Wilhelm (96) und Anna Katharina Fenner (93) feiern heute ihre Gnadenhochzeit

Sieben Jahrzehnte, Seite an Seite

Haben vor 70 Jahren geheiratet: Anna Katharina und Wilhelm Fenner aus Seigertshausen. Foto: Rose

Seigertshausen/Röllshausen. Es war Liebe, und die ist es bis heute. Für Wilhelm und Anna Katharina Fenner ist dieser schlichte Satz das Rezept für sieben Jahrzehnte gemeinsamen Lebenswegs. Nie ist das Paar im Streit zu Bett gegangen: „Bis abends war immer alles wieder bereinigt“, erzählt die 93-Jährige.

Vor 70 Jahren gaben sich die Fenners das Jawort. Heute feiern sie Gnadenhochzeit – mit einer kleinen Gästeschar im Familienkreis.

Die Eheleute kennen sich seit Kindertagen, gingen gemeinsam zur Schule. Der Krieg stellte die Jugendliebe auf eine harte Probe. Nur die spärliche Feldpost sendete gegenseitige Lebenszeichen. Im Mai 1945 kehrte Wilhelm Fenner zurück, im November wurde im Wohnzimmer seiner Eltern geheiratet.

Das kleine Haus teilten sich fortan fünf Menschen. Anna Katharina Fenner arbeitete als Magd, ihr Mann verdiente sein Geld in der Landwirtschaft. 1946 kommt ein Sohn zur Welt, ein Jahr später die Tochter. Von den Kindern lebt nur noch sie, der Sohn starb mit 20 Jahren an Krebs.

Den Alltag der Familie bestimmten die Tiere. Schweine, Kühe, ein Pferd mussten versorgt, die Ernte eingeholt werden. Der Schlepper war nicht nur nützlich für die Arbeit auf dem Feld, sondern war für Fenners stets auch Transportmittel. Zum Einkaufen, zum Arzt nach Neukirchen oder zur Tochter nach Schrecksbach fuhren sie immer mit dem Schlepper. Ein Auto hat die Familie nie gekauft. Anna Katharina Fenner versorgte während ihr Mann zur Arbeit ging häufig allein Hof und Felder. Sie machte den Führerschein, streute Frucht aus und fuhr Futter ein.

Denn wenn die Arbeit in der Landwirtschaft knapp wurde, war Wilhelm Fenner auf Baustellen fleißig. Im Straßenbau und als Holzrücker hat sich der heute 96-Jährige seine Brötchen verdient, ebenfalls beim Steinmetz, wo der Seigertshäuser Treppenstufen schliff. Seine Frau kümmerte sich zuhause nicht nur um den Hof, sondern auch um die Schwiegereltern und den großen Garten. Bis 1973 war die Seigertshäuserin stolze Schwälmerin, ging stets in Tracht. Beide waren viele Jahre auch in der Trachtengruppe aktiv.

Im Rentenalter gaben die Fenners die Landwirtschaft auf. Die gemeinsame Zeit genossen sie auf Reisen. Auch packten sie bei der Tochter, die nach Schrecksbach zog, beim Umbau einer Scheune kräftig mit an. Zwei Enkelkinder bereichern die Familie.

Seit viereinhalb Jahren leben beide im Seniorenheim in Röllshausen, wo das Paar sehr zufrieden ist. Häufig ist die Tochter zu Besuch. Anna Katharina Fenner sieht zwar schlecht, freut sich aber dennoch über Rundgänge mit dem Rollator über die Flure. Eine Freundin zum Plaudern hat sie hier auch gefunden. Und nicht selten ist das Zimmer der Fenners Treffpunkt, um sich über alte Zeiten zu unterhalten.

Heute werden dort der Pfarrer, der Bürgermeister und Verwandte zum Ehejubiläum gratulieren. (zsr)

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