Als aus dem Einsatz Krieg wurde

Schwarzenborner Soldaten:  Auch 2010 bekämpften sie Taliban und Pandemie

Patrouille in Afghanistan: Schwarzenbörner Soldaten suchten am Wegesrand nach Sprengladungen. Sie waren bei ihrem Einsatz 2009/2010 schweren Gefechten ausgesetzt.
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Patrouille in Afghanistan: Schwarzenbörner Soldaten suchten am Wegesrand nach Sprengladungen. Sie waren bei ihrem Einsatz 2009/2010 schweren Gefechten ausgesetzt.

450 Soldaten des damaligen Jägerregiments – jetzt Bataillon – stellten 2009/2010 eine schnelle Eingreiftruppe (QRF) in Afghanistan.

Als militärische Feuerwehr waren sie schweren Gefechten ausgesetzt – und auch einer Pandemie.  

Der Karfreitag 2010 gilt als einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Bundeswehr. Mit dem Karfreitagsgefecht wurde der Afghanistan-Einsatz zum Krieg. Drei Soldaten starben. Im Einsatz im Norden des Landes waren damals auch 450 Soldaten aus Schwarzenborn. Genau zehn Jahre später ist wieder ein Viertel der Truppe aus der Knüll-Kaserne am Hindukusch im Einsatz (HNA berichtete). 

Gefährlicher Auftrag in Afghanistan

Auch wenn sich die Einsatzaufträge inzwischen verändert haben, gibt es Parallelen: 2010 kämpften Schwarzenbörner Soldaten nicht nur gegen die Taliban, sondern auch gegen eine Pandemie. Damals war es die Schweinegrippe, die insbesondere die Region Südasien traf. Viele Bundeswehrsoldaten steckten sich an.

Lagebesprechung von Schwarzenbörner Soldaten im QRF-Einsatz, der im April 2010 endete.

Die Schwarzenbörner Soldaten waren in einer besonders gefährlichen Mission unterwegs. Sie stellten bis Ende April 2010 für ein Jahr die Quick Reaction Force (QRF). Das war eine Art militärische Feuerwehr. Die Schwarzenbörner patrouillierten im gesamten Norden des Landes. Da gibt es fast menschenleere Landstriche mit verlassenen Dörfern. In anderen Regionen übten die Taliban auf die Bevölkerung massiven Druck aus. Stationiert waren die Schwarzenbörner in Masar-I-Scharif. Dort erinnerte ein Ortsschild an den Heimatstandort Schwarzenborn.

Angriffe aus dem Hinterhalt

Improvisierte Sprengladungen, Beschuss aus dem Hinterhalt und die Gefahr von Selbstmord-Attentaten bestimmten den Alltag der Schwarzenbörner Soldaten in Afghanistan. Und kritische Situationen gibt es ausreichend. Von 29 Attacken, denen die Soldaten zum Beispiel bei Patrouillen und an Checkpoints seit Einsatzbeginn ausgesetzt waren, wurde bereits aus den ersten acht Einsatzwochen berichtet.

Michael Matz , damals noch Oberst, jetzt General, im Frühjahr 2010 im Feldlager in Mazar-i-Scharif.

Angriffe bei denen die Schwarzenbörner Soldaten die Gegner zum Rückzug zwangen, Angreifer getötet und verletzt wurden. „Es wird geschossen und gekämpft, teilweise mehrere Sunden lang“, berichtete Kommandeur Michael Matz, der als Oberst den Einsatz befehligte. 

Tapferkeitsmedaille für Schwarzenborner Soldat

Inzwischen ist der 60-Jährige Brigadegeneral und Kommandeur des Ausbildungszentrums Infanterie und General der Infanterie in Hammelburg. Freund und Feind seien in der Regel schwer zu unterscheiden gewesen, berichte er: „Gegenüberstehen kann ein lächelnder Selbstmordattentäter, es könnte aber auch ein friedlich arbeitender Bauer sein.“

Steffen Knoska erhielt die Tapferkeitsmedaille.

Einem Soldat aus der Knüll-Kaserne wurde im Zusammenhang mit dem Einsatz eine besondere Auszeichnung der Bundeswehr verliehen: Steffen Knoska, damals Oberstabsfeldwebel. In der Nähe von Kundus war sein Trupp in einen Hinterhalt geraten. Vor seinen Augen wurde einem Kameraden in den Bauch geschossen. Unter schwerem Raketenbeschuss und Maschinengewehrsalven gelang es dem Soldaten, den Schwerverletzten aus dem Gefecht zu retten und Sanitätern zu übergeben. Dafür erhielt er die Tapferkeitsmedaille. „Das ist eine Realität. Das ist keine Beschreibung aus einer fernen Welt. Eine Realität, der Sie sich in besonderer Weise gestellt haben“, lobte ihn der damalige Verteidigungsminister zu Guttenberg.

Kampfeinsatz hinterlässt Spuren

Während sich im April 2010 die Ereignisse in Afghanistan überschlugen, kamen Mitte des Monats die ersten Schwarzenbörner Soldaten nach Haus. Die Schwarzenbörner Soldaten rüsteten sich für den Heimweg, einige ihrer Kameraden kamen nach dem Karfreitagsgefecht im Sarg nach Hause. Die Schwarzenbörner hatten keine Toten zu beklagen. Erstmals brachten Bundeswehrsoldaten die Eindrücke eines Krieges mit in die Heimat. Erinnerungen an schwere Gefechte, Tote und Verwundete, aber auch an die Armseligkeit des Lebens in einem Land im jahrelangen Kriegszustand.

Von Sylke Grede

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