle so sind, dann ist doch alles gut.“ Dass die Flüchtlingsunterkunft in der Stadt für Probleme sorgen könnte, glaubt auch Achim Brandau nicht. „Wenn alles gut organisiert ist, dann wird Schwarzenborn das ohne große Schwierigkeiten stemmen.“ Als kurzfristige Lösung sei der Platz geradezu optimal.

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